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LACUS: der Einzelgänger

Mikrowinzer Walter Schullian.
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Der Captain trinkt eine spektakuläre Rotwein-Rarität aus Südtirol und beleuchtet den Mann, der sie schuf.
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Der Captain genießt die angebrochene Nacht mit einem seltenen Rotwein aus Südtirol, dem ihm Mikrowinzer und Weinberater Walter Schullian (Bild oben) zukommen ließ und ist begeistert. Wer den Verkostungsbericht unten durchliest, versteht warum. So viel seidige Eleganz und dunkle Tiefe zugleich hat man selten im Glas.

Der Wein ist eine Rarität, denn die Parzelle, aus der seine Trauben kommen, misst mickrige 2.800 Quadratmeter. Das sind 0,28 Hektar!

Dieses Fleckchen Erde befindet sich in der berühmten Weingemeinde Tramin. Walter lebt ein paar Kilometer nördlich in Kaltern am Ufer des berühmt-berüchtigten Kalterersees, der früher gerne „Kopfwehsee“ genannt wurde, bevor Südtirol sich in einem bewundernswerten Kraftakt innerhalb kurzer Zeit zum Premium-Weinland hochschoss.

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Die Weinregion Südtirol – Alto Adige ist mit 5.300 Hektar Rebland fast doppelt so groß wie das Rheingau und das kleinste Anbaugebiet Italiens – zumindest was den Ausstoß betrifft. Nur knapp ein Prozent der Weine Italiens kommt aus Südtirol. Aber im etablierten Weinführer Gambero Rosso kassieren Südtirols Winzer die meisten Höchstnoten. Trotzdem gelingt es nicht, im weinverliebten Ausland so zu glänzen, wie man gerne möchte. Wein aus Südtirol auf deutschen Weinkarten? Eher selten.

Schon die Oma von Walter belieferte die lokale Genossenschaft Cantina Kaltern, dann die Mutter. Der Bub machte seine Matura (Abitur) auf der Landwirtschaftsschule von San Michele und ging zu Beginn der 1980er-Jahre ins Markgräflerland, um in einer Winzergenossenschaft ein ausgedehntes Praktikum zu absolvieren. Walter zum Captain: Damals sagte man, wenn du Sauberkeit und Präzision im Weinbau lernen willst, geh rauf nach Deutschland. Heute würde man dafür eher nach Australien oder Neuseeland gehen.

Walter weiß, wovon er spricht, denn er lebt von seiner Expertise als flying winemaker. So nennt man die McKinseys der Önologie. 8 Jahre lang beriet Walter Schullian einen österreichischen Unternehmer in dessen Weingut auf einer Insel in der türkischen Ägäis, jetzt ist dort Schicht im Schacht, weil Corona und die Anti-Alkohol-Politik des Diktators in Ankara Weingütern nicht mal mehr eine eigene Website erlaubt. Mehrere Betriebe in Italien vertrauen Walters Ratschlägen. Der Captain stieß auf Walter, als er über das noch recht junge Weingut Palazzo Lodron der österreichischen Familie Volpini de Maestri schrieb. Als der junge Mann aus Baden nach Südtirol zurückkehrte, sagte der Kellermeister der Cantina Kaltern zu seinem Neffen: Komm zu uns.

Und Walter blieb 22 Jahre lang, zuletzt als önologischer Leiter und Nachfolger dieses Onkels. 2005 war Schluss. Walter wollte unabhängig sein, zog das Leben als reisender Weinmacher der stationären Tätigkeit vor. Aber ein bisschen blieb der Weintüftler seiner Heimatgemeinde treu – siehe oben. 2008 rodete er Omas Weinberg und legte eine Pflanzung mit Cabernet Franc und Merlot an. Warum gerade hier und ausgerechnet diese Sorten? Kann es nicht Lagrein sein, fragten die Kollegen und warfen Walter unterschwellig einen gewissen Höhenflug vor, weil er sich gen Bordeaux orientierte. Nein, keine Arroganz! Ich wollte etwas Besonderes schaffen, einen Wein, über den man spricht, sagt Walter und erklärt, warum gerade seine Cabernet-Franc-Trauben genau die richtigen sind: Die Lage mit meinen Stöcken ist sehr warm und ich pflanzte einen neuartigen Klon, der früher reif wird als die üblichen Cabernet-Franc-Trauben in Südtirol und im Trentino. So kann die Sorte zugleich mit dem Merlot gelesen und gemeinsam im offenen Tonneau spontanvergoren werden. Aha, und warum nicht Cabernet Sauvignon, den gibt es wenigstens ein bisschen öfter hier im Alto Adige, fragt der Captain wichtigtuerisch. Weil ich diese grünlichen Noten nicht in meinen Weinen haben will, sagt Walter. Ende des Gesprächs.

Das ist die Geschichte des Weins mit dem kurzem Namen LACUS, der stolze 39 Euro pro Flasche kostet. ABER: Dieser Wein hat auch noch einen großen Bruder, der nur in Magnum-Flaschen abgefüllt wird und LACUS Selection heißt. Was ist der Unterschied – abgesehen vom Flaschenformat? Die Konzentration im Getränk, denn der LACUS Selection wird durch das sogenannte Salasso-Verfahren verfeinert, indem der Winzer zu Beginn der Gärung 20% Saftanteil entzieht.

Auch diesen Wein probierte der Captain und war ganz hin und weg von so viel Intensität. Leider gibt es nicht viele Flaschen davon und wer ihn trinken will, muss Walter pro Buddel 120 Euro hinlegen. Ok, das ist er vielleicht wert, denkt der Captain, bleibt aber lieber beim „normalen“ LACUS und empfiehlt den Kauf. Auch wenn der Preis immer noch weh tut.

Und so schmeckt er: Seltene Rotweindelikatesse eines Einzelgängers aus Südtirol mit 70% Cabernet Franc und 30% Merlot. Im Glas tiefdunkles Karminrot. In der Nase Schwarzkirsche, Kräuterduft, Oliventapenade, etwas Blut, edles Kakaopulver, Lakritze und ein zarter Hauch Vanille vom Barrique. Im Mund aufregend würzig, dunkelfruchtig, mit abgerundeten Kanten. Ich schmecke geröstete Kräuter, schmelziges Pflaumenmus, Lavendel, einen Tropfen Amaretto mit extrafeiner Süße, was zusammen eine dunkle Kraft ergibt, die sich auf Zunge und Gaumen legt. Dann schwarze Schokolade, Blutorangensaft, pflanzliche Bitternoten, Salz. Man genießt dieses tiefgründige und elegant strukturierte Getränk mit allen Sinnen.

 

Datum: 13.4.2021
 

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