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Echter: Miro macht Merlot

Jungwinzer Miro Echter.
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Der Captain trinkt charaktervollen Rotwein aus der Pfalz. Aus einer Rebsorte, die unter Weinfreunden keinen sehr guten Ruf hat.
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Der Captain trinkt Wein. Ok, das macht er täglich. Aber dieser ist anders: Es ist Merlot aus Deutschland. Hmtja, was kann das schon sein…?

Richtig, entgegen der von einflussreichen Wirtschaftsverbänden und der gekauften Weinpresse verbreiteten Fama, dass wir schon ein richtig schönes Rotweinland sind, harrt der Captain mit einigen Getreuen im Untergrund aus und verschickt geheime Botschaften an die Bevölkerung. Tenor dieser Bulletins, die ausschließlich des Nachts übermittelt werden: Erliegt nicht den Schalmeienklängen der Verführer!

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Ja, da gibt es schon ein paar sehr gute Rotweine. Aber das Geschwätz vom Rotweinwunder ist Unsinn. Es flutscht keinesfalls so, wie man sich das in gewissen Kreisen vorstellt, in denen mit erhobenem Zeigefinger über Wein doziert wird.

Guter deutscher Rotwein muss den Elementen abgerungen werden wie der Durchsuchungsbeschluss für eine Neuköllner Clanvilla bei einem Berliner Ermittlungsrichter. Das ist gar nicht so leicht, erzählt Jungwinzer Miro Echter (Bild oben) aus Grünstadt an der Weinstraße, Pfalz. Der ist nämlich Lieferant meines Merlot unfiltriert vom Weingut Echter.

Miro (Jahrgang 1997) schloss seine Ausbildung zum Winzer erst im vergangenen Jahr ab, packt aber schon seit langem im elterlichen Betrieb mit an. Schon seit 20 Jahren experimentiert die Familie mit roten Sorten in ihren wärmsten Parzellen. Mit Cabernet Sauvignon fing es an. Dann kam vor 9 Jahren Merlot dazu. Was ist das Geheimnis dieses Weins, der dem Captain ganz besonders gut schmeckt? Miro erklärt: Präzise dosierte Ertragsreduzierung und eine punktgenaue Lese.

Anders als der robuste Cabernet Sauvignon ist Merlot eine dünnhäutige Diva im Weinberg wie im Keller. Sein Ruf als plumpes Pizzeria-Getränk wurde durch industrielle Massenprodukte aus heißen Ländern geprägt, was Weinfreunde gelegentlich zu verächtlichen Kommentaren bewegt. Eine der berühmtesten Anti-Merlot-Attacken stammt aus dem Film „Sideways“, siehe Video:

Aber in behutsamen Händen blüht die Rebsorte zu einem facettenreichen Trinkerlebnis auf, das man bisweilen durch Zugabe von Cabernet Franc und/ oder Cabernet Sauvignon pimpt. Kultweine von Weltruf werden aus Merlot geschaffen. Beispiele gefällig? Bitte sehr: 1. Masseto der Tenuta dell’Ornellaia in Bolgheri/ Toskana für ca. 1.000 Euro und 2. Pétrus aus Pomerol/ Bordeaux für rund 5.000 Euro pro Flasche aus einem guten Jahrgang.

Pétrus: der meist gefälschte Wein der Welt

So teuer kommt Miros Merlot nicht, er kostet weniger als 17 Euro und kann hier unten via Button per E-Mail bestellt werden. Seine Trauben sind von Hand gelesen, sorgsam entrappt und in 600-Liter-Bottichen auf der Maische vergoren. Drei Mal täglich stampfte Miro die obenauf schwimmende Maische mit dem Holzstößel in die Brühe rein, um die Aromastoffe aus den Schalen zu treiben. Mitte Dezember wurde der Saft abgekippt (nicht abgepresst) und via Schwerkraft in neue Barriques geleitet, wo der Wein 16 Monate ruhte.

Das Ergebnis ist ein würziger Leckerbissen, den der Captain mit großer Freude trank: Im Glas sattes Karminrot, leicht durchscheinend. In der Nase herrlich rotfruchtig nach Roter Johannisbeere, Herzkirsche, Blutorange. Dann dunkle Schokolade, ein Hauch Marzipan, etwas Kardamon. Im Mund saftig, kühl und erdig wie man sich feuchte Blumenerde vorstellt. Ich schmecke konzentrierten Saft Roter Johannisbeeren, geröstete Kräuter, kandierte Kirsche, Orangenzeste und ein wenig Schärfe von Rosenpaprika. Das ist kein Schmeichel-Merlot, sondern ein elegant-würziges Stück Pfalz, das den Gaumen krault.

Die Bezeichnung Merlot kommt vom französischen Wort merle (deutsch: Amsel) und soll auf die Vorliebe dieser Vögel für die rote Rebsorte hinweisen. Der Name kann aber auch eine Anspielung auf die schwarzblaue Färbung der Beeren sein. Merlot-Weine aus warmen Klimazonen sind fruchtbetont und weisen weniger Tannin auf. Einige Erzeuger lagern ihren Merlot bis zu 24 Monate lang in Eichenholzfässern, um ihm mehr Struktur zu verleihen.

Merlot aus kühlem Klima ist strukturierter und verfügt über mehr Tannine und erdige Aromen wie Tabak und Teer. Einige Cool-Climate-Merlots werden fälschlicherweise für Cabernet Sauvignon gehalten. Merlot darf in Deutschland erst seit 1997 angebaut werden und wächst derzeit auf ca. 700 Hektar, die Tendenz ist steigend. Österreich war schneller. Hier ist Merlot seit 1987 zugelassen.

 

Datum: 14.2.2021 (Update 15.2.2021)
 

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