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Mein Fett-weg-Shiraz

Ommm.
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Ein günstiger und angenehm-fruchtiger Shiraz aus Südaustralien beweist, dass nicht alles von dort dick schmecken muss.
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Barossa Valley ist das bekannteste Weinbaugebiet Australiens. Es liegt rund 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Adelaide im Distrikt Sout Australia.

Der erste Europäer, der hier auftauchte, war wahrscheinlich ein britischer Oberst, der im Jahr 1837 die Schönheit der Gegend entdeckte.

Die ersten Deutschen waren Lutheraner, die ihre religiöse Freiheit suchten und bereits ein Jahr später aus Mecklenburg, Schlesien, Preussen und Posen einwanderten. Genau 10 Jahre später pflanzte ein gewisser Johann Grampp aus Eiching bei Kulmbach die ersten Rebstöcke. So weit – so deutsch.

Süßer, schwerer Shiraz-Wein ist die Spezialität der Region – gemacht wie ein Portwein aber zumeist noch süßer und extraktreicher als das europäische Vorbild. Deshalb nannte man bis vor kurzem diese Weine auch Tawny Port. Die Bezeichnung Port ist inzwischen nicht mehr erlaubt und bleibt den Portugiesen vorbehalten. Das ist auch gerecht.

Dieser Tawny ist aber nicht unbedingt das, was derzeit als hip gilt. Wie überhaupt fette, extraktreiche Weine in westlichen Weinkreisen derzeit verächtlich abgemeiert werden. Natürlich nur bis irgendein Weinprediger die Renaissance der Fettweine ausruft und ihm alle nachbeten.

Ansonsten sind im Barossa Valley die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Riesling, Semillon und Chardonnay sehr populär.

Weil aber der Shiraz die Hauptrebsorte ist, habe ich mir von dort einen reinsortigen Wein dieser Traube kommen lassen, um zu sehen, wie ein moderner Shiraz aus Südaustralien schmeckt. Macht er uns fertig mit marmeladiger Üppigkeit oder schafft er mit fruchtiger Leichtigkeit den Ritt über unsere kritischen Gaumen?

Man sagt ja, dass sich moderne australische Kellereien inzwischen der neuen Mode angepasst haben…

Das Weingut Grant Burge (der gleichnamige Winzer hier im Bild) existiert noch gar nicht so lange, gehört aber schon zu den tonangebenden Betrieben. Percival Berge begann zwar schon 1916 mit dem Winemaking, das heutige Weingut existiert aber erst seit 1988.

Grant Burge_Barossa

Die Trauben für meinen Shiraz werden von Vertragsbauern aus dem Anbaugebiet Coonawarra herbeigeschafft – 350 Kilometer südöstlich von Adelaide. Die Früchtchen wachsen also gute 300 Kilometer von ihrem Verarbeitungsort entfernt auf. Wenn man daran denkt, wie empfindlich frisch gelesenes Traubenmaterial ist und welchen Aufwand es bedeutet, das Zeug heil und schnell so weit durchs Land zu karren, wird man schon nachdenklich.

Der dominierende Bodentyp vor Ort wird Terra Rossa genannt und besteht im Groben und Ganzen aus rotem Kalkstein. Das für südaustralische Verhältnisse recht milde Klima hier wird gerne mit den Wetterbedingungen im Bodeaux-Gebiet verglichen. Das Meer liegt nur 60 Kilometer entfernt.

Ich gieße mir also diesen Shiraz aus der Benchmark-Linie von Grant Burge ein und schnupper ins Glas.

Stimmt, die Nase ist gar nicht fett. Klar, da sind Eukalyptus (typisch Shiraz), etwas Pflaume, animalische Noten (Weinfreaks nennen das Kuhstall), ein alter Autositz aus brüchigem Leder und eine alte Gummidichtung. Auch Vanille-Holztöne sind da zu spüren. Kein Wunder, der Wein vergor im Stahltank und wurde dann für 10 Monate zum Reifen in gebrauchte und ausgelaugte Holzfässer gefüllt.

Im Mund fällt sofort die extreme Saftigkeit auf: Pflaume, dunkle Schokolade, ganz weiches Tannin, wieder Eukalyptus, Lakritze, etwas Vanillejoghurt, am Gaumen ganz milder Pfeffer. Der Abgang ist nicht grandios lang. Aber hey – bei dem Preis…?

Für jemanden, der einen weichen Einstieg in den faszinierenden Kosmos namens Shiraz nehmen will, ist das ein guter Wein. Und auch für eine große Runde zu Hause passen sowohl Preis als auch Geschmack, der allen gefallen wird. Dazu schmeckt Fleischpflanzerl mit Kartoffelpüree. Oder arabisches Schawarma.

 


Datum: 6.6.2018