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Conte Vistarino: großer Pinot Nero

Gräfin Ottavia Georgi di Vistarino.
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Die Rebsorte Pinot Noir hat es nicht leicht in Italien, denn sie braucht kühle Luft. Nur wenige Winzer machen dort große Weine aus ihr. Zum Beispiel Ottavia Georgi di Vistarino in einem abgelegenen Landstrich der Lombardei.
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Pinot Noir (Spätburgunder) aus Italien? Zu heiß, winken viele Weinfreunde dankend ab und haben generell recht. Aber wie das so ist in der Weinwelt – jede seriöse Regel wird von einer Vielzahl Gegenbeweisen außer Kraft gesetzt. Es ist eine permanente Übung in Ambiguitätstoleranz, dieses Wort lernte der Captain neulich beim Radiohören. Es bezeichnet die Fähigkeit Widersprüche auszuhalten und scheint ein schlaues Instrument zu sein, um dem Irrsinn dieser Zeit lässig zu begegnen.

Einmal goss ein Manager aus dem Antinori-Imperium (wo man bekanntermaßen wirklich was vom Weinmachen versteht) dem Captain ein Glas Pinot Nero aus der Toskana ein. Nun, der Wein schmeckte dermaßen marmeladig, dass man ihn besser aufs Frühstücksbrot gestrichen hätte.

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Andererseits: Bei seinen Besuchen auf dem riesigen Ätna hat der Captain erlebt, was kühle Luft und entsprechender Boden auch im Süden aus dieser Traube macht – wenn der Winzer was kann. Dasselbe gilt für den einen oder anderen Weinmacher in Südtirol.

Hofstätter: Herzog Blaubarts Burgunder

Die weitgehend unbekannte gräfliche Weinfamilie Vistarino begann Mitte des 19. Jahrhunderts in einem abgelegenen Winkel der Lombardei die Rebsorte Pinot Noir anzubauen. Mit erheblichem Erfolg. So erheblich, dass dem Captain fast die Augen ins Glas fielen, weil dieser Wein eine ungewöhnlich köstliche Trinkerfahrung bietet. Im Glas mittleres Rubinrot mit dezenter Trübung. In der Nase sehr delikat nach Sauerkirsche, Himbeere, Bittermandeln. Im Mund hochelegante Balance zwischen Frucht, Tannin und Säure, ein meisterhafter Gleichklang aus Granatapfelsaft, Kirsche, einer Prise feinsten Kakaopulvers, etwas Kardamon und kaltem, lange gezogenem Assam-Tee. Großartiger Pinot Noir aus Norditalien, den man alleine aus Fortbildungsgründen einmal getrunken haben muss, um mitreden zu können.

Der Pinot Nero Pernice kostet nicht mal übertrieben viel für diese Qualität. Etwas mehr als 30 Euro. Ich habe sogar einen Händler gefunden, der ein paar gereifte Flaschen des Jahrgangs 2012 für 24 Euro anbietet. Da kann ich nur raten zuzuschlagen. Übrigens, wo genau diese önologische Meisterleistung stattfindet, die sich im Pernice materialisiert, beschreibt → der Captain hier. Es ist eine Wein-Entdeckung, auf die ich stolz bin. So einen findet man nicht alle Tage.

 


Datum: 10.9.2020 (Update 11.9.2020)