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Darf ein junger Riesling 40 Euro kosten?

Schenk mir noch einen Schuh ein, bitte.
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Rheinhessen, ein teurer Riesling aus bester Lage. Aber ist er das viele Geld überhaupt wert? Der Captain trank den Wein tapfer aus, um eine Antwort zu finden.

40 Euro für einen deutschen Riesling, der keine drei Jahre alt ist – macht das Sinn?

Das Weingut Wittmann blickt auf eine 350jährige Geschichte zurück und verfügt über einige der besten Parzellen der Region. Wie zum Beispiel in der Lage Kirchspiel, wo Tonmergel mit hohen Kalkanteilen für den Background großer Weine sorgt.

Von genau hier habe ich mir den 40 Euro-Wein besorgt, den ich jetzt trinke. Es ist der Riesling Kirchspiel Großes Gewächs.

Die Bewirtschaftung bei Wittmann ist seit 1990 bio. Die Weißweine des Guts werden ohne Fremdhefen in großen Holzfässern und Stahltanks vergoren und ausgebaut.

Die Lage Kirchspiel ist nach Südost und Ost ausgericht, hier fällt schon in den ersten Morgenstunden die Sonne ein. Der Hang ist teilweise 30 Prozent steil, liegt wie ein Amphitheater zum Rhein geneigt und ist somit von kalten Winden geschützt.

Fazit: die Trauben hier bekommen mehr Wärme ab als in den Lagen rundherum.

Weinen, die für 40 Euro und mehr angeboten werden, sollte man ja grundsätzlich eine gewisse Skepsis entgegenbringen; wohl wissend, dass derartige Preise nichts mehr mit Produktionskosten oder einer irgendwie messbaren Qualität zu tun haben können.

Umso gespannter bin ich jetzt auf die Performance von dieses Tropfens.

In der Nase süße, reife Frucht, vor allem Pfirsich. Dazu noch feiner Duft von frisch geriebenen Zitronenschalen. So kann man viele gute Rieslinge beschreiben. Aber was dann am Gaumen losgeht, ist spektakulär.

Enorm viel Würze, deutliche Kräuternoten, vor allem Thymian, Waldmeister und Minze. Aber wenig exotische Früchte, wie sie fast schon zum Erkennungszeichen der edelsten deutschen Weißweinrebe geworden sind.

Fast hat man den Eindruck, von diesem Wein überfordert zu sein, da jeder neue Schluck andere Facetten hervorbringt.

Dieser Riesling verbindet unbändige Kraft, enorme Spritzigkeit und unnachahmliche Eleganz, die auch noch lange nachklingt. Und er hat einen ausgesprochen mineralischen Touch nach Kreide.

Übrigens – das mit dem Geld hatte ich beim Trinken sofort vergessen. Es erschien einfach nicht mehr wichtig. Kann man das als befriedigende Antwort auf die Frage in der Überschrift akzeptieren?

Wenn es sich um einen Spitzen-Riesling mit unverwechselbarem Charakter handelt und der Winzer aus verschiedenen Gründen eine Achtung genießt, mit der er solche Preise am Markt durchsetzen kann – why not?

Um die Antwort auf die Frage oben kurz zu machen: Ja.

 


Datum: 14.4.2018
 

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