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G.-Traminer aus dem Feuer

Mark Kirkby, Winzer in Westaustralien.
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Deutsche Winzer fürchten Regengüsse vor der Lese. In Australien drohen Buschfeuer. Der Captain trank einen eleganten, staubtrockenen Gewürztraminer aus der Glut, den es in den nächsten Jahren nicht geben wird, weil die Stöcke abgebrannt sind.
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Wenn das Feuer kurz vor der Lese deinen Wein frisst und du von vorne beginnen musst.

Winzer Mark Kirkby (10 Hektar Weinland in New England/ Westaustralien) verlor am 13. Februar 2019 den Großteil seiner Trauben, als sich ein gewaltiges Buschfeuer mit 30 Meter hohen Flammen durch seine Rebzeilen fraß. Wenige Stunden später sollte die Ernte beginnen.

Auf der Südhalbkugel beginnt die Weinlese, wenn sich bei uns alle auf den Frühling freuen. Buschfeuer gehören in Australien zum natürlichen Kreislauf. Doch auch hier beobachten Wetterforscher dasselbe Phänomen wie überall sonst auf der Welt – die extremen Erscheinungen häufen sich. Im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten nahm die Zahl der Buschbrände um 50% zu.

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Wenn das Feuer kurz vor der Lese deinen Wein frisst und du von vorne beginnen musst.

Winzer Mark Kirkby (10 Hektar Weinland in New England/ Westaustralien) verlor am 13. Februar 2019 den Großteil seiner Trauben, als sich ein gewaltiges Buschfeuer mit 30 Meter hohen Flammen durch seine Rebzeilen fraß. Wenige Stunden später sollte die Ernte beginnen.

Auf der Südhalbkugel beginnt die Weinlese, wenn sich bei uns alle auf den Frühling freuen. Buschfeuer gehören in Australien zum natürlichen Kreislauf. Doch auch hier beobachten Wetterforscher dasselbe Phänomen wie überall sonst auf der Welt – die extremen Erscheinungen häufen sich. Im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten nahm die Zahl der Buschbrände um 50% zu.

Mark Kirkby schildert die Nacht, als das Feuer kam: Es geschah innerhalb von Minuten. Das Feuer war weit weg und ich setzte mich auf einen Stuhl, um das Spektakel zu beobachten. Dann nahte es plötzlich rasend schnell. Die Flammen schossen 30 Meter hoch, es war die Hölle. Das Feuer fraß sich quer durch die Rebzeilen, wir konnten nichts machen, um unsere Trauben zu schützen. Die Helikopter mit den Wasserbomben hatten keine Chance. Glücklicherweise liegt der Totalverlust an Stöcken bei knapp über 10%. Die Überlebenden müssen gepflegt werden und werden sich erholen. Das wird vier bis fünf Jahre dauern. Mark: Das wahre Ausmaß der Feuersbrunst wird sich erst im nächsten Frühjahr zeigen.

Auch Marks Gewürztraminer-Pflanzung wurde ein Raub der Flammen. Der Wein gilt als Geheimtipp in Australiens Weinszene. So wie viele andere unkonventionelle Kreationen aus Marks boutique winery: Pinot Noir, Nebbiolo, Barbera etc. Diese Weine wird es in den nächsten Jahrgängen nicht geben, bis die Pflanzen wieder gesund sind. Was tut man da als Winzer? Die regionale Weinwirtschaft hält zusammen und sammelt auf Veranstaltungen Geld für die Betroffenen. Weinfreunde kaufen und trinken. Auf einer Australien-Verkostung probierte der Captain Marks Gewürztraminer für knapp 30 Euro. Nein, der ist nicht billig, aber ein Erlebnis, das sich auszahlt. Wer es genießt, hilft einem Winzer.

In der Nase Rosenblätter, Hollunderblüte, Tafeltrauben, etwas Pfirsich. Im Mund schmelzig und knochentrocken. Ich schmecke Mandarinenfleisch, Apfel, etwas Banane, vegetablile Würze und vor allem diese strahlende Klarheit, die einen sofort einnimmt. Dieser Wein ist so klar, trocken und frisch und ohne die geringste Spur von Pappigkeit, der man sonst bei vielen Vertretern dieser Sorte begegnet. Wirklich nobel.

Brennt die Natur in Weingebieten, ist das Feuer selbst oft nicht das Problem. Viel zerstörerischer wirken sich die Rauchschwaden aus, indem sich Rußpartikel auf die Trauben legen und die Ernte zerstören, weil sie einen penetranten Geschmack erzeugen.

Und so sahen die Leute von Topper’s Mountain nach der Horrornacht aus:

Australien, dieses ferne und wenig beachtete Weinland hat sich aus dem Fokus geschlichen, seitdem die große Dickweinwelle über Europa gerollt und wieder abgeflacht ist. Australien, das ist doch nur Supermarktland, sagen einige. Von ein paar großen Namen mal abgesehen. Doch der nähere Blick an den großen Traubenplantagen vorbei ermöglicht eine Vielzahl von Entdeckungen, die man im Weinglas machen kann. Irgendwann um die Jahrtausendwende wurde Australien wieder schlank, fast karg. Doch die Diät bekam kaum einer mit. Egal, dann kann ich ja wieder zulegen, mag der Kontinent gedacht haben, im Alter guckt mich sowieso keiner mehr an. Denn geologisch verfügt Australien über die ältesten Böden der Welt. Die aktuelle Stilistik liegt genau zwischen den Extremen. Das neue Australien mit seinen 65 Weinbauregionen, die teils Tausende Kilometer voneinander entfernt hauptsächlich im südlichen Teil der Landmasse liegen, schmeckt frisch wie der kalte Ozean, der an den Küsten leckt.

Nicht im Süden, sondern im Westen betreibt Mark Kirkby (Vater von drei Töchtern) sein Weingut Topper’s Mountain 900 Meter über dem Meeresspiegel. So richtig heiß wird es hier nie. Außer, wenn der Busch brennt. Die Rebstöcke bohren sich tief in die trockene rote Vulkanerde, die den Boden prägt. Auf nur 10 Hektar Rebland stehen Tempranillo, Nebbiolo, Gewürztraminer, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Tannat, Petit Manseng, Shiraz, Pinot Noir, Pinotage, Viognier, Touriga Nacional, Tinto Cão und Barbera. Puh! Mark gründete den Betrieb um die Jahrtausendwende und bechäftigt winemaker Mike Hayes, der grundsätzlich nur spontan vergärt. Zitat: Die wahren Weinmacher sind die Hefen.

 


Datum: 10.9.2019 (Update 11.9.2019)