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Hans Lang – der letzte Wein des alten Winzers

Diesen Wein wird man bald nicht mehr schmecken dürfen.
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Die Chance, vornehm gereiften Riesling zu trinken, hat man nicht oft. Ich habe eine Quelle gefunden.
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Im Rheingau liegt ein Weingut, auf das gespannt die halbe Weinbranche blickt. Was die andere Hälfte macht, weiß ich nicht genau.

Es handelt sich um das Weingut Hans Lang, das vor Jahren ins Gerede kam, weil der Winzer einen für die damalige Zeit unerhörten Schritt tat.

Im Jahr 2010 schreib der Captain:

„Hans Lang, immerhin ein eingetragener Winzer des Verbands deutscher Prädikatswinzer VDP, hat vor zwei Jahren für Aldi-Süd 60.000 Flaschen besten Gutsriesling produziert. Für 7,99 Euro Ladenpreis. Der Wein war binnen einer Woche wieder aus den Regalen verschwunden. Ausverkauft. Also funktioniert auch guter Wein bei Aldi. Langs Versuch war ein Startschuss für andere renommierte Kellereien wie zum Beispiel Franz Keller, S.A. Prüm und Junge Winzer Baden.“

Das, was 2008 begann und für viel Kopfschütteln in Winzerkreisen gesorgt hat, ist heute längst Normalität: Premiumweine beim Discounter.

Aber wie erging es Weinbauer Lang in der Folge?

Es wurde still um den agilen Winzer. Ja, man kann vielleicht sogar sagen, dass ihn die Weinszene bestraft hat. Durch Nichtbeachtung. Für den Tabubruch, heiligen deutschen Wein im Aldiregal abzuladen.

2012 begann Lang, sich um die Nachfolge zu kümmern. Die eigene Tochter zog es vor, nicht in die Fußstapfen des Vaters zu treten. So wurde die Kunde vom Weingut ohne Nachfolger diskret auf den Weg geschickt.

Hier kommen die ehemalige VDP-Managerin Eva Raps und der Schweizer Käsemacher und Brieftaubenzüchter Urban Kaufmann ins Spiel, die seit 2013 das Weingut bewirtschaften.

Wie es zu dieser neuen Konstallation kam, beschreibe ich hier: Weingut gesucht, Liebe gefunden

Raps und Kaufmann haben bei Lang ein Jahr lang gelernt, bevor sie ihre eigene Vorstellung vom modernen Rheingau-Riesling in die Flaschen brachten. Aber im Keller schlummern immer noch die Klassiker von Lang. Und es heißt, sie werden dort immer besser.

Aus diesem Grund habe ich mir eine ältere Flasche Hans Lang-Wein besorgt, nämlich den Hattenheim Wisselbrunnen Riesling aus dem Jahr 2009.

Wisselbrunnen heißt die Toplage des Weinguts Hans Lang. Folgendes schreibt der Winzerverband VDP über dieses Stück Weinberg: „Der Wisselbrunnen ist auf einer Höhe von 100 m über NN gelegen und nach Süd–Südwest exponiert, was für eine optimale Sonneneinstrahlung sorgt. Die leichten tertiären Mergelböden haben eine gute Wasserhaltefähigkeit, wodurch die Trauben auch in sehr trockenen Jahren eine hohe Reife erreichen.“

Vorweg: Diesen Wein sollte man unbedingt probieren. So schmeckt großer Riesling, wie er früher gemacht wurde.

In der Nase brauner Honig, dass man die Bienen summen hört. Gelbe Früchte, vollreif und fleischig. Dann immer deutlicher warmer Pfirsich, geröstete Mandeln, unendliche Tiefe und – Obacht! – Stangensellerie.

Am Gaumen herrliche Viskosität, also ölige Weichheit. Traumhafte Fruchtnoten, vor allem gelber Apfel und etwas Pfirsich. So schön kann Riesling reifen! Von der Spitzenlage des Weinguts, ein echter Premiumwein. Herrlich saftig, kein typischer Esswein, sondern ein Tropfen zum stillen Genießen.

Weitere Riesling-Raritäten aus der Zeit vor der Übergabe des Weinguts im Jahr 2013 gibt es hier.

 

Datum: 6.6.2016
 

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