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Ahr, ich wünsche dir ein schönes Jahr!

Markus Bertram, Winzer auf dem Atombunker.
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Ein toll gemachter Spätburgunder von der Ahr zeigt, was in dem kleinen Anbaugebiet geht: Weichheit und Würze mit Himbeere und Waldboden.
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Ahrtal im September 2017. Die Weinlese hat begonnen. Es war kein einfaches Jahr in den Weinbergen. Bei den frühen Sorten verloren die Winzer bis zu 40 Prozent an den Frost im Frühjahr. Dann kamen noch allerhand Wetterkapriolen dazu, die den Weinbauern das Leben schwer machten. Beim Spätburgunder, der Hauptrebsorte der Region, sollen es teilweise bis zu 20 Prozent Einbußen sein.

Es herrscht Hochspannung. Viele wollen ob der aktuellen Wetterlage nichts riskieren. Sie bringen ihre Pinottrauben ein, bevor neuer Regen sie platzen lässt und sich Fäulnis bildet. Wenn sich jetzt der Zuckergehalt in Grenzen hält, muss die Kellerkunst walten. Aber auch warme und stabile Weinjahre sind eine Herausforderung für ehrgeizige Winzer. Warm heißt nämlich auch viel Alkohol. Und das finden viele Weintrinker heutzutage nicht mehr so doll. Alkbomben sind out. Apropos Bombe: Weiter unten geht es um den Wein zweier Winzerbrüder, die bei der Lese über einem gewaltigen Relikt des kalten Krieges arbeitet. Es handelt sich um die 17,3 Kilometer lange Bunkeranlage der Bonner Regierung zwischen Bad Neuenahr-Ahrweiler und Dernau. Hier hätte Helmut Schmidt mit seiner ganzen Bundes-Entourage einen Atomschlag überlebt. Wenigstens für einige Zeit.

Weg vom hässlichen Thema Atombomben, zurück zu den Alkbomben, die auch nicht mehr so populär sind. Das gilt insbesondere für sogenannte kühle Rebsorten. Der Spätburgunder gehört dazu. Aber was heißt kühl?

Nun, die Sorte verträgt einfach nicht viel Hitze. Der Pinot Noir kommt ursprünglich aus dem Burgund, nördlichstes Anbaugebiet Frankreichs mit einem sehr gemäßigten Klima. Und ist dort sehr gut aufgehoben. Hitze lässt Pinot Noir zu schnell reifen und macht den Wein unrund. Trotzdem mag er es trocken und sonnig. Böden aus Kalk oder Lehm oder am besten beides hat er am liebsten. Schiefer mag er auch. Und schon sind wir beim konkreten Wein, dem Spätburgunder NOVA R vom Weingut Gebrüder Bertram an der Ahr.

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Ahrtal im September 2017. Die Weinlese hat begonnen. Es war kein einfaches Jahr in den Weinbergen. Bei den frühen Sorten verloren die Winzer bis zu 40 Prozent an den Frost im Frühjahr. Dann kamen noch allerhand Wetterkapriolen dazu, die den Weinbauern das Leben schwer machten. Beim Spätburgunder, der Hauptrebsorte der Region, sollen es teilweise bis zu 20 Prozent Einbußen sein.

Es herrscht Hochspannung. Viele wollen ob der aktuellen Wetterlage nichts riskieren. Sie bringen ihre Pinottrauben ein, bevor neuer Regen sie platzen lässt und sich Fäulnis bildet. Wenn sich jetzt der Zuckergehalt in Grenzen hält, muss die Kellerkunst walten. Aber auch warme und stabile Weinjahre sind eine Herausforderung für ehrgeizige Winzer. Warm heißt nämlich auch viel Alkohol. Und das finden viele Weintrinker heutzutage nicht mehr so doll. Alkbomben sind out. Apropos Bombe: Weiter unten geht es um den Wein zweier Winzerbrüder, die bei der Lese über einem gewaltigen Relikt des kalten Krieges arbeitet. Es handelt sich um die 17,3 Kilometer lange Bunkeranlage der Bonner Regierung zwischen Bad Neuenahr-Ahrweiler und Dernau. Hier hätte Helmut Schmidt mit seiner ganzen Bundes-Entourage einen Atomschlag überlebt. Wenigstens für einige Zeit.

Weg vom hässlichen Thema Atombomben, zurück zu den Alkbomben, die auch nicht mehr so populär sind. Das gilt insbesondere für sogenannte kühle Rebsorten. Der Spätburgunder gehört dazu. Aber was heißt kühl?

