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Endrizzi: Hurra, wir leben noch!

Diese Endricis: Mama, Papa, Lisa Maria, ihr Mann Torben und links oben Daniele.
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Der Captain deflorierte einen brandneuen Supertoskaner aus 100% Merlot, der jetzt als saftiges Lebenszeichen des italienischen Weinbaus in die Läden kommt.
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Der Captain berichtet von einem Neuzugang in der großen Familie der Supertoskaner, jener mythenumwobenen Weinklasse, von der keiner so genau weiß, was sie eigentlich bedeutet, weil es nämlich keine klare Definition gibt. Ersonnen und hergestellt wurde dieser Wein von der Winzerfamilie Endrici, die eigentlich 500 Kilometer weiter oben im Norden lebt und dort seit 5 Generationen Weine keltert.

Die Endrici [gesprochen: Endritschi] sind Eigentümer des Weinguts Endrizzi im Trient (Trentino) ganz nahe der Grenze zu Südtirol. Der Unterschied in Schreib- und Sprechweise rührt daher, dass die Endricis einst aus dem Nonstal nach Sankt Michael an der Etsch übersiedelten, wo man eine andere Aussprache pflegt.

Vor zwanzig Jahren kaufte die Familie 30 Hektar Land bei Magliano im südlichen Teil der Maremma, rund eine Autostunde von Bolgheri entfernt, wo vor langer Zeit der Startschuss für die Bewegung der Supertoskaner fiel.

Der Begriff Supertoskaner wurde wahrscheinlich von Robert Parker erfunden, der nach einem populären Namen für diesen völlig neuen Weinstil suchte, dessen Entwicklung bereits kurz nach Kriegsende begann, aber erst Ende der 1970er-Jahre in Fahrt kam. Damals sehnte sich ein gewisser Adeliger namens Mario Incisa della Rocchetta nach Weinen aus dem Bordelais und beschloss für den privaten Genuss Cabernet Franc anzupflanzen, was relativ lange unbemerkt blieb, bis ein Neffe des Weges kam: Piero Antinori, der mit seinem Önologen Giacomo Tachis im Schlepptau die Verfeinerung des Onkelweins übernahm und die Rebsorte Cabernet Sauvignon hinzufügte. Es war die Geburt des Sassicaia.

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Der Captain berichtet von einem Neuzugang in der großen Familie der Supertoskaner, jener mythenumwobenen Weinklasse, von der keiner so genau weiß, was sie eigentlich bedeutet, weil es nämlich keine klare Definition gibt. Ersonnen und hergestellt wurde dieser Wein von der Winzerfamilie Endrici, die eigentlich 500 Kilometer weiter oben im Norden lebt und dort seit 5 Generationen Weine keltert.

Die Endrici [gesprochen: Endritschi] sind Eigentümer des Weinguts Endrizzi im Trient (Trentino) ganz nahe der Grenze zu Südtirol. Der Unterschied in Schreib- und Sprechweise rührt daher, dass die Endricis einst aus dem Nonstal nach Sankt Michael an der Etsch übersiedelten, wo man eine andere Aussprache pflegt.

Vor zwanzig Jahren kaufte die Familie 30 Hektar Land bei Magliano im südlichen Teil der Maremma, rund eine Autostunde von Bolgheri entfernt, wo vor langer Zeit der Startschuss für die Bewegung der Supertoskaner fiel.

Der Begriff Supertoskaner wurde wahrscheinlich von Robert Parker erfunden, der nach einem populären Namen für diesen völlig neuen Weinstil suchte, dessen Entwicklung bereits kurz nach Kriegsende begann, aber erst Ende der 1970er-Jahre in Fahrt kam. Damals sehnte sich ein gewisser Adeliger namens Mario Incisa della Rocchetta nach Weinen aus dem Bordelais und beschloss für den privaten Genuss Cabernet Franc anzupflanzen, was relativ lange unbemerkt blieb, bis ein Neffe des Weges kam: Piero Antinori, der mit seinem Önologen Giacomo Tachis im Schlepptau die Verfeinerung des Onkelweins übernahm und die Rebsorte Cabernet Sauvignon hinzufügte. Es war die Geburt des Sassicaia.

Zu jener Zeit entwickelte Antinori noch einen anderen Wein , der ebenfalls zu Weltruhm kam: Tignanello, anfangs aus 100% Sangiovese ohne den damals für Chianti Classico vorgeschriebenen Weißweinanteil. Ab Mitte der 1970er-Jahre lautete dann die Formel so: 80% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon und 5% Cabernet Franc.

Wegen der Gesetzgebung durften diese Getränke nur als einfache Tafelweine bezeichnet werden, was der Sache eine ironische Komponente verlieh, denn relativ schnell kletterten die Preise (getrieben durch amerikanische Fans) für diese „Bauernweine“ in astronomische Höhen.

Der Erfolg von Sassicaia und Tignanello inspirierte andere Winzer, ebenfalls Weine mit oder aus internationalen Rebsorten zu lancieren. Das Kalkül ging auf und belohnte die Mutigen mit großem Ruhm. Zum Beispiel Tenuta dell’Ornellaia, Tua Rita und Le Macchiole. Jeder der genannten Betriebe hat (neben anderen Weinen) auch einen reinsortigen Merlot im Programm. Der von Ornellaia heißt Masseto und kostet 800 Euro.

