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Dann halt Grüner Veltliner

Felix Pieper, der Drache vom Mittelrhein.
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Grüner Veltliner vom Mittelrhein ist neu. Geht das überhaupt? Ja, es geht und ist ausgerechnet dem schlimmsten Feind jedes Aufbruchs zu verdanken - dem Beamtenstaat.
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Man hat es nicht leicht als Unternehmer in diesen Tagen, steht ständig unter dem Generalverdacht ein schlimmer Finger zu sein.

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Man hat es nicht leicht als Unternehmer in diesen Tagen, steht ständig unter dem Generalverdacht ein schlimmer Finger zu sein.

Ausbeuterisch, verschlagen und überhaupt eine Plage der wohlgesinnten Menschheit. Insbesonders jener braven Bürger, die es untertänigst durchzufüttern gilt. Allen voran die Saugnäpfe des Tentakelstaats, die Mitarbeiter der Behörden. Wo bleiben die Helden, die der Brut mit blitzendem Schwert Einhalt gebieten? Ausgerechnet diesem unkündbaren, vollversorgten und abgesicherten homo offizialis ist es nun zu verdanken, dass es Grünen Veltliner vom Mittelrhein gibt.

Eigentlich wollte Felix Pieper, Winzer unterm Drachenfels wenige Kilometer südlich von Bonn, die Rebsorte Sauvignon Blanc anpflanzen. Piepers Chardonnay aus dem Barrique sorgt ja schon seit einigen Jahren für Anerkennung.

Aber da machte ihm das NRW-Weingesetz einen Strich durch die Rechnung. Diese Sorte ist im Lande nämlich nicht erlaubt. Er könne ja Anträge bis nach Brüssel stellen, gab man ihm gelangweilt zur Auskunft. Aber es würde mindestens drei Jahre dauern, bis sich irgendwas bewegt. Dann mal viel Glück.

Fünf Kilometer weiter südlich hätte es ja keine Probleme gegeben. Dort beginnt Rheinland-Pfalz und Sauvignon Blanc steht dort nicht auf der Liste der verbotenen Pflanzen. Neben Cannabis, Coca, Schlafmohn und Peyote.

Was tun?

Beim Blättern im Gesetz fand Pieper unter den erlaubten Sorten den Grünen Veltliner. Völlig rätselhaft, warum der sein darf und Sauvignon Blanc nicht. Wie so vieles andere rätselhaft bleibt, was die Damen und Herren Gesetzgeber einem so vorschreiben. Dann halt Grüner Veltliner, dachte Pieper und machte sich ans Werk. Auf einem rund 2.600 Quadratmeter großen Steilhang wurden im Mai 2015 die Reben gepflanzt. Bis dahin wuchsen dort Trauben der Sorte Ortega.

Wie bitte, ist das nicht ein Linksrevolutionär, der seinem Land Nicaragua bereits zum vierten Mal als Präsident dient? Wobei unter „dienen“ eher das Verteilen von Geld an die eigene Sippschaft und befreundete Funktionäre gemeint ist. Und schon wieder sind wir in NRW gelandet…

Nein, Ortega ist eine zurecht vergessene Rebsorte, die nach dem Krieg aus Müller-Thurgau und der Siegerrebe (schon wieder so ein komischer Name) gekreuzt wurde und eindimensionale Saufweine ergibt. Der Name Ortega ist eine Widmung an den spanischen Philosophen José Ortega y Gasset, Autor des Werkes „Der Aufstand der Massen“. Er war ein erklärter Anti-Nationalist und setzte sich für die Auflösung der Nationalstaaten ein. Guter Mann. Er gilt als Vordenker der EU.

Alles klar am Mittelrhein

Zurück zu Pieper, zurück zum Wein. Generell fühlt sich der Grüne Veltliner auf Lößböden, Urgestein oder Kiesel ganz famos und benötigt einen sonnigen Herbst.

Zwei Jahre lang gedieh Piepers GV prächtig unter dem Klimawandel und bohrte seine Wurzeln in die kaliumreiche Vulkanerde von Königswinter, die feine Mineralik verspricht. In ihrer Trockenheit gleichen die Böden hier jenen der Wachau, sagt Pieper. Die erste Lese erfolgte im Herbst 2017 noch recht früh, damit die Rebstöcke stabil gedeihen. Erst nach fünf Jahren will man die Ernte nach hinten verschieben. Der frische Saft vergor und lagerte in Stahl.

Gute deutsche GVs gibt es ja – etwa von Ferdinand Koegler aus Eltville oder von der grandiosen Stefanie Weegmüller-Scheer in der Pfalz. Aber wie macht sich der spätreifende Donau-Wein so weit oben im Norden?

Und hat der auch das typische Pfefferl? Beinahe glasklar gluckert er ins Glas. In der Nase kühle Frische, Stachelbeere, ein Minzblatt, gelbes Currypulver, Amaretto, Vollrohrzucker aus dem Bioladen. Im Mund: ja, Pfeffer. Aber beginnen wir von vorn. Ich spüre wenig aber frische Säure (typisch GV), Saft und Rasse. Ich schmecke Limette, grünen Apfel, weiße Johannisbeere, eine kalte Minestrone. Und dann weißen Pfeffer. Bingo.

Ein animierender junger Tropfen ist da herausgekommen. Ein fröhlich stimmender Wein mit mutiger Historie. Ein Kickstart, der neugierig macht. Geben wir dem Projekt ein paar Jahre Zeit.

 


Datum: 6.10.2019
 

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