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Jonata: edel gereifter Milliardärs-Wein

Winemaker Matt Deese.
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Der Captain trinkt gereiften Ü-100-Euro-Wein, den ihm ein niederländischer Händler zuschickte, der neuerdings auch nach Deutschland liefert. Es handelt sich natürlich um fine wine, wie man die Kategorie der Luxusweine neuerdings nennt, um sich auch sprachlich abzuheben.

Der faszinierende Brummer aus 98% Syrah ist ein monumentaler Tropfen, aber alles andere hätte mich sowieso enttäuscht. Da beginnt man natürlich sofort zu gugeln, um zu erfahren, wer diesen Wein sonst noch anbietet, und zu welchem Preis. Aber in diesem Fall ist die Auswahl klein und wer ihn hat, verlangt noch mehr dafür.

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Mein betörend-schöner La Sangre de Jonata 2006 vom Weingut Jonata im Ynez Valley (gehört zur Weinregion Santa Barbara) kommt aus dem Keller eines einflussreichen Mannes: Milliardär Stan Kroenke und seiner Ehefrau Ann. Sie ist die Tochter von Walmart-Mitbegründer James Walton. Den Kroenkes gehört viel, unter anderem der englische Fußballclub Arsenal und das weltberühmte Weingut Screaming Eagle. Das Magazin „Land Report“ stufte Kroenke 2015 als neuntgrößten Landbesitzer in den USA ein. Im Jahr 2018 schätzte Forbes das Vermögen des Paares auf 8,5 Milliarden Dollar.

Klar, mit Geld alleine machst du ein Weingut noch nicht erfolgreich. Das merken derzeit auch in Deutschland ein paar reiche Investoren, die in das Winzergeschäft eingestiegen sind. Aber mit ausreichend Kohle in der Tasche kannst du dafür sorgen, dass sich talentierte Menschen um deine Weine kümmern.

Im Fall von Jonata ist das Kellermeister Matt Dees, der bereits vor 17 Jahren anheuerte (er war damals erst 25) und zur höchsten Zufriedenheit des Chefs und der wichtigsten Weinkritiker der USA arbeitet. Gelegentlich wirft der Chef-Önologe von Screaming Eagle ein Auge auf das Wirken von Matt, ab und an schwebt auch noch Super-Berater Michel Rolland ein, um nach dem Rechten zu sehen. Typisch flying winemaker eben.

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Ein Beitrag geteilt von JONATA & The Hilt Estate (@jonataestate)

Matt Dees: Der Ozean ist 10 Meilen nah, also ist die Gegend kühler als der Norden. Es wird nie wärmer als 27 Grad, während es in Napa bis zu 44 Grad haben kann.

Die Jonata-Stöcke stehen auf sandigen, maritimen Böden, die Beeren sind erstaunlich klein, wenn sie gelesen werden – im Vergleich zu den sonnenverwöhnten, zuckerhaltigen Trauben oben in Napa und Sonoma. Trotzdem ist Matts nobel gereifter und köstlich-konzentrierter Syrah kein Leichtgewicht, ganz im Gegenteil: 14,9% Vol. steht auf der Flasche! Wahrscheinlich, um die brutale 15 zu vermeiden. Aber sensorisch ist er ein geschliffenes Juwel, das dunkel schimmert. Im Glas tiefdunkles Rot mit zarten Cola-Reflexen. In der Nase enorm dicht und ätherisch nach vollreifen Brombeeren, Heidelbeeren, Em-eukal-Hustenbonbon. Dann Tannennadeln, Räucherspeck, getrocknete Kräuter, Assam-Teeblätter und Lakritze. Ich nehme einen Schluck, spüre atemberaubende Konzentration und dunkelbeerige Frische mit einem Tropfen warm schimmernder Extraktsüße und einer Extradosis Säure. Das hat Wucht und Eleganz zugleich. Am Gaumen viel Kräuterwürze mit medizinischen Anklängen, rohes Rinderfilet und immer wieder dunkle Beeren in irrer Kompression. Ich stelle mir diesen Wein als kühles, nachtblaues Seidenhemd von Tom Ford vor, das man im Sommer trägt. Kein billiges Vergnügen, aber einfach nur toll.

Sangre heißt übrigens Blut auf Spanisch. Dieser rassige Wein hat noch eine interessante önologische Sitte zu bieten, die aus alten Zeiten überliefert ist. Wie an der nördlichen Rhône üblich, hat man ein paar Tropfen Viognier beigemischt, nämlich genau 2%. Die charaktervolle Weißweinsorte soll etwas mehr Frische einbringen. Ich weiß, über 100 Euro sind kein Pappenstiel und wem dieser Preis weh tut, sollte besser die Finger davon lassen. Ist ja nur Wein. Trotzdem war es ein Erlebnis, davon zu trinken und deshalb teile ich diese Erfahrung mit dir.

 

Datum: 19.4.2021