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Genossenschaften = gemeinsam sind wir stark

Meine Trauben, deine Trauben...

Viña LaTina

Viña LaTina

Jesús del Perdón, Spanien

7,30 €

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Achtung Rausschmeißer: Ich trinke einen Genossenschaftswein. Und das ist gut so.
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Wie viele Leser habe ich mit dem ersten Satz vergrault? Ziemlich viele nehme ich an.

Denn Weine aus Winzergenossenschaften (im Ausland ach Kooperativen oder Kollektive genannt) haben denselben Ruf wie Tomaten aus Holland. Nimmt man nur, wenn wirklich nichts anderes zu haben ist.

Was genau ist eine Winzergenossenschaft? Mal sehen, was Wikipedia dazu sagt:

Eine Winzergenossenschaft ist die Vereinigung von Winzern eines Ortes oder Gebietes in der Rechtsform einer Genossenschaft, die die Trauben der eigenen Weinberge zentral keltern und unter einem gemeinsamen Namen daraus Wein erzeugen und vermarkten.

Das hätte ich nicht besser hinbekommen.

Aber woher kommt der miese Ruf der Genossenschaften?

Es könnte daran liegen, dass diesen Betrieben oft eine klare Identität fehlt. Im Marketingsprech auch Branding genannt. Man denkt, wenn so viele Weinbauern ihr Zeug zusammenschütten, kommt nur Durchschnittsware heraus.

Ein weiterer Grund sind meiner Meinung nach die Etiketten.

Die meisten Weine von Kooperativen haben dermaßen hässliche Dinger auf ihren Flaschen pappen – das sieht oft aus wie Supermarktregal ganz unten. So eine Flasche stellt sich keiner auf den Tisch, der über ein Minimum äshetischen Empfindens verfügt.

Dabei ist die Idee einer Genossenschaft gut. Da sich viele Winzer zusammentun, hat man meist ein paar wirkliche Toplagen im Portfolio. Für die Arbeit im Keller können absolute Profis angestellt werden. Die leisten, was ein kleiner Feierabendwinzer mit einem Hektar Reben nie im Leben zustande bringt. Außerdem ist es für die Mitglieder eine feine Sache, wenn sie sich nicht jede Maschine selber zulegen müssen, sondern die der Genossenschaft nutzen können.

Der Wein, den ich bekommen habe, stammt von der spanischen Genossenschaft Jesús del Perdon. Sie hat etwa 60 Biowinzer unter Vertrag und sitzt in der großen spanischen Weinregion La Mancha. Biowein zu machen ist dort ziemlich simpel. Es regnet wenig (gerade mal 300 Millimeter pro Jahr) und ist sehr heiß. Im Sommer hat es häufiger mehr als 40 Grad. Fäulnis- und Pilzerkrankungen spielen dort fast keine Rolle. Wenn die Reben ein Problem haben, dann ist es eher Wassermangel.

Bei Jesús del Perdon hat vor ein paar Jahren ein Team junger Weinfreaks damit begonnen, großen Wert auf die Qualität zu legen. Früher wurden die Winzer nach dem Mostgewicht, also dem Zuckergehalt, ihrer Trauben bezahlt. Je höher das lag, umso mehr Geld bekamen sie ausbezahlt. Wie gesund das Lesegut war, spielte keine Rolle.

Das Mostgewicht steigt, je länger die Trauben am Stock hängen. Hohe Mostgewichte bedeuten immer auch dicke, alkoholstarke Weine, die beim Geschmack dann leicht Richtung Marmelade gehen. Und wenn egal ist, in welchem Zustand die Dinger bei der Kelter ankommen, kann man sich schon denken, wie das Rohmaterial ausgesehen haben muss.

Inzwischen läuft es bei Jesús de Perdon anders. Die Winzer werden danach bezahlt, wie gesund und wie perfekt die Trauben sind. Der Qualität der Weine tut das natürlich gut.

Also auf die Pulle und ab ins Glas mit dem Wein, der zu 60 Prozent aus Tempranillo, 20 Prozent Syrah und 20 Prozent Merlot besteht.

Ich schnuppere und finde als erstes kräftige Fruchtnoten von reifer Pflaume und Brombeere. Wenn der Tropfen ein bisschen Luft bekommen hat, gesellen sich dezente Kaffee- und Schokoladentöne dazu.

Am Gaumen ist der Wein wunderbar geschmeidig, die Tannine sanft. Ich schmecke wieder vor allem dunkle Früchte, einen frisch gebrühten Mokka und Schokolade. Dazu kommen vom Ausbau im Holzfass rauchige Aromen von dunkler Brotrinde und etwas Vanille.

Der flüssige Beweis, dass Genossenschaften durchaus was können.

Dazu passt hervorragend ein Stück reifer Manchego-Käse oder eine Pizza mit Salami oder Schinken.

 


Datum: 24.6.2016
 

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