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So schmeckt wirklich großer Wein

Achtung, Trinkerlebnis!
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Mit einem Wein aus der Lage Hermitage kann man nichts falsch machen. Der Captain erklärt euch warum.
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Wir segeln nach Frankreich, an die Rhone, wo die Sorte Syrah heimisch ist. Wir lande im Anbaugebiet Hermitage, eine einzigartige Großlage, die lediglich 137,3 Hektar umfasst.

Hier werden mehrheitlich Trauben für gehaltvolle und teure Rotweine von den Stöcken geholt.

Doch Vorsicht und nicht verwechseln: Hermitage hat mit der größeren Region Crozes-Hermitage nur die Nachbarschaft gemeinsam.

Aus Crozes-Hermitage kann auch überteuerte Durchschnittswein kommen. Bei Weinen aus dem Hermitage kann man das so gut wie ausschließen.

Ein kleines Anbaugebiet. Und Weine, die vor allem für ihre enorme Langlebigkeit bekannt sind.

Da kann man sich ausrechnen, dass man nicht mit ein paar Euro davonkommt.

Doch braucht man das?

Will man Weine kaufen, die ihren Zenit erst nach langer Zeit erreichen? Werden diese Weine überhaupt von den richtigen Leuten gekauft? Von Weinliebhabern, die erkennen, welches Potential in diesen Hermitages schlummert, die wissen, dass der Saft lange auf der Maische stand, dass große Burgunderfässer das Optimum der Lagerung darstellen, dass der Hermitage nach dem Abfüllen noch ein paar Monate im Keller nachreift, bevor er den Keller verlässt? Dass ein Hermitage ein handwerkliches Kunstwerk ist?

Gute Frage. Die traurige Wahrheit ist wohl, dass die meisten Hermitage viel zu früh getrunken werden.

Oftmals so früh, dass sie gar nicht glänzen können. Deswegen gehören rote Hermitage in den Keller. Und man sollte sie erst nach zehn Jahren zu trinken beginnen.

Deshalb habe ich ein paar junge Hermitage im Keller liegen. Weil sie für eine Weinkultur stehen, die im Aussterben begriffen ist.

Der Hermitage, den ich vorstelle, zeigt schon jetzt, was er in ein paar Jahren können wird.

Es handelt sich um den Hermitage von Guigal.

Das Weingut, vormals Etablissements Etienne Guigal, ist ein riesiger Betrieb und beherrscht gemeinsam mit den Gütern Chapoutier, Jaboulet und Perrin den Weinbau der Region.

Das wäre im Burgund oder im Bordelais – trotz ähnlich großer Betriebe – in dieser Vormachtstellung undenkbar.

Dass Größe nicht zwingend mit konventionellem Weinbau einhergehen muss, beweist Marcel Guigal, Sohn des Gründers Etienne Guigal.

Er hat sich vom Bioguru und Ausnahmewinzer Nicolas Joly gut beraten lassen und danach dazu entschlossen, viele seiner Weingärten nach und nach auf biologischen Weinbau umzustellen. Eine ähnliche Avantgarde gibt es im Burgund. Im Bordelais lässt sie weiter auf sich warten.

Doch das Wichtigste: Guigals Hermitage kostet nicht die Welt. Dafür bekommt man einen wirklich großen Wein, dessen Größe man auch gleich begreift.

In der Nase Blaubeere, Cassis, dunkler, nasser Tabak, nasser Lehm, etwas Granatapfel, roter Paprika, frisch geriebener Pfeffer, Preiselbeere, etwas Reifenabrieb, ein wenig Minze und auch Salbei.

Im Mund augenblicklich dramatisch. Ein Maul voll Wein. Enorm viel Preiselbeere, dann Blaubeere, auch etwas Erdbeere, dazu im Kontrast eine korsettbildende Mineralität, die sich ihren Platz vor allem im endlosen Nachhall erkämpft.

Ja, so muss großer Wein schmecken. Und weil mich das sprachlos macht, halte ich jetzt meinen Mund.

 


Datum: 13.2.2018
 

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