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Reiche Winzer: der Löw von Frankenberg

Schlösser-Sammler, katholischer Kapitalist und Winzer: Peter Löw
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Mit dem Superreichen Peter Löw betritt ein schillernder Player die deutsche Weinszene. Der Captain trinkt seinen Wein und beleuchtet das Treiben der Vermögenden im deutschen Weinbau.
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Der deutsche Weinbau steht am Beginn seiner größten Krise seit dem Weltkrieg. Jetzt sind Leute mit dicken Brieftaschen gefragt. Menschen, die viel Geld in die Herstellung guter Weine stecken. Davon gibt es manche in unserem reichen Land. Einer davon ist Doppeldoktor Peter Werner Maria Löw aus Ludwigshafen, der laut Manager Magazin im Jahr 2019 auf Rang 310 der deutschen Reichsten-Liste stand und von Bobachtern auf eine halbe Milliarde Privatvermögen geschätzt wird. Solche Peilungen sind immer recht unscharf, weshalb grundsätzlich Zweifel angebracht sind. Eines ist jedoch gewiss: Zwischen 2014 und 2016 kaufte Löw das riesige Schloss Frankenberg im südlichen Steigerwald und lässt dort den eingeschlafenen Weinbau wiederaufleben.

Weinleuten mag der Investor weitgehend unbekannt sein, in Wirtschaftskreisen zählt Löw zu den interessantesten und umstrittensten Persönlichkeiten am deutschen Kapitalmarkt. Der erzkonservative Katholik (Löw unterstützte einen Papstbesuch in Deutschland durch eine Großspende) und Reserveoffizier der Bundeswehr gründete die Industrieholding Arques, die er an die Börse führte und Wirtschaftsgeschichte schrieb, indem er die Kunst des → Carve-out zur Spitze trieb. Verkürzt dargestellt ist das eine Methode, marode Firmen inklusive einer üppigen Mitgift aus Konzernen herauszulösen, für die sie zur Belastung geworden sind, diese zu sanieren und gewinnbringend weiterzuverkaufen.

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Der deutsche Weinbau steht am Beginn seiner größten Krise seit dem Weltkrieg. Jetzt sind Leute mit dicken Brieftaschen gefragt. Menschen, die viel Geld in die Herstellung guter Weine stecken. Davon gibt es manche in unserem reichen Land. Einer davon ist Doppeldoktor Peter Werner Maria Löw aus Ludwigshafen, der laut Manager Magazin im Jahr 2019 auf Rang 310 der deutschen Reichsten-Liste stand und von Bobachtern auf eine halbe Milliarde Privatvermögen geschätzt wird. Solche Peilungen sind immer recht unscharf, weshalb grundsätzlich Zweifel angebracht sind. Eines ist jedoch gewiss: Zwischen 2014 und 2016 kaufte Löw das riesige Schloss Frankenberg im südlichen Steigerwald und lässt dort den eingeschlafenen Weinbau wiederaufleben.

Weinleuten mag der Investor weitgehend unbekannt sein, in Wirtschaftskreisen zählt Löw zu den interessantesten und umstrittensten Persönlichkeiten am deutschen Kapitalmarkt. Der erzkonservative Katholik (Löw unterstützte einen Papstbesuch in Deutschland durch eine Großspende) und Reserveoffizier der Bundeswehr gründete die Industrieholding Arques, die er an die Börse führte und Wirtschaftsgeschichte schrieb, indem er die Kunst des → Carve-out zur Spitze trieb. Verkürzt dargestellt ist das eine Methode, marode Firmen inklusive einer üppigen Mitgift aus Konzernen herauszulösen, für die sie zur Belastung geworden sind, diese zu sanieren und gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Dass solche Geschäft nicht immer reibungslos flutschen, liegt auf der Hand. Wegen eines Börsendeals bekam Löw Stress mit der Aufsichtsbehörde Bafin (die ohne Ergebnis gegen ihn ermittelte und sich inzwischen durch die trottelhafte Handhabung des Falls Wirecard selbst diskreditierte) und zerrte Journalisten vor Gericht, die darüber schrieben. Menschen, die ihn näher kennen, erklären Löws Erfolg mit diesen Worten: Er ist fleißig, intelligent und wendet seine militärische Ausbildung im Geschäftsleben an. Frei übersetzt heißt das vielleicht so: brillanter Kopf, aber als Sympathieträger nur bedingt einsatzbereit. Als der Captain Löw in dessen → imposanter Villa am Starnberger See besuchte, sah er im Garten seinen ersten Mäh-Roboter. War also schon vor einiger Zeit.

In den letzten Jahren ist es um den beinharten Kapitalisten Löw ruhiger geworden. Das mag daran liegen, dass er seine Interessen auf musischere Felder verlegte. Unter anderem sammelt Löw prachtvolle Herrschaftssitze wie andere Menschen Bierdeckel, und rettet die alten Gemäuer vor dem Verfall. Sogar zwei Palazzi in Venedig gehören dazu. Hier ist eine → Bildergalerie mit allen Häusern des Löw-Imperiums.

