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Noch etwas Wein, Frau Mutter?

Schnüffel. So riecht Languedoc.
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Winzer Loius Fabre aus der Corbières siezt seine Mama und hat auch Respekt vor Mutter Natur. Darauf trinken wir eine Flasche seines Bio-Rotweins, der dank eines Kellertricks trotz Eleganz auch viel Frucht hat.
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Château Coulon zu betreten, fühlt sich an wie eine Reise durch die Zeit. Die stillen Teiche und die alte Orangerie haben auch vor hundert Jahren so ausgesehen, die Inneneinrichtung sowieso. Seit mindestens zwölf Generationen lebt die Familie Fabre auf Château Coulon im Dörfchen Cruscades, nicht weit von Narbonne – also im südlichen Teil des Languedoc, genauer gesagt: im Anbaugebiet Corbières. In dieser Familie legt man Wert auf Tradition. Das Weingutsteam trifft sich Mittags zum gepflegten Essen. Ganz selbstverständlich spricht Louis Fabre seine Mutter mit „Sie“ an.

Tradition spielt auch in den Weinbergen eine Rolle. Während einige Winzer in der Gegend ihre Carignan-Reben durch Merlot oder Syrah ersetzten, hält Fabre an dieser für das Languedoc typischen Rebsorte fest. Der 1953 geborene Winzer glaubt unbeirrbar an diese Traube un sagt: Vor allem Carignan-Weine von alten Reben zeigen enorm viel Charakter.

Auch wenn er Traditionalist ist, so war es Fabre schon in den 1980er Jahren klar, dass er das Weingut sanft modernisieren muss. So blieb er auf der einen Seite dem Carignan treu und behielt die Weinberge. Auf der anderen Seite begann er, mit Neupflanzungen zu experimentieren. Seine Syrah-Reben zum Beispiel sind inzwischen fast 40 Jahre alt. Fabre wusste, dass im Languedoc die Voraussetzungen für biologischen Weinbau ideal sind.

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Château Coulon zu betreten, fühlt sich an wie eine Reise durch die Zeit. Die stillen Teiche und die alte Orangerie haben auch vor hundert Jahren so ausgesehen, die Inneneinrichtung sowieso. Seit mindestens zwölf Generationen lebt die Familie Fabre auf Château Coulon im Dörfchen Cruscades, nicht weit von Narbonne – also im südlichen Teil des Languedoc, genauer gesagt: im Anbaugebiet Corbières. In dieser Familie legt man Wert auf Tradition. Das Weingutsteam trifft sich Mittags zum gepflegten Essen. Ganz selbstverständlich spricht Louis Fabre seine Mutter mit „Sie“ an.

Tradition spielt auch in den Weinbergen eine Rolle. Während einige Winzer in der Gegend ihre Carignan-Reben durch Merlot oder Syrah ersetzten, hält Fabre an dieser für das Languedoc typischen Rebsorte fest. Der 1953 geborene Winzer glaubt unbeirrbar an diese Traube un sagt: Vor allem Carignan-Weine von alten Reben zeigen enorm viel Charakter.

Auch wenn er Traditionalist ist, so war es Fabre schon in den 1980er Jahren klar, dass er das Weingut sanft modernisieren muss. So blieb er auf der einen Seite dem Carignan treu und behielt die Weinberge. Auf der anderen Seite begann er, mit Neupflanzungen zu experimentieren. Seine Syrah-Reben zum Beispiel sind inzwischen fast 40 Jahre alt. Fabre wusste, dass im Languedoc die Voraussetzungen für biologischen Weinbau ideal sind.

Das Wetter ist meist gut, die Sommer sind lang und heiß, es regnet nicht allzu viel und wenn, dann trocknet der beständig wehende Mistral Trauben und Blätter der Reben schnell. Das Risiko von Fäulnis und Pilzerkrankungen ist gering. Für Fabre war deshalb klar – er wollte Biowinzer werden. 1992 hat er es dann auch geschafft. Zu einer Zeit, als Bio noch gar nicht alltäglich war.

Ich ließ mir einen Wein kommen, der diesen Weg zwischen Tradition und Moderne repräsentiert. Er heißt Séléction Spéciale und besteht zu 40% aus Carignan, 30% Grenache – einer ebenfalls für das Languedoc typischen Rebsorte – und zu 30% aus Syrah.

Da dieser Wein zwar Struktur haben muss, aber dennoch leicht trinkbar bleiben soll, greift Fabre bei einem Teil der Trauben zu einer besonderen Methode, der macération carbonique, gerne auch Kohlensäuremaischung genannt. Dabei kommen die Trauben im Ganzen in einen luftdichten Tank und gären dort ohne Hefen. So entsteht ein besonders fruchtiger, rasch trinkfertiger Wein. Der Captain zitiert seinen Bekannten → Klaus Hermann, Chefredakteur des angesehenen Fachmediums → Wein und Markt:

Die macération carbonique ist eine intrazelluläre Gärung durch traubeneigene Enzyme, bei der neben zahlreichen Nebenprodukten vor allem Alkohol, CO2 und besondere Aromastoffe entstehen, die den Weinen eine unverwechselbare Note verleihen. Diese wird oft als Rumtopfoder Bonbon-Ton bezeichnet. Aber auch die Assoziationen zubereiteter Früchte oder Dörrobst kommen häufig vor. Ein Problem dabei ist, dass der Einsatz einer Erntemaschine ausgeschlossen ist, da die Trauben gänzlich unverletzt sein müssen. Macération carbonique, diese besondere Technik der Rotweinbereitung, findet weltweit immer weitere Verbreitung. Am bekanntesten wurde sie zunächst durch den Beaujolais Primeur, der durch sie erst großtechnisch möglich wurde. Im Languedoc-Roussillon ist sie schon lange weit verbreitet. In der letzten Dekade wurde in fast allen Anbaugebieten der Erde damit experimentiert. Kein Wunder: Üppige Fruchtigkeit wird auch bei den Rotweinen immer beliebter.

Die übrigen Trauben lässt Fabre ganz normal vergären. Dann mischt er beide Weine und füllt sie zusammen in französische Barrique-Fässer. Dort bleibt die Séléction Spéciale für zehn Monate liegen, bevor sie in die Flaschen abgefüllt werden.

Dieser Wein steht nun vor mir auf dem Kombüsentisch. Ich schenke mir ein Glas ein und nehme eine tiefe Nase: Ich rieche frische Wald- und Johannisbeere, dann etwas Zwetschge. Die Lagerung im Fass aber gibt dem Wein noch ganz andere Noten: Lakritz und Kaffeebohnen kitzeln die Riechzellen. Am Gaumen dominieren frische Früchte, vor allem Johannisbeere und Zwetschge. Saftig und kräftig rollt der Tropfen geschmiert von leichter Restsüßlichkeit und zartbitteren Pfeffernoten über die Zunge. Die Tannine sind weich und gut integriert. Der Abgang dauert eine ganze Weile. Von diesem Wein hat man auch lange nach dem letzten Schluck noch was.

Mein Fazit? Ein wunderbarer Südfranzose und der Beweis, dass der Weg von Louis Fabre zum Erfolg führen kann. Als Essenspartner empfehle ich Lammhaxe oder ein Kalbskotelett mit Salbei.

 


Datum: 25.4.2020
 

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