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Gutshof Kraatz: Adams Apfelwein

Gestatten: Mein Name ist Adams Parmäne.
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Der Captain trinkt Premium-Apfelwein aus der Uckermark und freut sich über ein komplexes Trinkvergnügen.
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Der Captain serviert dir heute Wein, na klar. Aber keinen, den du jetzt erwarten würdest: Apfelwein.

Nicht jedoch eines jener gängigen Produkte der industrialisierten Landwirtschaft aus verwässertem Apfelkonzentrat, das so schmeckt, wie es schmeckt, nämlich nach nichts mit ein bisschen Apfel, sondern ein feinwürzig-differenziertes Getränk mit spannenden Bitternoten und vielfältigen Kombinations-Möglichkeiten zu liebevoll zubereiteten Speisen. Wir werden ja alle besser im Kochen in diesen Zeiten, wo man des Abends zu Hause nicht viel anderes machen kann. So geht es jedenfalls dem Captain.

Apfelwein ist ein Notstandsgetränk. Nachdem die Reblaus im 19. Jahrhundert die Weinberge leerräumte, blieb dem einfachen Volk nichts anderes übrig, als ihre alkoholischen Betäubungsmittel aus Äpfeln zu keltern. Und weil Qualität damals generell kein Thema war, nahm man, was an Fallobst herumlag. So schmeckte dieser Wein dann auch

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Daran hatte sich bis vor wenigen Jahren wenig geändert. Apfelwein war eine saure und untrinkbare Plörre, die höchstens skandinavischen, britischen und amerikanischen Touristen schmeckte. Und ein paar Einheimischen auch, die nichts anderes kannten. Nun haben sich ein paar engagierte Produzenten dem Apfelwein hingegeben. Mit der simplen Einsicht, dass man durch Qualität und dem Einhalten von Standards schon viel gewinnen kann. Und es gibt ja auch fantastische Apfelsorten,eine Vielfalt, die leider Stück für Stück verloren geht. Dieser Verlust kann eventuell mit der Produktion hochwertiger Apfelweine aufgehalten werden.

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Ein Beitrag geteilt von Meck Schweizer (@meckschweizer)

Einer dieser Retter und Nutzer, die mit seltenen Obstsorten interessante Sachen anstellen, ist Florian Profitlich, der seinen erlernten Beruf als Architekturfotograf in Berlin an den Nagel hängte, um mit der Ehefrau am gemeinsamen Wochenendsitz ein neues Leben anzufangen. Als Apfelwinzer und Gastronom im Gutshof Kraatz in der Uckermark, die zu Brandenburg gehört und ziemlich genau zwischen Berlin und Stettin (Polen) gelegen ist.

Der Captain liebt die Uckermark mit ihren sanften, herzergreifend schönen und meistens leeren Landschaften und kann stundenlang einfach nur dasitzen und gucken.

Profitlich macht jetzt seit 10 Jahren Apfelwein und sagt: Geht! Das liest man gerne. Jahrelang hatte er zugesehen, wie die Äpfel von den Bäumen fielen und sich niemand dafür interessierte. Dann wurde in der Nähe ein gebrauchter Maschinenparkt für die Obstweinherstellung angeboten und Florian griff zu.

Der Apfelanbau hat hier keine Tradition. Anders als im Süden und Westen der Republik. Aber Bäume gibt es schon, teilweise mit uralten Sorten. Auch solche, die in der DDR die Straßen entlang gepflanzt wurden.

Die Ernte 2018, aus der der Captain sogleich einen grandiosen Apfelwein vorstellen wird, fiel fantastisch aus. Den Jahrgang 2019 vernichtete der Spätfrost komplett. Danke, Klimawandel! 2020 füllte Florian Profitlich 15.000 Liter ab, die ihren Weg entweder via Direktvertrieb zu Genießern finden oder über spezialisierte Einzelhändler in Berlin. Im gehobenen Weinhandel zu landen (wo Florians Flaschen eigentlich hingehörten) ergab sich noch nicht. Warum? Die Vorurteile und das Misstrauen sind einfach zu groß.

Klar, wer noch nie so einen Wein wie meinen Apfelwein Adams Parmäne 2018 brut unfiltriert von Gutshof Kraatz probierte, kann das auch nicht verstehen.

Die Sorte Adams Parmäne (Bild ganz oben) oder eigentlich Adams Pearmain wurde nach ihrem Züchter Mr. Adams benannt, der die Sorte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Norfolk auf den Weg brachte. Das Fleisch schmeckt würzig und eher trocken. Die Schale enthält ausreichend Phenole, sodass sich aus dem Most differenzierter Wein ergibt, wenn die Verarbeitung entsprechend sorgfältig erfolgt. Und so schmeckt dieser Apfelwein: Feinwürziger und komplett trockener Apfelwein aus einer alten englischen Sorte mit differenzierten Aromen und 9,5% Vol. Alkohol. Im Glas goldfarben und mitteltrüb. In der Nase warme Noten nach Bratapfel, Rosinen, Zimt. Im Mund wie getarnter Rotwein: feine Gerbstoffe, körnige Struktur, schöner Trinkfluss. Ich schmecke frisch zubereitetes Apfelkompott mit ganzen Stücken, Zimtstange, angeschwitzte Zwiebel, etwas Creme, milde Säure. Am Gaumen würzig und viel Umami. Köstliche Alternative zu Weißburgunder oder Barbera.

Nur gerbstoffreiche Sorten sind für richtig guten Apfelwein geeignet. Die gängigen Plantagenäpfel taugen nicht dafür – zu flach in der Aromatik. Nach dem Pressen lässt Profitlich den frischen Most einen Tag stehen, bevor er in den Gärtank kommt. Trübstoffe sinken zu Boden, damit der Wein reintöniger wird. Die alkoholische Gärung dauert etwa 6 Wochen. Dann Abstich, leichte Schwefelung und Umzug in ein sauberes Fass, wo der junge Obstwein bis zum zweiten Abstich weitere 6 Wochen verbleibt, um dann nochmal in ein neues Gebinde umzuziehen (je nach Sorte Edelstahl, Kunststoff oder sogar Barrique) bis er abgefüllt wird.

Ich finde, dieser kunstvoll zubereitete Apfelwein wirkt wie fruchtig-milder Rotwein und bietet sich als interessante Zwischendurch-Alternative an. Die Verkostung dieses köstlichen und zugleich exotischen Getränks war der Einblick in eine völlig neue Weindimension.

 

Datum: 24.1.2021 (Update 25.1.2021)