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Die denkende Weinflasche

Thomas Franke und seine Erfindung.
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Für Weinfreunde, die schon (fast) alles haben: Mit der SENSORBOTTLE von Erfinder Thomas Franke bekommt man den Status der Weinsammlung aufs Handy gefunkt.
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Die Frage treibt viele Menschen um: Was soll ich einem anspruchsvollen Weinfreund schenken ohne Gefahr zu laufen, seinen Geschmack zu verfehlen oder ihn gar zu langweilen?

Thomas Franke, Weinsammler und Informatiker in Ludwigsburg (bei Stuttgart) hat vor Kurzem etwas zur Serienreife gebracht, das passen könnte: SENSORBOTTLE. Das mit feinen elektronischen Fühlern bestückte Gerät sieht aus wie eine Weinflasche und sendet nonstop Daten aus dem Weinkeller aufs Handy. Zur Website geht’s → hier.

Franke wirkt wie eine deutsche Version von → Bradley Cooper (A Star is Born mit Lady Gaga) und ist reich. Beides würde er von sich selber natürlich nicht behaupten. Für solche Wahrheiten fühlt sich der Captain zuständig und schreibt es deshalb auf. Ganz abgesehen davon: Die Nachricht wäre für golddigger sowieso ohne Wert. Franke ist (aus Bayern zugezogener) Schwabe, zweifacher Vater und mit Ehefrau Katharina glücklich verheiratet. So sieht es jedenfalls aus.

Seit Beginn der Nullerjahre baute der 38-jährige Wirtschaftsinformatiker mit seinem 60-köpfigen Team Warenwirtschaftssysteme für den digitalen Handel. Marken wie REWE, Saturn, Intersport vertrauten seiner Expertise. 2017 verkaufte Franke die Firma an einen Finanzinvestor und dachte nach, was er mit sich selbst und dem vielen Geld anfangen soll. Relativ schnell war klar: Es musste handfest sein. Etwas, das man anfassen kann. Denn dieses Gefühl hatte Hobbysegler Franke beim Navigieren der Datenströme immer vermisst. Auf der zermürbenden Suche nach einem Weinregal für die eigene Sammlung kam ihm dann eine Idee.

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Die Frage treibt viele Menschen um: Was soll ich einem anspruchsvollen Weinfreund schenken ohne Gefahr zu laufen, seinen Geschmack zu verfehlen oder ihn gar zu langweilen?

Thomas Franke, Weinsammler und Informatiker in Ludwigsburg (bei Stuttgart) hat vor Kurzem etwas zur Serienreife gebracht, das passen könnte: SENSORBOTTLE. Das mit feinen elektronischen Fühlern bestückte Gerät sieht aus wie eine Weinflasche und sendet nonstop Daten aus dem Weinkeller aufs Handy. Zur Website geht’s → hier.

Franke wirkt wie eine deutsche Version von → Bradley Cooper (A Star is Born mit Lady Gaga) und ist reich. Beides würde er von sich selber natürlich nicht behaupten. Für solche Wahrheiten fühlt sich der Captain zuständig und schreibt es deshalb auf. Ganz abgesehen davon: Die Nachricht wäre für golddigger sowieso ohne Wert. Franke ist (aus Bayern zugezogener) Schwabe, zweifacher Vater und mit Ehefrau Katharina glücklich verheiratet. So sieht es jedenfalls aus.

Seit Beginn der Nullerjahre baute der 38-jährige Wirtschaftsinformatiker mit seinem 60-köpfigen Team Warenwirtschaftssysteme für den digitalen Handel. Marken wie REWE, Saturn, Intersport vertrauten seiner Expertise. 2017 verkaufte Franke die Firma an einen Finanzinvestor und dachte nach, was er mit sich selbst und dem vielen Geld anfangen soll. Relativ schnell war klar: Es musste handfest sein. Etwas, das man anfassen kann. Denn dieses Gefühl hatte Hobbysegler Franke beim Navigieren der Datenströme immer vermisst. Auf der zermürbenden Suche nach einem Weinregal für die eigene Sammlung kam ihm dann eine Idee.

