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Früh-Burgunder: nett zu Vögeln

Kreuzberg-Produktionsleiter Albert Schauman.
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Diese dämliche Überschrift ist nicht der einzige Kalauer in diesem Artikel, gleich kommt der nächste. Es handelt sich um den Trinkbericht über einen wirklich köstlichen Frühburgunder von der Ahr.
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Wer an der Ahr war und weiß, dass er da war, der war nicht an der Ahr! Dieser zugegebenermaßen nicht gerade geistreiche Spruch stammt aus den 1950er- oder 60er-Jahren, als das Gebiet zwischen Altenahr und Ehling das Naherholungsziel des benachbarten Ruhrgebiets und des Kölner Raums war.

Man war auf anspruchslose Klientel eingerichtet. Hauptsache die Schnitzel waren groß, der Wein ähnlich alkoholreich wie ein Bier und nicht zu sauer, sprich: pappsüß. Am malerischen Flüsschen Ahr liegt das größte zusammenhängende Rotweinanbaugebiet Deutschlands (knapp 85% Rotwein, davon ca. 80% Spätburgunder) und mit etwa 550 Hektar auch das kleinste. Die Fläche entspricht noch nicht einmal einem Prozent der Gesamtrebfläche. Etwa 80% besteht aus Steillagen mit Schieferverwitterungsgestein. Das bedeutet viel Arbeit, Handarbeit, sprich: teuer.

Und teuer verkauft man nur über Qualität. Das haben dort inzwischen (fast) alle begriffen und der obige Zahlensalat ist bei jeder Weinprobe in einem Ahrweinbetrieb obligatorisch. Schließlich will man dem Kunden erklären, wofür er sein sauer verdientes Geld hergeben soll. Zum Beispiel für einen Frühburgunder.

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Wer an der Ahr war und weiß, dass er da war, der war nicht an der Ahr! Dieser zugegebenermaßen nicht gerade geistreiche Spruch stammt aus den 1950er- oder 60er-Jahren, als das Gebiet zwischen Altenahr und Ehling das Naherholungsziel des benachbarten Ruhrgebiets und des Kölner Raums war.

Man war auf anspruchslose Klientel eingerichtet. Hauptsache die Schnitzel waren groß, der Wein ähnlich alkoholreich wie ein Bier und nicht zu sauer, sprich: pappsüß. Am malerischen Flüsschen Ahr liegt das größte zusammenhängende Rotweinanbaugebiet Deutschlands (knapp 85% Rotwein, davon ca. 80% Spätburgunder) und mit etwa 550 Hektar auch das kleinste. Die Fläche entspricht noch nicht einmal einem Prozent der Gesamtrebfläche. Etwa 80% besteht aus Steillagen mit Schieferverwitterungsgestein. Das bedeutet viel Arbeit, Handarbeit, sprich: teuer.

Und teuer verkauft man nur über Qualität. Das haben dort inzwischen (fast) alle begriffen und der obige Zahlensalat ist bei jeder Weinprobe in einem Ahrweinbetrieb obligatorisch. Schließlich will man dem Kunden erklären, wofür er sein sauer verdientes Geld hergeben soll. Zum Beispiel für einen Frühburgunder.

Diese Rebsorte ist eine Herausforderung für den Winzer. Nomen est omen, reift er etwa zwei Wochen früher als sein Verwandter, der Spätburgunder. In manchen Jahren bereits Anfang oder Mitte September. Und er ist bei den Vögeln sehr beliebt, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel Nahrungsauswahl haben. Zum Leidwesen der Winzer, die sich im Steilhang auch noch dem Kampf gegen Stare und Amseln stellen müssen. Und neuerdings die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege, die binnen weniger Stunden die Ernte eines ganzen Weinbergs vernichten kann. 2011 wurde das fiese Insekt Drosphila suzukii erstmals nachgewiesen. Es sägt mit einer Art ausklappbarem Kiefer die Haut der Beeren auf und legt ihre Eier im Innern ab. Die geschlüpften Larven fressen sich dann durch das Fruchtfleisch – und schwärmen nach ca. zwei Wochen als neue Fliegengeneration aus. Das Biest ist ein Kind des Klimawandels. Der milde Winter sicherte ihr Überleben, im feuchten Sommer kann es sich ungehemmt vermehren.

Frühburgunder ist für einen Ahr-Winzer eigentlich Hobby, sagen übereinstimmend die Besitzer einiger der Flagshipgüter, wie Marc Adeneuer, Thomas Nelles oder Ludwig Kreuzberg. Gut so, denn für einen guten Frühburgunder lasse ich manchen Pinot Noir stehen. Zum Beispiel für den ungemein eleganten Frühburgunder C vom Weingut Kreuzberg aus Dernau.

Ahr, ich wünsche dir ein schönes Jahr!

Wie üblich bei dieser Rebsorte ist die Farbe nicht sehr intensiv. Ein klares, durchscheinendes Granatrot, leicht violette Reflexe und ein betörend feiner Duft. Es hat zartes Veilchenlakritz, reife Kirschen, Brombeeren, erdig, wie staubiger Acker kurz vor dem erfrischenden Regen, und diese süßherbe Note von richtig gutem Kakao. Dem aus echter Schokolade, nicht dieses Instant-Pulver aus dem Supermarkt. Der erste Schluck schmiegt sich weich und seidig an den Gaumen. Klar wie Felsquellwasser. Alle Beeren dieser Welt vermischen sich mit herber Schokolade und der kühl-stahligen Eleganz eines Damaszenermessers. Erfrischende, gleichwohl zurückhaltende Säure, leicht raues Tannin, zartwürzige Eichenholznote, Gartenkräuter, Walnüsse. Das Mundgefühl ist bei aller Vielschichtigkeit zart. Misha Baryshnikov eine → Balanchine-Choreographie tanzend, elegant, federleicht aber keineswegs zerbrechlich. Die perfekte Balance zwischen zarter Säure, seidigem Tannin, herbsüßer Frucht. Geschmeidig wie eine Katze, die auf eine Maus lauert.

Das Weingut Kreuzberg wurde 1953 vom Chef der Winzergenossenschaft Dernauer Winzerverein Hermann-Josef Kreuzberg gegründet. Inzwischen haben Ludwig Kreuzberg und Frank Josten das Sagen im Betrieb und der zugehörigen Straußwirtschaft. Zu Krezberg gehören ca. 8,5 Hektar Rebfläche, davon über 6 Hektar in steilen Lagen. Betriebsleiter Albert Schauman bickt auf eine respektable Vita zurück, arbeitete im Burgund, bevor er nach Deutschland kam und 2008 als Önologe bei Kreuzberg andockte.

 


Datum: 14.6.2020
 

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