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Mas-Alta-Weinmacher Bixente Oçafrain beim Telefonieren.
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Karl Blank berichtet von einem großartigen Rotwein aus dem Norden Spaniens. Herrlich fruchtig, dicht und gar nicht fett. Ein eleganter Spitzenwein, der für diese Qualität moderat bepreist ist.
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Es ist still geworden um die Weine aus Spanien. Was ist passiert? An der Menge kann’s nicht liegen. Vor wenigen Tagen (Ende April 2020) meldete die Weltweinorganisation OIV 26% Exportplus für Spanien. Wow, das klingt spektakulär. Weniger aufregend wirkt dann aber eine andere Zahl: 7% weniger Umsatz! Fazit: In Spanien verschiebt sich das Gewicht Richtung Billig-Weine. Wo sind die Nachrichten über aufregende, neue Weine aus Spanien geblieben? Da war schon lange nichts mehr zu lesen. Deshalb schickt der Captain einen Insider los: Karl Blank, Kenner und Weinberater aus Tutzing am Starnberger See.

Ich fahre von Barcelona nach Süden und biege nach ca. 100 km nach Westen in die Berge ab. Die heiligen Berge, die Serra de Montsant vor Augen, immer weiter. Eine dünn besiedelte Landschaft, gottlose Gegend kommt mir in den Sinn. Nein nicht gottlos. Ich fahre ins Priorat.

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Es ist still geworden um die Weine aus Spanien. Was ist passiert? An der Menge kann’s nicht liegen. Vor wenigen Tagen (Ende April 2020) meldete die Weltweinorganisation OIV 26% Exportplus für Spanien. Wow, das klingt spektakulär. Weniger aufregend wirkt dann aber eine andere Zahl: 7% weniger Umsatz! Fazit: In Spanien verschiebt sich das Gewicht Richtung Billig-Weine. Wo sind die Nachrichten über aufregende, neue Weine aus Spanien geblieben? Da war schon lange nichts mehr zu lesen. Deshalb schickt der Captain einen Insider los: Karl Blank, Kenner und Weinberater aus Tutzing am Starnberger See.

Ich fahre von Barcelona nach Süden und biege nach ca. 100 km nach Westen in die Berge ab. Die heiligen Berge, die Serra de Montsant vor Augen, immer weiter. Eine dünn besiedelte Landschaft, gottlose Gegend kommt mir in den Sinn. Nein nicht gottlos. Ich fahre ins Priorat.

Priorat, weil sich dort auf Befehl des Königs im 12. Jahrhundert Mönche niederließen. Prior, der Oberste einer Gemeinschaft. Priorat. Ich kenne eine Kellerei dort: Scala Dei, die Treppe zu Gott. Ich fahre weiter, immer höher, mas alta wie die Spanier sagen, und genau dort will ich hin zur Bodega Mas Alta. Kurz vor dem Ort La Vilella Alta liegt das Weingut vor mir. Etwas zurückgesetzt, mit großem Vorplatz. Feudal, menschenleer.

Das Priorat: 9 Dörfer in 6 Tälern, weniger als 3.000 Einwohner. Wild zerklüftete Berglandschaft mit steilen Schluchten, kleinen Terrassen mit Rebstöcken. Malerische alte Dörfer mit engen Gassen. Abgelegen, aber mit langer Weinbautradition, ausgehend von Mönchen, die bis heute durchhalten. Mitte der 1980iger Jahre war der Weinanbau antiquiert, die Kellertechnik angestaubt. Die Weine schwer, alkohollastig, dumpf. Nichts für Genießer, eher Weine zum Kochen. Aber sie wurden auch getrunken, häufig in Fässern verkauft. Die Böden: Quarz und verwitterter Schiefer, der hier Licorella genannt wird. Steillagen und Böschungen, die hier Costers heißen. Uralte Reben: Garnacha, Cariñena, auch ein wenig Cabernet Sauvignon und Syrah. Eine Schatzkammer eigentlich.

