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Magno Megonio: delikates Kalabrien

Nicodemo Librandi mit Sohn Paolo.
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Der Captain hat wieder einen großartigen Fund aus der 10-Euro-Kategorie zu vermelden. Es ist rauchiger Rotwein aus Süditalien mit differenzierten Aromen und von uralter, seltener Rebsorte.
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Der Captain genießt die fast schon kühlen Temperaturen der Berliner Luft. Ich hoffe, es geht dir genauso, wo auch immer du wohnst. Allmählich schleicht sich die Gewissheit an, dass bald wieder Herbst ist. Zeit für kräftigen und delikaten Rotwein.

Und genau so einen hat der Captain neulich entdeckt. Das Schöne daran – neben seinen geschmacklichen Qualitäten: Es ist ein SEHR guter Wein aus der 10-Euro-Kategorie. Der Captain nimmt ja Zahlen nie so genau und deshalb schlägt er auch Weine dazu, die etwas mehr kosten. Wie mein heutiger Abendwein, der rauchig-schöne Gaumenschmeichler Magno Megonio Val di Neto von Librandi in Kalabrien. Was für ein durch und durch gelungener Tropfen und interessant obendrein, denn er wurde aus einer seltenen und uralten Rebsorte gemacht: Magliocco Dolce. Schon mal gehört oder gar getrunken?

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Höchstwahrscheinlich griechischen Ursprungs trägt diese Sorte außerordentlich viel Tannine in der Schale und reift spät aus. Weinmacherisch ist ihr nicht ganz leicht beizukommen, man muss den exakt richtigen Lesezeitpunkt erwischen, wenn die Beeren die sogenannte physiologische Reife erreicht haben, um allzu heftige Bitternoten zu vermeiden. Labormessungen leiten in die Irre, da hilft nur im Weinberg stehen, jeden Tag schmecken und Kerne kontrollieren.

Die Familie Librandi mit ihren 6 Weingütern in der Region hat sich auf die Fahne geschrieben, diese Sorte zu retten. Das ist derzeit ein Trend in Italien und hat wohl mit einer gewissen Übersättigung des Marktes mit herkömmlichen Rebsorten zu tun. Man denke nur an den ausufernden Chianti-See und seinen unvermeidlichen Preisverfall in den einfachen Kategorien. Wenn einer was vom Weinmachen versteht (und die Librandis gehören zweifellos dazu), rinnt am Ende ein großartiger Magliocco-Dolce-Saft in die Flaschen.

Der Magno Megonio Val di Neto erinnert mich ein bisschen an Dolcetto aus Piemont (mit seinem leichten Bittermandel-Touch) und zugleich eleganten Primitivo (selten), weil er mir diese wunderschöne Extraktsüße auf die Zunge träufelt. Wein zum Dazulernen – aus der tanninreichen und spät reifenden autochthonen Rebsorte Magliocco Dolce. Im Glas sattes Rubinrot mit leuchtendem Kern. In der Nase großartige Mischung aus reifer Kirschfrucht, Kakaopulver, Lakritze und Marzipan, was mich an Dolcetto erinnert. Im Mund butterweich, leicht rauchig, zartbitter, durchaus kräftig und ein bisschen süßlich – das schafft sensorische Nähe zum Primitivo, ohne dessen Tendenz in die Breite zu gehen. Technisch ist dieser Wein sowieso staubtrocken (ein Gramm Restzucker), es handelt sich um sogenannte Extraktsüße. Insgesamt wirkt er alles andere als schwer, obwohl der Alkohol mit 14,5% Vol. zu Buche schlägt. Erstaunlich, dass man davon nicht viel merkt. Am Gaumen konzentrierte Schattenmorelle, Kakao und etwas Averner mit Zitronenspalte. Köstlicher und interessanter Wein, der nicht viel kostet, vielschichtig ist und trotzdem trinkig. Gut zum Essen, aber auch zum Nachzudenken und Schluck für Schluck Genießen. Sangiovese von dieser Qualität würde das Doppelte kosten. Herrlich für den Herbst, der jetzt kommt. Lass dir diesen leistbaren Leckerbissen schmecken!

 


Datum: 8.9.2020