Eine dieser Immobilien ist das Renaissance-Schloss Frankenberg, wo der Weinbau eine gewisse Tradition hat, aber lange vernachlässigt wurde. Nicht der einzige Besitz mit Weinbezug. Löw gehört auch das Weingut Vergenoegd Löw in Stellenbosch mit 300 Jahre alter Geschichte, dessen Namensgebung („vergnügter Löw“) dem Eigentümer eine gewisse Humorbegabung bescheinigt. Die 1.200-köpfige Laufenten-Population des Guts geriet in den sozialen Medien zum Viralhit.

Kommen wir zum Getränk. Wie das halt mal so ist, gelang der Anlauf ins Weinfach nicht vom Stand weg. Der erste Kellermeister ist wieder von Bord, jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem jungen Maximilian Czeppel, der im Herbst 2019 vom Nahe-Weingut Dr. Crusius kam und zuvor bei Elena Walch, Van Volxem und Schmitts Kinder schaffte. Czeppel steuert nun den gesamten An- und Ausbau und gebietet über 19 Hektar Rebland im Ertrag. Mach aus unserem Weingut ein Aushängeschild für Franken, lautet das Briefing. Man wünscht Herrn Czeppel, dass das Manöver gelingt. Mit dem aktuellen Jahrgang wagt man sich nun erstmals in die vorderste Linie. Die Hauptrebsorten von Schloss Frankenberg heißen Silvaner, Weißburgunder Riesling und sie stehen in einem eher kühlen Teil des Anbaugebiets Franken. Gipskeuper prägt die Böden. Dieser weiche Grund speichert viel Wärme und enthält eine Menge Magnesium, was für mineralisches Mundgefühl sorgt.

Aber ausgerechnet den Roten Traminer 2019 von Schloss Frankenberg ließ man dem Captain zukommen. Roter Traminer ist ein Synonym für die schwierige Sorte Gewürztraminer. Wer seinen Gewürztraminer „Roter Traminer“ nennt, versucht Aufmerksamkeit zu erregen, stichelt der Captain. Kellermeister Czeppel kontert: Bei uns in der Region bedeutet die Namensgebung „Roter Traminer“, dass der Wein etwas mehr Säure hat als klassischer Gewürztraminer.

Mit Gewürztraminer zu hantieren ist nicht leicht. Das fängt schon im Frühjahr an. Weil er rasch austreibt, werden seine zarten Knospen oft vom Spätfrost gekillt. Dazu kommt, dass Gewürztraminer ohne Probleme Alkohol von 14 Volumenprozent und mehr erreicht. Gleichzeitig bleibt die Säure niedrig. Das Ergebnis ist ein unausgewogener, dicker, süßlicher, mit Aromen erschlagender Wein. Aber es gibt auch andere Gewürztraminer, meistens aus dem Elsass, Baden, der Pfalz, Österreich oder Südtirol. Die sind dann zum Niederknien gut. Komplex, exotisch, ausbalanciert, perfekte Begleiter für kräftige Gerichte. Czeppel: Die Kunst beim Gewürztraminer ist, seine Aromatik wirken zu lassen, ohne dass er zu sehr sättigt.

Wie schmeckt nun der Rote Traminer 2019 aus Schloss Frankenberg? In der Nase der schwere und aromatische Duft der Gewürztraminertraube. Weiße Blüten, viel Aprikose und gelber Apfel, Birchermüsli mit spürbare Noten von Trockenfrüchten. Im Mund gut dosierte Säure, saftig, würzig, leicht viskos (ölig) und raumgreifend trocken nach Pampelmuse, Apfel, Grapefruit. Am Gaumen dann noch etwas Banane. Der Wein lag mehrere Wochen auf der Vollhefe und hat Schmackes. Ein feiner Jausenwein, der sogar Räucherspeck und andere deftige Speisen wegsteckt. Noch nicht der große Wurf, aber Czeppel ist erst seit Kurzem dabei. Wer sich mit Weinbau auskennt, weiß, dass es mehr als eine Vegetationszeit in den Pflanzungen und einen Winter im Keller braucht, um einen Betrieb zu verändern. Ach ja, da sicherlich die Frage nach dem Restzucker aufkommt – hier die Antwort: 1 Gramm bei 6 Gramm Gesamtsäure. Also richtig trocken.

Wein und Geld – was bedeutet das in der Konsequenz? Dazu hat der Captain zwei Nachrichten. Eine schlechte und eine gute.

  • Die schlechte Nachricht: Geld alleine genügt nicht, um ein erfolgreicher Winzer zu sein.
  • Die gute Nachricht: Geld alleine genügt nicht, um ein erfolgreicher Winzer zu sein.

