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Nebbiolo aus Valtellina: der schöne Luca

Arbeiten in der Steillage: Luca Faccinelli.
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Der Captain berichtet von seinem Besuch im abgelegenen, rauen Valtellina, wo unter harten Bedingungen gar wunderbare Weine entstehen.
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Hast du schon mal vom Anbaugebiet Valtellina südlich der Schweiz gehört? Für die meisten Menschen außerhalb des Weingeschäfts ist die Region ein weißer Fleck auf der Landkarte. Sie gehört zur Lombardei und wird von deutschsprachigen Menschen Veltlin genannt, hat aber nichts mit der Rebsorte Grüner Veltliner zu tun. Das Flusstal verläuft parallel zur Staatsgrenze mit der Schweiz. Nach St. Moritz ist es nur ein Katzensprung über den Bergkamm. Das Anbaugebiet der Valtellina DOC misst rund 850 Hektar.

Hier lebt und arbeitet der umwerfend gut aussehende ehemalige PR-Manager Luca Faccinelli mit seiner kleinen Familie und verarbeitet seit 2007 die Trauben aus drei Hektar terrassierten Parzellen, die an steilen Südhängen der rätischen Alpen kleben. Sie liegen im Gebiet Valtellina Superiore Grumello. Noch genauer gesagt: in Dossi Salati.

Der Captain besuchte Luca und seine Giovanna im Spätherbst im mittelalterlichen Kellergewölbe des Weinguts, als er im Veltlin war und gerade noch den letzten Tag der Lese erwischte. So sieht das Winzerpaar aus der Nähe aus:

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Übrigens, der Captain lobt gerne gut aussehende Winzer. Im Gegensatz zu Winzerinnen, die nicht mehr für ihr Äußeres gerühmt werden dürfen. Das nahm sich der Captain strikt vor, als er merkte, dass die Fixierung auf Äußerlichkeiten in der Bewertung von Frauen im Weinbau (und nicht nur dort) respektlos, rückständig und zu beenden sei. Ältere Artikel zeugen davon, dass hier mal ein anderer Wind wehte, der viel Machostaub enthielt. Damit ist endgültig Schluss.

Pacherhof: der schönste Winzer Südtirols

Zurück ins Valtellina. Es war bitterkalt und eisiger Regen prasselte auf die Häupter der kleinen Besuchergruppe herab, die von einem charmanten Vertreter der lokalen Wirtschaftskammer angeleitet wurde.

Der Captain und seine Mitreisenden besuchten etliche Winzer, eine Bresaola-Fabrik (der zarte Schinken kommt nur von hier, LIDL ist ein wichtiger Abnehmer), eine Käserei und eine Genossenschaft für Apfelbauern. Und man tafelten ausgiebig die lokalen Spezialitäten. Unter anderem sogenannte Pizzocheri della Valtellina, eine graubraune und mildwürzig schmeckende Nudelsorte aus Buchweizen. Nach so einer Reise denkt der Captain immer an eine F-X-Mayr-Kur. Das ist eine spezielle Diät mit getrockneten Semmeln und wässriger Brühe.

Lucas Rebstöcke sind bis zu 80 Jahre alt. Die Weinbergsarbeit gestaltet sich als schwierig, wie man auf dem Foto ganz oben sehen kann. Einmal ließ Luca einen Helikopter kommen, um die Trauben ins Tal zu schaffen. Das mag ein spektakulärer PR-Gag gewesen sein, davon versteht der Winzer nämlich etwas, denn er vermarktete früher die Hotels und SPAs der Region und lernte das Handwerk in einer großen amerikanischen Agentur.

Nebbiolo wird hier Chiavennasca genannt, es ist die Hauptrebsorte der Region, die andere Weine ergibt als jene Nebbiolo, die man beispielsweise aus der Langhe gewohnt ist. Nebbiolo aus Valtellina hat einen eigenen Charakter, sowohl optisch (tendiert ins Rostrot), als auch geschmacklich. Weniger Konzentration als vielmehr Raffinese der Frucht geben am Gaumen den Ton an. Diese Tropfen entwickeln eine beeindruckende Komplexität und hohe Eleganz – dem besonderen Terroir des Veltlins sei’s gedankt. Schon das Reinschnüffeln gerät zum sensorischen Erlebnis zwischen frischem Straßenbelag aus Teer (Weinkenner nennen dieses Bukett „Goudron“) und Veilchenblüten. Vollmundig, samtig-weich, staubtrocken und ungemein kraftvoll mit ordentlich Säure und Alkohol schießen diese Nebbiolos direkt ins Geschmackszentrum. So viel Wein pro Quadratzentimeter Zunge verkraftet nicht jeder.

Der Captain trank den Ortensio Lando Valtellina Superiore Grumello von Luca Faccinelli und berichtet: Die Nebbiolo-Trauben für diesen eleganten Brummer wuchsen auf Terrassen in 500 bis 700 Metern Höhe. Im Glas sattes Rot mit orangen Reflexen. In der Nase sehr ätherisch nach Kirsche, Hagebutte, Grapefruitschale. Im Mund erfrischend, zupackend und feinstofflich mit staubiger Mineralität, viel Saftigkeit und hoher Eleganz. Unbedingt mindestens eine Stunde Luft atmen lassen. Ich schmecke konzentrierten Kirschsaft, Assam-Tee, frisch gezupften Estragon, Fruchtfleisch einer Blutorange und Kräutersalz. Im langen Abgang leicht blutig.

Kenner auf der ganzen Welt sind sich einig, dass die Weine des Veltlins aus den Premiumlagen Valgella, Inferno, Grumello, Sassella und Maroggia zum Allerbesten zählen, was die Weinwelt Italiens zu bieten hat. So ein Valtellina Superiore oder Sforzato di Valtellina (beide als DOCG klassifiziert) ist nichts für Anfänger. Die sollten besser mit einem einfacheren Rosso einsteigen. Geübte Spätburgunder-Freunde jedoch stoßen hier auf eine Quelle des Glücks, die gar nicht arg teuer ist, denn der gute Ruf dieser Cool-Climate-Region hat sich noch nicht verbreitet. Allerdings dauert es bis zur Trinkreife. Die Tannine brauchen ihre Zeit, um sich mit Anthocyanen zu langkettigen Molekülen zu verbinden, die nicht mehr kratzen. 10 Jahre sollten die höheren Qualitäten schon ruhen.

Was macht das spezielle Terroir des Valtellina aus? Durch seinen Ost-West-Verlauf ist das Tal gegen kalte Nordwinde geschützt. Vom Comer See, wo es endet, strömt mediterrane Luft herein, die sogenannte breva. Sie besorgt die Bestäubung der Blüten und trocknet die Pflanzen. Scheint die Sonne, tut sich ein atemberaubender Blick auf. Über das ganze Tal erstrecken sich die Terrassen der Winzer. Es ist majestätisch still wie auf einer Alm, wenn nicht gerade eine Vespa durch die Szene knattert.

Das größte und bekannteste Weingut im Valtellina heißt übrigen Nino Negri. Der Captain war auch dort und hat verkostet. Dazu ein anderes Mal mehr. Denn beim Captain heißt es: Kleine zuerst.

 


Datum: 15.9.2020
 

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