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Die Ausverkauften

Die Loewens mit dem Nachwuchswein.
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Karl Josef und Christopher Loewen haben ein luxuriöses Problem, denn sie sind regelmäßig ausverkauft. Christoph Hahn fragt sich, warum die Loewens für ihre Weine nicht einfach mehr Geld verlangen. Die Antwort ist verblüffend.
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Rufen Sie doch mal bei Karl Josef und Christopher Loewen in Leiwen bei Trier an. Fragen Sie den Winzer nach einem seiner Weine, nach dem die ganze Welt sich die Lippen leckt.

Den legendären „1896“ etwa, der so heißt, weil die Reben, aus denen er gekeltert wurde, in jenem Jahr gepflanzt wurden. Am Maximin Herrenberg in Longuich, gerade mal einen Steinwurf weit weg von Leiwen. Fragen Sie.

Und wenn Sie nicht unbedingt nach einem Wein aus dem Basissegment wie dem saufigen (so sagt man an der Mosel) „Quant“ fragen (übersetzt: runde Sache), wird es todsicher heißen: Leider ausverkauft.

Denn Loewen und Sohn haben ein Problem, um das sie viele Kollegen beneiden: Unser Wein reicht nicht.

Um die 120.000 Flaschen pro Jahr im Durchschnitt füllen die Loewens ab. Davon ist nach wenigen Monaten nicht mehr viel übrig. Im ernteschwachen Jahr 2017 war schon im Mai alles weg. Karl Josef Loewen: Wir betreiben keine Akquise, die Leute kommen auf uns zu.

Das hat seinen Grund.

Großkritiker rund um den Erdball überschlagen sich, wenn sie einen Riesling aus dem Keller unter dem schlichten Haus an der Matthiasstraße verkosten dürfen. Das macht die Weine von hier zu Selbstläufern. Sie sind weg noch bevor irgendwer die Werbetrommel schlagen kann.

Die Loewens genießen nicht nur unter Weinfreunden hohes Ansehen, sondern auch bei den Kollegen.

Selbst so gefeierte wie Roman Niewodniczanski (Van Volxem) ziehen den Hut. Der gehörte nämlich zu den Bietern, als das Weingut Schmitt-Wagner in Longuich und mit ihm der Maximin Herrenberg zum Verkauf stand. Als „Niewo“ erfuhr, dass Loewen senior sich ebenfalls bemühte, zog er sich sofort zurück.

Was Karl Josef und Christopher abfüllen, muss bestimmten Normen genügen. Es muss nach Stein, nach Boden, nach der Erde, auf der die Reben gewachsen sind, schmecken. Ohne Umschweife, direkt auf der Zunge: Das mineralische Fordernde muss da sein, verlangt der erfahrene Profi. Das heißt nicht, dass der Filius, der seit 2015 in verantwortungsvoller Position mitwirkt, Papas Stil gnadenlos zu vollstrecken hat: Mein Vater lässt mir extrem viele Freiheiten.

Der war mal ein richtiger Revoluzzer. Um was sich heute die Leute reißen, war früher mal Gegenstand eines beinhart ausgefochtenen Kampfes. Als führender Kopf der Leiwener Jungwinzer stellte Karl Josef nicht nur in seinem Heimatort vor 20, 30 Jahren die Weinwelt der Region zwischen Trier und Bernkastel-Kues vom Kopf auf die Füße und verhalf neuen Standards für die Arbeit im Weinberg und im Keller zur Geltung: Klasse statt Masse.

Laurentiuslay, Ritsch und Herrenberg, allesamt Lagen aus Loewens Besitz, sind längst zu Wertbegriffen geworden. Vater Loewen und sein 35 Jahre jüngerer Sohn gehören zur modernen Mosel, die sich an der klassischen Stilistik der Region orientiert.

Christopher Loewen: So wie man früher Wein machte, will ich heute Wein machen.

Aber was nutzt es, wenn ich die Weine nicht trinken kann, weil sie mir ein anderer weggeschnappt hat?

Über 50% der Flaschen geht in den Export. Hauptsächlich nach China, Japan, Finnland, Norwegen und die USA. 60.000 Flaschen bleiben im heimischen Markt und sind ruckzuck weg.

Warum steuert die Firma Loewen nicht mit dem Preis dagegen? Der teuerste Loewen-Wein kostet 45 Euro. Einfach raufsetzen und schon geht die Nachfrage zurück…

Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage.

Karl Josef Loewen: Natürlich bewundere ich Kollegen, die es schaffen, Moselwein zu Spitzenpreisen zu verkaufen. So wie Egon Müller. Aber ich bin ein Gefangener meiner selbst und will auch Kunden haben, die meine Weine aus vollem Herzen mögen. Nicht nur solche, die jeden Preis bezahlen. Ich will auch die 10-Euro-Trinker, die meine Philosophie im Glas spüren wollen. Für dieses Geld kann man schon sehr guten Wein machen. Natürlich nicht im Steilhang. Eine Flasche von dort muss um die 25 Euro kosten, damit sich der Aufwand lohnt. Mindestens.

So geht es also weiter wie bisher. Wein machen, dem Keller zusehen, wie er leergemacht wird und darauf hoffen, dass keiner der Kunden sauer läuft. Denn Karl Josef Loewen ist sich bewusst, dass andere Väter auch hübsche Töchter haben: Wenn einer seinen Bedarf woanders decken kann, dann tut er das auch. Bisher kam aber jeder Kunde wieder zu uns zurück, sobald der neue Jahrgang verfügbar war.

 


Datum: 30.11.2018 (Update 1.12.2018)
 

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