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Oltrepò Pavese: gräflicher Rosé

Gräfin Ottavia im Weinlabor.
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Der Captain trinkt göttlichen Pinot-Noir-Rosé aus einer völlig unterschätzten Gegend Italiens.
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Der Captain ist Roséwein-Skeptiker, diesen Ruf trägt er wie ein Bergpfarrer die Monstranz zu Fronleichnam vor sich her, damit auch jeder, der ihm folgt, Bescheid weiß. Umso bedeutsamer ist es, wenn der Captain dann einmal meldet, dass er auf guten Rosé gestoßen ist. Genau das ist hier der Fall. Rosé aus Spätburgundertrauben – oder Pinot Nero, wie die Rebsorte südlich von Salurn (Südtirols Süden) genannt wird.

Pinot Nero aus Oltrepò Pavese – schon mal gehört? Der Captain bis vor kurzem auch nicht, ein großer Fehler, der nun korrigiert ist. Dabei ist die Formal ganz einfach: kühles Klima + kalkhaltige Böden = viel Potenzial für große Pinots. Naja, ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Aber die Rechnung geht auf. Zumindest beim Platzhirschen der Region, dem Weingut Conte Vistarino.

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Pinot Noir ist im Oltrepò nicht neu. Die Rebsorte hat hier eine alte Geschichte. Aber die ist außerhalb kaum bekannt. Oltrepò Pavese liegt in der italienischen Provinz Pavia, südlich des Flusses Po im Südwesten der Lombardei. Die Vistarinos pflanzten 1850 erstmals Pinot Noir auf ihrem Grund und Boden an. Heute bewirtschaften sie über 200 Hektar Weinland, davon sind 140 Hektar mit Pinot Noir bestockt. Das ist fett. Der Bestand in der ganzen Region liegt bei 3.000 Hektar und wird zu einem großen Teil zu Spumante verarbeitet. Daneben gedeihen Barbera, Croatina, Welschriesling, Moscato, Riesling, Pinot Grigio, Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot. Die thermischen Verhältnisse (in der Nacht kalt und tagsüber warm) in Kombination mit dem kalkhaltigen und lehmigen Terroir ermöglichen Wein von großer Spannung und Tiefe, die man hier in Unkenntnis der Verhältnisse nicht erwartet. Und sie kosten nicht mal viel. Die drei Pinot-Nero-Spitzengewächse des Hauses Pernice, Bertone und Tavernetto kommen jeweils auf etwas mehr als 30 Euro. Für so gut gemachten Pinot Noir wirklich nicht zu viel.

Der Captain wird ein anderes Mal über diese edlen Brummer berichten, denn eigentlich will er jetzt von einem gräflichen Roséwein erzählen, den ihm die Chefin des Hauses Ottavia Giorgi di Vistarino schicken ließ. Sie ist die Urenkelin des Pino-Noir-Pioniers Augusto Giorgi di Vistarino und hat zwei Uni-Abschüsse in der Tasche: Wirtschaft und eine Önologie. Die Verbindung beider Instrumente sichert das Überleben auch in schwierige Zeiten. Der Most diese blassrosa Tropfens wird aus früh (früher als für Rotwein) gelesenen Pinot-Nero-Trauben ohne mechanischen Druck gewonnen (man nennt das Ergebnis Vorlauf), im Stahl vergoren und vier Monate auf der Feinhefe liegengelassen. Und so schmeckt der Pinot Nero Rosato Maria Novella: In der Nase wilde Erdbeeren und Cremeschnitte. Im Mund kräftig, deutlich rotfruchtig und leicht süßlich bei milder Säure. Ich schmecke Granatapfelsaft, Kirsche, Orangenschale, Mandarine, dezente Bitternoten. Am Gaumen Grapefruit und sogar ein bisschen Struktur – bei Rosé äußerst selten.

Ein sehr eleganter Roséwein, der auch zum Essen taugt und dabei nicht zu kalt genossen werden darf, weil seine feinfruchtige Aromatik das nicht verträgt.

 


Datum: 17.8.2020 (Update 18.8.2020)