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Cooler Montepulciano d’Abruzzo

Brr, cool.
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Der Captain trinkt konzentriert-coolen Rotwein aus der wenig glamourösen Anbauregion Abruzzen, die (noch) keinen einzigen Angeberwein hervorbrachte.
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Die italienische Polizei meldet die Sicherstellung von 4.200 gefälschten Flaschen des begehrten Supertoskaners Saissicaia der Tenuta San Guido. Auf den meisten der beschlagnahmten Flaschen stehen die Jahrgänge 2010 und 2015, die als sehr gelungen gelten. Der Sassicaia 2016 kostet im deutschen Weinhandel um die 400 Euro. Jeder, der sich ein bisschen mit Weinfälschungen auskennt, sagt: „In den Kellern der Weinsammler befinden sich viel mehr Fake-Flaschen als man glaubt.“ Der Captain sagt: Wenn du Winzer bist und jemand fälscht deinen Wein, dann hast du es geschafft.

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Mahatma Wine, our hotel wine cellar deserves a visit. Come and see us. #laperlacorvara #wine

Ein Beitrag geteilt von hotel La Perla, Corvara (@laperlacorvara) am

Mit fast religiöser Inbrunst beten Weinfans den Sassicaia an, es ist schon ein bisschen peinlich. Das Bild oben zeigt den eigens für diesen Wein eingerichteten Raum im Weinkeller des → Hotels La Perla in den Dolomiten/ Südtirol. Man glaubt, in das Innere einer Kapelle zu blicken.

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Dem Captain sind solche Gefühle fremd. Luxusweine lassen ihn kalt. Vielleicht, weil er solche Tropfen zu oft angeboten bekommt, um sie zu verkosten und darüber zu berichten. Aber da gibt es fast nie etwas Neues zu schreiben, was nicht schon irgendwo geschrieben wurde. Langweilig. Da stöbere ich viel lieber in den unendlichen Weiten des Weinmarkts, um für meine Leser Neues zu entdecken, was dann (mit ein bisschen Glück) nicht viel kostet.

So ein Wein steht jetzt auf dem Verkostungstisch. Es ist der Orsus Montepulciano d’Abruzzo Colline Teramane von Fosso Corno, der genau das Gegenteil des Sassicaia ist: Völlig unhippe Herkunft (es gibt manche guten Weine in den Abruzzen, aber keinen richtigen Kultwein) und niedriger Preis. Dabei ist seine Herstellung alles andere als uninteressant.

Die Methode heißt Appassimento und zielt auf die kontrollierte Trocknung der Traube. So ähnlich wie bei Amarone aus Venetien, wo die Betreiber des Orsus-Weinguts ebenfalls herkommen. Damit die Beeren konzentrierter schmecken, werden die Montepulciano-Trauben einige Tage vor der Lese abgeknipst (die Methode nennt sich Taglio del Tralcio und beendet die Feuchtigkeits-Zufuhr) und weiter am Stock hängen gelassen, damit Sonne und Wind ihr Werk tun können. Das Ergebnis ist ein dichter, konzentrierter und milder Wein mit karger Anmutung, der mir sehr gut gefällt und sicherlich ganz wunderbar zu Sauerbraten und anderen Schmorgerichten passt. Und so schmeckt er: In der Nase konzentrierte Kirschnoten, Pflaumenmus, kandierte Orangenschale, blanchierter Spinat, Kakaopulver. Im Mund vegetabil und staubtrocken. Ich schmecke Zwetschkenkompott, kalten Bratensaft, Schwarzwurzelgemüse, Küchenkräuter, Salz. Erst dann ein Hauch Extraktsüße wie bei Hustentropfen. In den Tanninen steckt noch etwas Jugend. Die Säure ist mild. Ein konzentriert-cooler und für seine Machart (die eher Richtung Süße weist) unerwartet karger Wein. Überraschenderweise bleibt der Alkoholgehalt im Rahmen: 14% Vol.

Übrigens: Neulich bat ich meine Newsletter-Leser, das Bild für einen neuen Artikel auszuwählen. Das Ergebnis kannst du → hier bewundern.

 

Datum: 17.10.2020 (Update 19.10.2020)