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Michael Schroth: Allet wird jut.

Winzer Michael Schroth. Foto: Weingut
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Manche halten unseren Linkslotsen Balcerowiak für einen Misanthropen. Aber nein, er ist halt einfach nur Berliner. Und regt sich bei einem einfach-guten Spätburgunder von Michael Schroth ganz schnell wieder ab.

Ich weiß, ich soll hier eigentlich über Wein schreiben. Das werde ich auch gleich tun.

Aber zunächst einmal möchte ich mich aufgrund einschlägiger Erlebnisse während meines Wochenendeinkaufs in einer dringenden Angelegenheit an die Öffentlichkeit wenden.

An alle Käseverkäufer in Berlin:

  • Wenn ich 100 Gramm von einer Sorte Käse haben will, dann möchte ich ungefähr 100 Gramm und nicht 180 oder gar 210 Gramm!
  • Ich möchte von keinem Verkäufer, der ein viel zu großes Stück auf die Waage legt, die unverschämte Frage hören: Darf´s ein bisschen mehr sein?
  • Vor allem möchte ich nach Verneinung kein vorwurfsvolles Gesicht sehen oder gar die noch diese bescheuertere Frage hören: Was soll ich denn jetzt mit dem Stück machen?

Ansonsten hätte ich da noch eine Frage an die Verantwortlichen in der Hauptstadt. Welcher Irre ist auf die Idee gekommen, an einem Wochenende außer dem DFB-Pokalfinale auch noch ein großes Volks-Fahrradrennen und einen Tag der offenen Tür der Bundesregierung zu veranstalten?

Als ob es nicht reichen würde, sich zwischen zehntausenden zweibeinigen rotbehemdeten Weißwürsten und schwarz-gelben Lüdenscheidern durchquetschen zu müssen.

Jetzt zum Wein: Spätburgunder, Pfalz.

Doch bevor ich hier weiter den Gernot Hassknecht der Bloggerszene mime, möchte ich lieber was Positives erwähnen. Nämlich einen sehr gelungenen Spätburgunder aus der Pfalz zu einem sensationellen Preis.

Dabei begann meine Beziehung zu dem Spätburgunder vom Weingut Schroth vor einigen Wochen mit einem krachenden Fehlstart. In der Nase und am Gaumen fast nur dumpfes, nasses Holz, klebrige Restsüße und fast schon faulige Frucht.

Ich brauchte relativ lange um zu merken, dass es sich nicht um vollkommen misslungenen Wein, sondern um eine besonders fiese Form von Korkschmecker, den „Schleicher“, handelte.

Unkompliziert und gut gemacht.

Natürlich hatte dieser Wein eine zweite Chance verdient. Und er hat sie genutzt. Feine Johannisbeer- und Brombeeraromen in der Nase, klare Burgunderfrucht mit ein wenig eingelegter Sauerkirsche am Gaumen, dezente, warme Holzwürze mit ein paar Anklängen an getrocknete Kräuter und dazu noch viel Schmelz beim Abgang. Keine Neu-Pfälzer Wucht- und Fruchtbrumme, sondern ein gefälliger, unkomplizierter Wein ohne Ecken und Kanten. Aber richtig gut gemacht.

Also genau das, was Weinsnobs mitunter zur überheblichen Abwertung animiert, wie ich selbst zu Beginn des Artikels. Aber weder ich noch Millionen andere Weinfreunde brauchen permanent Weine voller Mysterien, Tief- und Abgründe.

Nicht jeder Wein muss einem neue Horizonte eröffnen oder zum Schreiben von Oden oder Sinfonien animieren. Manchmal reicht ein relativ schlichter, aber ausgesprochen wohlschmeckender Spätburgunder, den man einfach nur so trinkt oder zu Lammgulasch ins Glas gießt. Der soll dann natürlich auch nicht die Welt kosten. Und in der Tat ist es mitunter ziemlich schwierig, solche Weine zu finden.

 


Datum: 21.5.2014 (Update 17.2.2015)
 

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