Erst die jungen Wilden um René Barbier, Alvarro Palacios und Daphne Glorian sahen das Potential und kauften die ersten Weinberge auf, gründeten eigene Weinkellereien. Eine rentable Idee, denn seit Jahren schießen die Preise für Weinberge durch die Decke. Sie brachten neue Ideen ins Priorat und setzten französisches Weinbauwissen konsequent um. Das Lesegut wird streng selektioniert, nur teilweise entrappt, die Trauben werden heruntergekühlt, die Gärung erfolgt zumeist im Betontank und die Weine reifen anschließend in Barriques aus französischer Eiche. Das Ergebnis sind fruchtbetonte, dichte Hammerweine. Soweit die Theorie. Ich möchte es genauer wissen.

Ich klopfe bei Mas Alta. Diane Oçafrain öffnet mir. Sie verwaltet mit ihrem Mann Bixente das Anwesen. Sie ist Önologin, jung, Französin und zu meiner Überraschung spricht sie deutsch. Ich komme unangemeldet. Kein Problem, im Priorat freut man sich über Gäste.

Sie zeigt mir die großen Betonkammern, in denen die Weine den Gärungsprozess durchlaufen, dann den Reifekeller. Und zu meiner Freude zaubert sie zwei Gläser, eine Pipette und ein sauberes Tuch aus dem Nichts. Das heißt Fassprobe. Direkt aus dem Barrique. Weine die noch nicht fertig sind. Noch unterwegs, im Entstehen, bevor sie verschnitten werden. Ich lerne die Unterschiede zwischen Grenache aus Licorella-Lagen und lehmhaltigen Böden kennen. Spannend. Und trinke danach einen Wein, der perfekt für das gehobene Priorat steht. Es ist die rote Cuvée Artigas, die so heißt, wie ein Tal.

Der Jahrgang 2014 besteht aus 50% Grenache, 35% Carignan, 10% Syrah und 5% Cabernet Sauvignon. In einer typischen Cuvèe im Priorat befinden sich immer Grenache und Carignan. Cabernet und Syrah machen ihn noch komplexer. Im Glas schimmert kräftiges, dunkles Rubinrot. In der Nase Brombeeren, schwarze Johannisbeeren, Lakritze, Lavendel, Nelke, aber auch Rauch. Die 16-monatige Reife in 1 bis 3 Jahre alten französischen Barriques ist zu spüren. Am Gaumen erlebe ich neben roten Johannisbeeren (Ribisel), schwarzen Johannisbeeren (Cassis) und schwarzen Himbeeren herrliche Mineralik aus Grafit und Schiefer. Dann Schokolade und süße Tannine. Der Wein ist mundfüllend mit reifen Früchten. Dezente Säure begleitet ihn, sie macht ihn verspielt, elegant und verhilft ihm zu unglaublicher Länge. Der Tropfen gefällt mir. Ein vollmundiger, dichter, kraftvoller Wein, strukturiert und mit enormer Frische trotz seiner 15,5 % Alkohol, denn die sind gut eingebunden. Die Drehzahl verrät mir erst der zweite Blick aufs Etikett. Ja, ein fantastischer Tropfen. Dazu koche ich ein spanisches Gulasch vom Rind mit einem Tomaten-Paprika-Petersiliensalat. Köstlich.

Die coolste Winzerin Spaniens

1999 kaufte das belgische Unternehmerpaar Vanhoutte das Areal, auf dem 2008 die Bodega errichtet wurde. Die Orientierung lieferte kein geringeres Weingut als Clos Erasmus, die Spitze der Liga, das Beste eben. Und nicht von ungefähr fanden die Vanhouttes ganz in der Nähe, was sie suchten: alte Grenache-, Cabernet Sauvignon- und Caringnan-Bestände auf verwittertem Schiefer, 60 bis 100-jährige Stöcke. Das beste eben. Beraten wurden die beiden Weinbegeisterten von Beginn an durch Michel Tardieu und Philippe Cambie, keine Unbekannten an der Rhône, Spitzenklasse eben. Ziel war es, in die oberste Liga der spanischen Weine vorzudringen. Schon mit dem ersten Jahrgang 2004 gelang ein Paukenschlag, wie aus dem Nichts war Mas Alta angesehen, angekommen, wahrgenommen.

 


Datum: 3.5.2020 (Update 9.5.2020)
 

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