Zusammengefasst: Supertoskaner sind Weine aus typischen Bordeauxrebsorten, aber auch Syrah und inzwischen sogar reinsortig ausgebautem Sangiovese. Allen gemeinsam ist eine starke Struktur und große Vollmundigkeit.

Für Paolo Endrici und seine Frau Christine (die aus Reutlingen stammt) war schon vor 20 Jahren klar: So einen Supertoskaner brauchen wir auch. Aber ganz einfach ist das nicht. Einen Supertoskaner plant man von langer Hand, sagt Paolo und erklärt: Wir probierten uns jahrelang durch alle Supertoskaner. Ein Trend zeichnete sich dabei ab: Man spürt immer weniger Wucht und Marmelade, die Weine werden schlanker, fruchtiger, eleganter.

Die Inspiration für Endrizzis neuen Nobel-Merlot Gran Serpaia kam von einem anderen Weinprojekt im Bolgheri, dessen Macher bezeichnenderweise auch nicht aus der Toskana kommt: Ca‘ Marcanda von Angelo Gaja, dem Winzerstar aus dem Piemont. Paolo: Die lange und elegante Frucht dieser Weine ist unsere Benchmark.

Serpaia, das heißt übersetzt Schlangennest. Die Gegend ist heiß und staubtrocken. Tibor Gal, ein Önologe, der beim Sassicaia-Projekt mitwirkte, gab Starthilfe beim toskanische Abenteuer der Endricis. Bis er tödlich verunglückte und ein anderer übernahm: Lorenzo Landi, auch ein bekannter Weinberater.

Die beiden Kinder der Endricis, Lisa Maria und Daniele, studierten in Geisenheim. Auf diesem Bild, das dem Captain als Vorlage für die Illustration oben diente, ist die ganze Familie vereint:

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Ein Beitrag geteilt von Daniele Endrici (@danieleendrici) am

Der neue Supertoskaner der Endricis kostet um die 36 Euro. Nicht gerade ein Mondpreis. Schon gar nicht im Vergleich zur berühmten Konkurrenz, für die schnell mal ein paar Hunderter über den Tresen gehen. Apropos Tresen – haben die Endricis beim Preis nachgegeben, als die Seuche über die Welt kam und die Gastronomie dichtmachen musste? Endrici-Sohn Daniele, der 1992 geboren wurde: Nein, der Preis lag schon vor einem Jahr fest. Corona hat vieles über den Haufen geworfen, aber nicht das Pricing.

Im Norden lancierten die Endricis vor 10 Jahren schon mal einen sogenannten Flaggschiffwein, den Gran Masseto aus der autochthonen Rebsorte Teroldego. Das Preisniveau war ähnlich und das Unterfangen gelang. Ihr neuer Premiumwein aus der Toskana soll den Namen Endrizzi noch stärker ins Bewusstsein der Sommeliers rücken. Daniele: Wir hoffen natürlich, dass unser Name durch diesen Wein noch bekannter wird.

Was sind denn die Voraussetzungen für einen Supertoskaner? Man braucht viel Erfahrung und muss jede Parzelle genau kennen und wissen, welches Fass genau zu ihr passt. Du musst dich mit dem Terroir anfreunden. Das dauert viele Jahre.

Und wie schmeckt der erste Jahrgang des Gran Serpaia, von dem nur 4.000 Flachen abgefüllt wurden? Die Merlot-Stöcke stecken in sehr tonhaltigem Boden. Die Reifung erfolgte in einem nagelneuen 3.000-Liter-Holzfass und neuen Barriques. Im Glas tiefdunkel und dennoch durchscheinend. In der Nase viel Würze nach getrockneten Kräutern. Ich rieche dichte Beerennoten, Hagebuttentee, hochwertiges Kakaopulver (nicht das Zeug aus dem Supermarkt), ein zerriebenes Minzblatt, Malzbier, Unterholz, ein Hauch Veilchenblüte. Im Mund konzentriert, präzise, kräutrig und sehr dunkelfruchtig: Schwarzkirsche, Brombeere, Heidelbeere. Dann Lakritze, Thai-Basilikum und etwas Rote Beete. Mittelgewichtig (trotz 14,5% Vol.), saftig, würzig, weich und elegant. Säure und Tannine sind perfekt eingewoben und kitzeln niedlich wie eine Katzenzunge, die an deinem Handrücken leckt. Es ist ein butterweicher und nobelfruchtiger Krisen-Rotwein, der genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt kommt.

Was ist nun das Geheimnis der Toskana, das eingewanderte Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und andere auf so geniale Weise pimpt, wo eigentlich Sangiovese das Hausrecht besitzt? Es ist nicht abschließend gelüftet und liegt wohl am toskanischen Terroir, das die fremden Beeren erdiger macht und ihnen blumige Noten verleiht. Die Weltweinforschung hat noch viel Arbeit zu erledigen.

 


Datum: 19.6.2020 (Update 20.6.2020)
 

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