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Wie heißt der männlichste Wein?

Felsina-Winemaker Giovanni Poggiali.
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Der Captain wurde gefragt, welchen Wein er für den männlichsten hält. Solche Fragen sind Teil der Klischeebildung. Und dennoch gibt es eine Antwort: Der männlichste Wein ist Sangiovese. Warum? Ganz einfach: Kraft, Erde, Säure.
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Die alte Diskussion, ob es nun spezielle → Frauenweine oder Männerweine gibt, führt sich dann ad absurdum, wenn mein bester Freund, muskelbepackt und sehnengestählt, vor dem gemeinsamen Kochen eine Flasche fruchtigen Muskateller entkorkt. Sein Kommentar: Endlich mal was Leichtes, ich habe diese fetten Barriqueweine schon lange satt!

Dabei hatte dieser männlichste aller mir näher bekannten Männer in früheren Zeiten stets ein paar Kisten kalifornischer Chardonnays im Keller liegen. Nicht die kompliziertesten, aber sicher die heftigsten Weißweine – brutal vom Holz beeinflusst, fett, cremig und so alkoholreich, dass bloß einmaliges Ausatmen die Kontrollgeräte der Verkehrspolizei bis zum Anschlag aufjaulen lässt.

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Andererseits kenne ich Frauen, die ihre Nase vor Vergnügen jauchzend in einen dicken, frühreifen und sicher nicht schlank-eleganten Bordeaux aus 2005 stecken. Deswegen: Lasst mich mit euren Genderspielen in Ruhe! Für mich gibt es keine Männer- und Frauenweine. Sondern maskuline und feminine Weine. Und mir ist egal, welches Geschlecht welche Art Wein trinkt.

Die maskulinsten Weine, die ich kenne, kommen aus der Toskana und wurden vor allem aus → Sangiovese hergestellt.

Die Rebsorte Sangiovese ist die regionale Sorte der Region. Und nirgendwo auf der Welt wird aus ihr besserer Wein gewonnen als in der Toskana, diesem Paradies deutscher und britischer Kreativmenschen. Wenn man hier Pech hat, sitzt man im kleinen Ort Radda mit dem ausgemusterter Sänger Sting am Wirtshaustisch. Und der beginnt spätabends zu singen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir bleiben beim Sangiovese und der Region. Und attestieren der Traube, dass sie hier auf rotbrauner (Ton) oder grauer Erde (Kreide oder Kalk) für die wohlschmeckendsten, säurebetonten Rotweine geradesteht. Toskanischer Sangiovese riecht und schmeckt nach Erde, Leder, Tabak, Johannisbeere, Kirsche und etwas Pflaume. Der erste Eindruck in der Nase ist immer ein regennasses und gerade umgeackertes Feld. Oder ein feuchter Herbstwald, in dem die Pilze sprießen. Die Erde geht beim Sangiovese vor der Frucht.

Einer dieser typischen toskanischen Sangiovese ist der Chianti Classico Berardegna des manchmal auch freundlichen Eigenbrötlers Giuseppe Mazzocolin. Der Berardegna ist der einfachste Rotwein seines Weinguts Fèlsina, wo er auch eine großartige Riserva namens Rancia und einen Supertuscan namens Fontalloro auf die Flaschen bringt. Doch schon dieser kleine Ortswein kann viel, hat Kraft, eine ansprechende, den Trinkfluss fördernde Säure und jenes nicht näher definierbare Element, das man mit Terroir umschreiben kann. Man weiß sofort, dass dieser Wein aus der Toskana kommt. Riecht und schmeckt betörend nach Erde, Leder, Tabak, Johannisbeere, Kirsche und etwas Pflaume. Der Wein kann viel, hat Kraft, eine ansprechende, den Trinkfluss fördernde Säure und jenes nicht näher definierbare Element, das man mit Terroir umschreiben kann.

 

Datum: 14.7.2020
 

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