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Liebling, ich habe die Beeren geschrumpft!

Rolf Freund, Erfinder des Rondeur Appassimento.
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Ein dichter, aromatischer Rotwein von einem deutschen Weingut im Languedoc lässt den Captain mit der Zunge schnalzen. Herrlich! Aber schmeckt der nicht wie Amarone...?

Als der deutsche Weingroßhändler und Ostwestfale Rolf Freund mit seiner Frau Renate das Weingut La Grange im heißen Languedoc gründete, fragten sich einige: warum kauft der sich nicht einfach ein schönes Landhäuschen und genießt seine Rente?

Die Frage blieb unbeantwortet. Was soll man auch sagen? Etwa: ich bin noch zu jung. Oder: ich brauche das Geld.

Nichts dergleichen hätte gepasst.

Die Freunds sind keine Leute für die ruhige Kugel. Unrast und Pioniergeist treibt sie. So kam es 2007 zu La Grange.

Und so kam es 2017 zu einem ungewöhnlichen Wein, der so gar nicht dorthin gehört, wo er herkommt. Erst seit kurzem ist er im Handel. Der Captain war einer der ersten, die davon kosteten.

Es handelt sich um den Rotwein „Rondeur Appassimento“ aus den Rebsorten Grenache, Syrah, Mourvedre.

Ein unglaublich dichter, rassiger und maulfüllender Rotwein, der mich an Amarone erinnert und (fast) genauso hergestellt wird.

Wer mehr über das Weingut La Grange, seinen Macher und die Weine wissen möchte, klickt hier:

Ein Aussteiger-Traum

Auf La Grange nimmt man das geschützte Wort Amarone natürlich nicht in den Mund. Man sagt lieber, der Rondeur Appassimento sei eine Antwort auf den Primitivo.

Naja, wenn ich an die dünnen Primitivo-Weinchen denke, die in der Berliner Gastronomie aufgetischt werden, würde ich mir das noch einmal überlegen.

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Heute beim Captain im Glas. Einfach nur herrlich! 🍷🍷🍷 In der Nase Cassis und nochmal Cassis. Dann reife Kirschen, Rote Beete, Gazpacho, Honigmelone mit geräuchertem Schinken und Vanille, eine Pfingstrose, die schon 2 Tage in der Vase steht und eine Prise schwarzer Pfeffer. Im Mund sehr saftig, würzig und weich. Ich schmecke Pflaume, Schwarze Johannisbeere und Sauerkirschgelee. Auf der Zunge Marzipan, kandierte Orangenschale, Kakao. Feine Säure zieht sich wie ein Silberfaden durch fleischige Frucht. Genau so viele Tannine, die nötig sind, um daran zu erinnern, dass es sich um Rotwein handelt. Im Abgang Kräuterbitter, Süße und etwas Salz. @vinsdulanguedoc #rondeur #appassimento #lagrange #weinkontorfreund #ripasso #languedoc #rolffreund #wein #vinotime

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Weil der Rondeur Appassimento kein Amarone ist, der hauptsächlich aus den Rebsorten Corvina und Rondinella hergestellt werden muss, und außerdem ein bisschen anders gemacht wird, heißt er eben Appassimento.

Das bedeutet auf Deutsch Verblühen oder Verwelken und beschreibt in der Regel das übliche Traubentrocknungsverfahren auf Gestellen, Schilfmatten oder Stroh, wie es für Amarona, Passito, Recioto etc. angewendet wird.

Der Unterschied zwischen einem klassischen Amarone und dem Rondeur Appassimento liegt im Detail.

Damit ihr die Machart dieses Weins nachvollziehen könnt, wenn ihr diesen konzentrierten Knaben genussvoll im Mund hin und herschiebt, schreibe ich euch die wesentlichen Eckpunkte auf:

  • Die rosinierten Trauben kommen nicht von der Trocknungsstation, wo sie nach der Lese im Wind langsam vor sich hinschrumpeln, sondern sie hängen möglichst lange am Stock (ausschließlich Grenache), wo sie ganz bewusst völlig überreif gelesen werden. Der Ausbau erfolgt separat, die Marriage (also die Cuvéetierung mit dem „normalen“ Wein) findet im Frühling statt. Nur etwa ein Drittel des abgefüllten Weins kommt von geschrumpften Beeren.
  • Bei der Trocknung werden keine Tricks angewendet, wie zum Beispiel Traubenstiele abknicken, damit die Saftzufuhr unterbrochen ist. Vor allem sorgfältige Laubarbeit führt zum Ziel, damit die Sonne auf die Beeren scheint. Sonnenbrand ist dabei zu vermeiden. Die Trauben werden bis zur Lese penibel kontrolliert, damit nur gesunde Beeren in die Presse wandern. Der Feind ist ein Pilz und der heißt Mehltau.
  • Die Trauben für den Rondeur Appassimento werden getrennt nach Lagen ausgebaut, die eher höher gelegen sind, um den gewünschten Säurebiss zu erhalten.
  • Apropos Säure: die Balance im Wein wird vor allem über die Rebsorten Syrah und Mourvedre gesteuert.
  • Zur sehr dezenten Süße des trockenen Rondeur Appassimento: Sobald der gewünschte Restzuckerwert erreicht ist, stoppt der Weinmacher die Gärung, indem er die Temperatur brutal von knapp 30 auf 2 bis 4 Grad runterfährt. Das hat man sich auf La Grange bei den deutschen Süßweinwinzern abgeguckt. In Frankreich ist die Methode so gut wie unbekannt. Hier wird eher geschwefelt.
  • Nur ein Viertel der Cuvée lag in gebrauchten 228-Liter-Fässern, damit die Frucht erhalten bleibt. Sie sollen keine Aromatik einbringen, sondern nur die Reifung unterstützen.

Wie schon oben angemerkt macht das Team von La Grange, das von dem Starönologen Jean Natoli (berät rund 300 Weingüter in Südfrankreich, Spanien und Italien) unterstützt wird, einen für das Languedoc völlig unüblichen Wein.

Ja, nebenan im Banyuls gibt es süße Weine aus rosinierten Trauben, die ebenfalls am Stock getrocknet sind. Die werden aber mit Weingeist gespritet. Manchmal sogar schon in die Maische.

Und ja, konzentrierte, würzige Tropfen mit Rasse und Eleganz gibt es natürlich auch im Laguedoc. Heute mehr noch als vor wenigen Jahren.

Aber dieser elegante trockene Wein ist anders als viele Weine der Region. Vor allem in der Liga unter 10 Euro.

Er ist klar im Ausdruck, glänzend und frisch.

Rondeur, das heißt Rundheit, Weichheit, Sanftheit. Manchmal auch Molligkeit. Einen molligen Wein wollte auf La Grange spürbar keiner. Und das ist gut so.

 


Datum: 11.12.2018
 

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