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Der Stolperstein

Trocken: Eva Clüsserath-Wittmann.
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Einen Wein einfach durch sich hindurchrauschen lassen? Nicht mit dem kantigen Riesling "Steinreich" von Moselwinzerin Eva Clüsserath-Wittmann aus Trittenheim, meint Christoph Hahn.
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Wenn der Wein einen Namen tragen soll, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Genauer: zwei. Entweder heißt der gute Tropfen nach der Lage, aus der er kommt. Oder der Winzer gibt ihm einen bildhaften Titel wie ein Schriftstelle seinem Roman. Wenn dann der Käufer sofort etwas vor Augen hat, das er fühlt und versteht, hat der Winzer alles richtig gemacht.

So eine Winzerin, die alles richtig machte, ist Eva Clüsserath, die Gattin des Rheinhessen-Stars Philipp Wittmann.

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Wenn der Wein einen Namen tragen soll, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Genauer: zwei. Entweder heißt der gute Tropfen nach der Lage, aus der er kommt. Oder der Winzer gibt ihm einen bildhaften Titel wie ein Schriftstelle seinem Roman. Wenn dann der Käufer sofort etwas vor Augen hat, das er fühlt und versteht, hat der Winzer alles richtig gemacht.

So eine Winzerin, die alles richtig machte, ist Eva Clüsserath, die Gattin des Rheinhessen-Stars Philipp Wittmann.

Der Mosel hat sie (trotz Ehe oder genau wegen ihr) die Treue gehalten und produziert dort unter anderem einen Wein, der schon durch den Klang des Namens auf den Boden entführt, auf dem er wuchs: „Steinreich“ eben. So wie Cathy Grans von nebenan in Leiwen mit ihrem Riesling „Steiles Stück“.

Aus dem oberen Teil der Trittenheimer Apotheke kommen die Trauben des Steinreich, sagt Eva Clüsserath. Dennoch ist er kein Lagenwein, was mit dem Ausbau und weinrechtlichem Kleinklein zu tun hat.

Die Steinreich-Reben bohrten ihre Wurzeln in bröseligen Untergrund mit viel Blauschiefer. Das Ergebnis aus Herkunft und Ausbau ist ein weiches Mundgefühl mit Limette, Pfirsich, Ananas, Grapefruit und einer ordentlichen Prise Salz. Sie wollte Eleganz und Mineralik in diesem Wein, sagt Frau Clüsserath-Wittmann.

Der Schieferstein der Apotheke ist gut zu schmecken. Zusammen mit dem trockenen Riesling namens Apotheke (selbe Heimat, anderer Charakter) und ihrem Gutswein Vom Schiefer trägt der Steinreich das Clüsserath-Sortiment. Denn wiewohl die Inhaberin auch fruchtsüß kann, bleibt das Wesentliche an Evas Repertoire mineralisch-trocken.

Riesling pur, ohne Zipp und Zapp und Zuckerschwänzchen – das ist ihre Art. Ein Profil, das von Weinfreunden, Weinhändlern und Gastronomen goutiert wird. Und gar nicht nebenbei beweist die Winzerin, dass die Zukunft der Mosel auch ein weibliches Gesicht hat.

Geheimwaffen, also spezielle Techniken, die zwischen Weinberg und Abfüllung zum Einsatz kommen und den Wein besonders machen, nein, die gibt es nicht, meint die Chefin und sagt, dass sie auf solides Handwerk setzt. „Die Trauben werden in mehreren Durchgängen selektiv von Hand gelesen. Dann folgt etwas Maischestandzeit und die spontane Vergärung im alten Fuderfass“, benennt Eva Clüsserath den Werdegang ihres Steinreich. Der ist in ihrer Sicht ein Wein für jeden Tag und beinahe alle Anlässe: Ein klassischer Mosel-Riesling. Leicht, mineralisch und vor allem trinkig.

Mit diesem Wein sind die Clüsseraths schon seit 2005 am Start und haben in dieser Zeit beim auf trockene Rieslinge bedachten Publikum breite Akzeptanz gefunden. Das sah zu Beginn noch anders aus, erzählt Eva Clüsserath-Wittmann. Zu- und Widerspruch mischten sich: „Am Anfang war die Resonanz gespalten. Da gab es kritische Stimmen, als die Einzellage und das Wort Spätlese nicht mehr auf dem Etikett stand. Andere lobten die Ausstattung und den witzigen Namen.“

Über solche Debatten sind die Clüsseraths inzwischen hinaus. Eva, einst Mitbegründerin der Gruppe „Moseljünger“, ist inzwischen eine etablierte Winzerin. Und der Steinreich ist mit mit seiner pfeilgeraden, unverblümten Mineralik quasi ein Standardwerk der modernen Mosel. Vom Reich der Steine an der Trittenheimer Apotheke und von den Mühen derer, die dort Reben pflanzen und pflegen – davon erzählt dieser Riesling mehr als es Worte vermögen.

 


Datum: 11.8.2019
 

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