Franke stampfte eine Schreinerei aus dem Boden, die eigentlich eine IT-Firma ist, und begann, denkende Weinregale zu konstruieren. Salopper gesagt: Weinmöbel, die sich selbst verwalten. Vollverdrahtet, mit Lasermessung und allerlei Higtech-Schnickschnack. Das Unterfangen mündete in zwei globale Patentanmeldungen.

Wer Franke besucht und das tiefe Glück erlebt, das ihm eine surrend ausfahrende Schublade mit sanft beleuchteten Edelweinen ins Antlitz zaubert, weiß: Der Mann hat sein Ziel erreicht. Vorerst jedenfalls. Vom denkenden Weinregal zur denkenden Weinflasche war es dann nicht mehr weit. Aber lassen wir den Erfinder selbst zu Wort kommen. Frankes Sohn Felix (8 Monate alt) gibt auch seinen Senf dazu:

Das Gehäuse der SENSORBOTTLE entsteht in einer Batterie von 3D-Druckern. Alleine das ist zwingender Grund, sich obiges Video anzusehen. Eine ganze Wand voller Drucker brummt da vor sich hin und produziert im Akkord. Falls gewünscht auch im Magnum- bzw. Doppelmagnum-Format oder im Stil einer Champagnerflasche.

Aber vom Look und der hippen Fertigungsmethode mal abgesehen – was ist das Besondere an der SENSORBOTTLE?

Der Unterschied zu den üblichen Messinstrumenten in Weinlagern ist die Echtzeitübertragung aller verfügbaren Messgrößen und vor allem die Qualität der Daten. Die SENSORBOTTLE simuliert nämlich den Zustand innerhalb der Flaschen und nicht nur den ihrer Umgebung, was insbesondere bei der Weintemperatur eine Rolle spielt. Man will ja nicht wissen, wie gut es der Weinkiste geht, sondern wie die Stimmung in den Flaschen ist. Weinflüssigkeit verhält sich bei Veränderungen der äußeren Bedingungen träger als Luft. Deshalb befindet sich im Inneren der SENSORBOTTLE eine Flüssigkeit, die chemisch weinähnliche Eigenschaften aufweist: Wasser, Glucose, Alkohol. Drei unterschiedliche Sensoren messen die Temperatur und senden sie in die Cloud. Ein Display auf der SENSORBOTTLE zeigt die Werte an. Gibt es Abweichungen von einem zuvor definierten Toleranzkorridor, schlägt das Gerät Alarm. Entweder diskret via E-Mail und App oder mit einem akustischen Signal. Dergleichen geschieht, wenn die Luftfeuchtigkeit (wichtig, um die Korken dicht zu halten) von der Norm abweicht oder schädliches UV-Licht auf die Flaschen fällt. Ja, Licht ist ein gefährlicher Weinkiller.

Weil die SENSORBOTTLE wie eine Weinflasche geformt ist, kann sie bequem zu den anderen Flaschen gelegt werden. Das ist charmant. Ganz abgesehen vom Herzeigeeffekt, den das smarte Teil bietet. Der Captain war ganz hingerissen, als er dieses schicke Spielzeug für Weinfreunde in den Händen hielt. In der digitalen Szene gibt es dafür ein Wort: gamification.

Franke, dieser Meister Eder 3.0, hat aber noch andere Ideen. Ein → Schneidebrett zum Beispiel aus zertifiziertem Teakholz mit hohem Kautschukanteil (bewirkt, dass Schnitte von selbst heilen) und leichtem Gefälle. Warum das? Damit der Bratensaft zuverlässig in die Rinne fließt und keinen lästigen Teich bildet. Kennt man ja. Kostenpunkt: 300 Euro.

 


Datum: 28.12.2019 (Update 28.3.2020)