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Klima-Killer Roséwein?

Troubles in paradise.
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Der Captain trinkt Rosé aus Rheinhessen und berührt ein Thema, das vielen Roséfreunden im Hals stecken bleiben könnte: Blasser Rosé aus industrieller Herstellung ist ein schlimmer Klimakiller. Das muss erklärt werden.
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Dein Captain genießt seinen Sonntag mit Roséwein aus Rheinhessen, hergestellt von Winzer Jürgen Hofmann, der unter Verkostern einen guten Ruf genießt. Hofmann ist nicht allein. Seine Frau Carolin betreibt ihr eigenes Weingut an der Saar. Man lebt zusammen und arbeitet getrennt. Für viele Ehepaare normal, aber in der Weinwelt eher selten.

Schon wieder Rosé? Ja, das fragt sich der Captain selber auch. Um es kurz zu machen: Was das Publikum wünscht, bekommt es auch.

Roséwein hält der Captain generell für einen Irrtum, erlebt aber auch, wie viel Wohlgefallen dieser Weintyp in die Gesichter von Weinfreunden zaubert und steckt in einem Dilemma. Wie kommt man da raus? Indem man mit sich selbst einen Kompromiss eingeht: Wenn schon Rosé, dann bitte guten.Der ist leider selten. Roséwein schmeckt meistens öde, oft pappig und fast immer zu süß. Letzteres dient in der Regel dazu, Verarbeitungsfehler zu kaschieren. In der Gastronomie wird Roséwein stark runtergekühlt, um Frische zu simulieren, wo im Getränk gar keine vorhanden ist. Warum so viele Roséweine so schrecklich schmecken, erklärt der Captain weiter unten. Sie sind nämlich das Ergebnis extremer Eingriffe während der Herstellung.

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Insbesondere die blass-modernen und sehr vornehm wirkenden Roséweine aus südlichen Ländern, die auf Instagram rauf und runter gezeigt und beworben werden, sind echte Klimakiller, weil ihre Herstellung sehr viel Kühlungsenergie frisst. Zunächst aber zu meinem Mittagswein, dem saftig-intensiven → Rossi Rosé von Jürgen Hofmann in Appenheim, der sogar noch frisch schmeckte, als er eine Stunde lang im warmen Sommerwetter stand. Der Warmtrinker-Test ist übrigens ein ziemlich brauchbarer Trick, um bessere Rosés von schlechten zu unterscheiden. Funktioniert auch bei Weißwein.

Und so schmeckt dieser Wein: Im Glas leuchtendes Hellrosa mit Tendenz Richtung Knallpink. In der Nase rotbeerige Frische, Orangenschale, kandierte Kirsche. Im Mund unerwartet saftig und von rassiger Säure getrieben, dass es eine Freude ist. Ich schmecke Rote Johannisbeere (Ribisel), Limette, Apfel, Orange. Super Zug und tolle Trinkigkeit durch behutsam eingeträufelte Süße. Dieser Rosé ist tatsächlich Wein, was man bei vielen weinähnlichen Getränken in dieser Farbkategorie bezweifeln muss. Und er schmeckt auch so.

Jetzt aber zum Thema Klimakiller Rosé. Matthias Bougreau ist Önologe am Centre du Rosé (gehört zum Institute Français de la Vigne et du Vin) in der Provence und bringt Ernst in das Spaßprodukt Rosé. Das ist sein Facebook-Profil.

90% der provencalischen Weine sind rosafarben. Matthias sagt, die Tendenz zu extrem blassen Roséweinen aus industrieller Produktion ist ein großes ökologisches Problem, denn die Herstellung benötigt permanente Kühlung über viele Monate, bis der Wein abgefüllt ist. Zitat: Das ist ungesund. Wir können kein Produkt haben, das die Umwelt respektiert, wenn es sechs Monate lang bei vier Grad Celsius aufbewahrt wird.

Die Mehrzahl der Roséweine stammt aus maschineller Lese. Das bricht die Trauben auf, die sofort anfangen zu oxidieren und zu mazerieren. [Mazeration ist die Gewinnung von Extrakten durch Ziehenlassen von Pflanzenteilen in Flüssigkeiten wie Alkohol, Öl oder Wasser.]

Je mehr Mazeration stattfindet, desto massiver muss die Farbe korrigiert werden, die aus den roten Traubenschalen in den Most gerät, wenn man elegant wirkenden Rosé erzeugen will. Deshalb werden vor und nach der Gärung aggressive Schönungsmittel zum Farbmanagement eingesetzt.

Die Farbpigmente von Wein stecken in Polyphenolen. Diese Verbindungen helfen auch, ihn vor Oxidation zu schützen. Je massiver diese Polyphenole durch Kaltklärung, Schönung und Filtration aus einem Wein entfernt werden, desto anfälliger wird er für Oxidation. Er benötigt dann mehr Zusätze – normalerweise Schwefel, aber auch Ascorbinsäure (Vitamin C) und bestimmte Hefen.

Das klingt alles nicht gut. Noch schlimmer aus ökologischer Sicht ist jedoch die Kühlung, die erforderlich ist, um sehr helle Rosés in warmen Regionen herzustellen. Die meisten Winzer nutzen die Temperaturkontrolle für verschiedene Weinstile: zur Klärung der Moste, zur Vermeidung von Oxidation und zur Sicherstellung einer bestimmten Gärdynamik. Blasser Rosé aus warmen Regionen erfordert aber viel mehr Kühlung während der gesamten Herstellung als jeder andere Weintyp.

 

Datum: 9.7.2021
 

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