Hä? in anderen Worten: Reiche Quereinsteiger sind ein Segen für den Weinbau. Andererseits ist Geld ist noch lange keine Garantie für gute Weine und Erfolg damit und das ist gut so. Denn es würde sonst heißen, dass all die Fähigkeiten, die man braucht, um guten Wein auf die Flasche zu bringen, weniger zählten als Geld. Ende der Magie? Gottseidank nein. Berater Erhard Heitlinger, der in Geisenheim lebt und als erfahrener Experte für Nachfolge-Lösungen im Weinbau gilt, schreibt dem Captain:

Reiche Investoren, die mit Wein kein Geld verdienen, haben sich selbst in diese schwierige Lage gebracht, weil ein Weingut etwas besitzt, das man verstehen und lieben muss. Ein Weingut hat etwas, das man Seele nennen kann. Bei einem Weingut geht es nicht darum, mit den Zahlen zu beginnen und Menschen und Reben diesen Zahlen unterzuordnen. Vielmehr gilt es, bei den Menschen anzufangen und sie zu entwickeln. Etwas tun, mit dem man sich selbst und anderen einen Freude bereitet. Dann werden auch die Zahlen stimmen. Wo die Gier hinter jedem Tun regiert, kann sich kein wirklich anhaltender Wohlstand entwickeln. Wer diese Regeln missachtet, verliert sein Geld. Jedes Unternehmen sollte als lebendiges Organ betrachtet werden.

Ein Weingut zu besitzen und damit auch noch Geld zu verdienen ist für viele Quereinsteiger ein schillernder Traum. Und manch einer schafft es sogar, den zu verwirklichen.

Der → viel zu früh verstorbene Werber Achim Niederberger ist so ein Beispiel. Ihm verdanken die renommierten Weingüter Von Winning, Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan (alle in Deidesheim/ Pfalz) viel neuen Glanz. Genauso wie das Weingut Von Othegraven in Kanzem an der Saar, das ohne Günther Jauch und seine Frau Thea (die sich gemeinsam mit einem Önologen um’s Management kümmert) wahrscheinlich immer noch vor sich hindämmern würde, wenn der wohlhabende TV-Mann 2010 nicht eingestiegen wäre und den Betrieb mit seinem prachtvollen Herrenhaus zurück an die Spitze geführt hätte.

Soll ich auch ein Weingut kaufen?

Auch Jauchs Nachbar an der Saar ist Quereinsteiger und küsste ein Weingut wach: Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem war mal Unternehmensberater bei Ernst & Young bevor er sich mit dem geerbten Geld seiner Bierbrauer-Familie (Bitburger) und großem Ehrgeiz in den Weinbau stürzte. Die Mühe lohnte sich, Van Volxem-Weine gehören heute zu den besten und interessantesten Tropfen Deutschlands.

Van Volxem: der unvollendete Roman

2004 gründete der reiche deutsche Industrielle Anton Börner das Weingut Ômina Romana im Anbaugebiet Latium (Lazio), keine 35 Kilometer von Rom entfernt. Genauer gesagt die weinverrückte Unternehmerfamilie Anna-Maria und Anton Börner mit Tochter Katharina aus Ingolstadt. Anna-Maria Börner ist Italienerin, wuchs auf dem elterlichen Weingut im Piemont auf und infizierte ihren Mann mit dem Weinvirus. Der ging das Projekt Weingut mit deutscher Gründlichkeit an. Bodenanalysen aus vielen italienischen Weinbauregionen, die im Auftrag Börners erstellt wurden, ergaben, dass genau hier beste Bedingungen für Spitzenweine herrschen. Der große Durchbruch am Weltmarkt lässt allerdings auf sich warten. Das mag auch an den üppigen Preisen liegen, die Börner für seine Weine nimmt.

Ômina Romana: deutscher Luxuswein aus Italien

Man kennt dann noch das Weingut Monteverro von Georg Weber, der die größte Gartencenterkette Europas betreibt. Liegt in der Maremma. Oder Villa Santo Stefano von Nina Ruge (die aus dem Fernsehen) und Georg Reitzle (der von Linde) bei Lucca. Aber dass die milliardenschwere Gipsfamilie Knauf aus Iphofen (nicht weit weg von Löws Schloss Frankenberg) in Wein macht, wusste bis vor kurzem fast keiner. Den Knaufs gehört seit über 20 Jahren das Weingut Campo alla Sughera (heißt Korkfeld oder so) in der Toskana. Der Captain sprach mit Frederick Knauf und beschrieb das Projekt ausführlich:

Arnione: stiller, deutscher Supertoskaner

Den etwas traurig machenden Abschluss dieses Artikels liefert das badische Weingut Abril, dessen Eigentümerfamilie Haub (Tengelmann, Kik, Obi) zwei Schicksalsschläge hintereinander zu verkraften hatte. Kurz nach dem Tod des Patriarchen Erivan Haub (1932-2018) verschwand dessen Sohn Karl-Erivan während einer Schitour am Matterhorn. Seitdem → streitet die Familie. Der Captain weiß nicht, ob das Weingut betroffen ist, hofft aber, dass die Rettung des Betriebs, den die Haubs sanierten, nicht umsonst war.

 


Datum: 27.6.2020 (Update 28.6.2020)
 

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