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Graci: Hipsterwein vom Ätna

Alberto Graci bei der Arbeit.

Etna Rosso

Etna Rosso

Graci, Italien

20,00 €

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Der Captain trinkt hippen Cool-Climate-Rotwein vom Ätna und erzählt die Geschichte eines Bankers, der alles hinschmiss, um Winzer zu werden.
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„Neues Jahr – neuer Traktor“ steht auf Instagram neben einem Foto, auf dem Winzer Alberto Graci stolz wie Bolle das neueste Gerät in seinem Maschinenpark präsentiert. Siehe unten. Auf dem Bild oben sieht man Albertos Lockenpracht. Das erinnert den Captain daran, was ihm heute beim Gang durch seinen Heimatkiez zum ersten Mal auffiel: Die Menschen sehen immer mehr wie Leute aus einem 1970er-Jahre-Film aus, weil sie alle längere Haare am Kopf tragen.

Da passt ja mein ultraschicker und sehr delikater Hipsterwein von heute perfekt. Alberto ist Sohn eines sizilianischen Bauern, der die heimatliche Scholle verließ, um in Rom Wirtschaft zu studieren. Er wurde Banker in Mailand. Aber als sein Opa stirbt und ihm Land in der Heimat vererbt, kehrt er zurück, um Winzer zu werden. Er verkauft die Grundstücke des Großvaters im Flachland und sichert sich gerade noch rechtzeitig Weinbauflächen am Ätna. Das war 2004.

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Ein Beitrag geteilt von GRACI, ETNA (@graci_etna)

Die internationale winecrowd fährt voll auf die komplexen und mineralischen Vulkanweine ab und endlich lohnen sich die hohen Kosten für Landschaftspflege und manuelles Arbeiten. Unternehmer kaufen Parzellen zusammen und starten Weinprojekte. Aus Kalifornien, Spanien etc. Nur Chinesen hat man am Berg noch keinen gesehen, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Deutsche? Der Captain kennt keinen. Der reiche Pharma-Unternehmer Giuseppe Benanti aus Catania war der erste, der investierte, wo über Jahrzehnte nur ein Grüppchen einheimischer Kleinbetriebe durchgehalten haben. Benantis Zusammenarbeit mit Weinberater Salvo Foti war der Startschuss für die großen Weine vom Ätna. Heute kommt man mit dem Verkosten von Spitzentropfen gar nicht mehr nach. Ihre besondere Story und Stilistik entsprechen voll und ganz dem Hype von cool climate. Mit heller Farbe, wenig Alkohol, salziger Mineralik, straffer Säure, ihrer Kühle und Aromatik, die zwischen Nebbiolo und Pinot Noir angesiedelt ist, passen die Roten vom Ätna perfekt zum Geschmack der Zeit. Und die Weißen, hauptsächlich aus Carricante gekeltert, erinnern mit burgundischer Straffheit, Rauchigkeit und bisweilen langem Hefelager an die superhippen Weine aus dem Jura. Strellvertretend für die mächtig angesagten Winzer am Ätna sei der Belgier Frank Cornelissen genannt, der sich im Jahr 2000 eilig 14 Hektar Rebfläche sicherte, bevor die Landpreise in die Höhe schossen. Franks Rotwein Magma aus der Sorte Nerello Mascalese kostet 220 Euro.

Die Nerello-Mascalese-Stöcke für meinen spontanvergorenen Etna Rosso von Graci stecken an der Nordost-Seite des Ätna auf 600 bis 700 Metern Höhe im Boden. Er reifte mindestens 18 Monate lang in großen Betontanks, was auch wieder sehr hip ist. Es ist ein im besten Sinne moderner Wein: frisch, trinkig, feinwürzig und differenziert. Im Glas durchsichtiges mittleres Rot. In der Nase Himbeerkompott, zart angebrannte Graubrotrinde, etwas Vanille. Im Mund schöner und klarer Trinkfluss bei 14% Vol., die wenig ins Gewicht fallen. Ich schmecke konzentrierte Noten von Sauerkirsche, etwas Orangenschale, zarte Adstringenz – so nennen Weinkenner das Gefühl, wenn sich die Schleimhaut wie bei Hustentropfen ein bisschen zusammenzieht. Am Gaumen reife Heidelbeernoten und erdige Töne von Langpfeffer. Würzig-kühler und moderner Rotwein, der die Kehle hinuntergluckert, als wäre er ein Gebirgsbächlein im Frühling.

Leider nicht ganz billig, was an der unglaublichen Karriere dieser Anbauregion als cool climate area liegt.

 

Datum: 21.1.2021