Nun, die Sorte verträgt einfach nicht viel Hitze. Der Pinot Noir kommt ursprünglich aus dem Burgund, nördlichstes Anbaugebiet Frankreichs mit einem sehr gemäßigten Klima. Und ist dort sehr gut aufgehoben. Hitze lässt Pinot Noir zu schnell reifen und macht den Wein unrund. Trotzdem mag er es trocken und sonnig. Böden aus Kalk oder Lehm oder am besten beides hat er am liebsten. Schiefer mag er auch. Und schon sind wir beim konkreten Wein, dem Spätburgunder NOVA R vom Weingut Gebrüder Bertram an der Ahr.

Deutschland gilt ja als drittgrößter Produzent von Pinot Noir weltweit. Und das Anbaugebiet Ahr ist die größte geschlossene Rotweinzone des Landes, gehört aber insgesamt zu den kleinen Weinregionen. Ahr ist Wein-Norden. Noch weiter nördlich wächst keine Traube mehr, die ernst zu nehmen wäre. Außer drüben an Saale, Unstrut und Elbe. Aber auch das ist dank des Klimawandels nicht in Fels gemeißelt.

Weil Rotwein so wichtig für die Ahrmenschen ist, haben sie einen Rotweinwanderweg angelegt, auf dem man die herrliche Landschaft bewundern kann. 2006, 2009 und 2011 gelten als Jubeljahre an der Ahr. Es gab ausreichend Sonne, genug Zeit zum Ausreifen und einen schönen Herbst. Der Wein, den ich gleich für euch verkoste, wurde 2014 gelesen. So wie 2017 war das kein einfaches Jahr. Es begann verheißungsvoll. Dann kam die Kirschessigfliege, die insbesondere beim Frühburgunder deutliche Schäden anrichtete. Drosphila suzukii kann binnen weniger Stunden die Ernte eines ganzen Weinbergs vernichten. 2011 wurde das fiese Insekt erstmals nachgewiesen. Es sägt mit einer Art ausklappbarem Kiefer die Haut der Beeren auf und legt ihre Eier im Innern ab. Die geschlüpften Larven fressen sich dann durch das Fruchtfleisch – und schwärmen nach ca. zwei Wochen als neue Fliegengeneration aus. Das Biest ist ein Kind der globalen Erwärmung. Der milde Winter sicherte ihr Überleben, im feuchten Sommer kann es sich ungehemmt vermehren.

Ein schöner Frühsommer ließ dann große Hoffnung aufkommen. Der nasskalte August machte jedoch die ganze Freude wieder kaputt. Dann kam noch unbeständiges Herbstwetter dazu. Die Winzer mussten im Keller schließlich ihr ganzes Talent aufwenden, um aus dem Lesegut spitzenmäßige Weine herzustellen.

Die Brüder Markus und Christian Bertram haben Talent. Sie bewirtschaften in der 5. Generation das Gut, zu dem 3,4 Hektar Rebfläche gehören. Es ist ein kleiner Bertrieb mit etwas Gastronomie. Das Weingut ist nicht mal auf Facebook zu finden – das ist ungewöhnlich. Auch privat lassen die beiden Brüder die Finger von Socialmedia, weshalb es praktisch keine Fotos gibt. Außer einem etwas langweiligen Bild der Brüder vor ihrem grünen Fendt-Traktor, das man auf der Website findet.

Der Schwerpunkt des Hauses liegt natürlich auf Spätburgunder. Der Spätburgunder NOVA R (nicht zu verwechseln mit dem NOVA) ist das Herzeigeprodukt des Hauses, eine sogenannte Lagencuvée. Der Wein kommt also von zwei verschiedenen Weinbergen. Der eine hat mehr Schiefer im Boden, der andere mehr Lehm. Beides hat man dann ganz geschickt gegeneinander ausbalanciert. Und noch eine wichtige Verlautbarung: Das gute Zeug ruhte 17 Monate lang im gebrauchten Holzfass. Der etwas einfachere NOVA nur 9 Monate. Leider gibt es kein brauchbares Foto von diesem Wein. Deshalb habe ich für meinen Artikel einfach das vom NOVA genommen.

Erstmal reinriechen. In der Nase ganz intensiv-würzige Noten von Schwarzer Johannisbeere, dunkler Kirsche, Himbeere (typisch für Spätburgunder, wenn er altert), Kardamon, Gewürznelke, Brennnessel, dunkle, fast angebrannte Graubrotkruste. Ein Abenteuer! Im Mund aufregend kühl, kräuterwürzig, dunkel. Ich schmecke Kirsche, ganz lange gezogenen Assam-Tee, milder Gin. Ein kompromissloser Wein, der dich fordert und belohnt, wenn du ihn aushältst. Und der Alk? 14 Volumenprozent steht da. Und ist kaum herauszuschmecken. Unbedingt probieren!

Was sollt ihr dazu servieren? Rehrücken mit Rotkraut. Oder Wildbratwürste. Beides harmoniert ganz fantastisch mit dem grundsätzlich immer etwas säurehaltigeren Spätburgunder.

 


Datum: 13.6.2020 (Update 30.6.2020)
 

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