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Bordeaux: das bisschen Bio schmeckt!

Chef im Bordelais: Benjamin Hessel
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Der Captain trinkt butterweichen Bio-Bordeaux zum kleinen Preis und denkt: geht doch!
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Der Captain berichtet über ein weiteres Fundstück aus dem Bordelais, also Bordeaux, diesem sagenumwobenen Anbaugebiet, das ständig neue Schlagzeilen produziert und Bilder beschwört, die verzerrter nicht sein können. In Wahrheit ist diese Region mit ihren 120.000 Hektar Rebland (Deutschland: 104.000 Hektar) ein landwirtschaftlicher hot spot wie manch andere auf der Welt. Viel industrieller Wein-Ackerbau, ein bisschen Bio und eine Handvoll Luxusproduzenten mit durchgeknallter Preisbildung.

Dieses Dickicht stimuliert den Entdeckergeist des Captain, der immer auf der Suche nach guten und dabei leistbaren Tropfen ist und (du ahnst es schon) wieder etwas gefunden hat. Es handelt sich um den Bordeaux Les Annereaux Bio von Château des Annereaux mit ungebrochener Familientradition seit dem 17. Jahrhundert. Heute hat der jugendlich wirkende Benjamin Hessel das Sagen im Betrieb. Hier im Bild sieht man die nächste Generation durch den Garten des Firmensitzes toben:

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Der Bordeaux Les Annereaux ist weder klassifiziert, noch kommt er aus einer gefeierten Appellation (Lelande-de-Pomerol), sondern ist nicht mehr und nicht weniger als schmackhafter Wein mit klarem Profil: trinkig, beerenfruchtig, weich und nicht teuer. Ja, das ist leistbarer Bio-Bordeaux aus einem der ältesten Weingüter des Bordelais, das am rechten Ufer der Dordogne in der kleinen Appellation Lalande-de-Pomerol liegt, wo Merlot (vor Cabernet Franc) die beherrschende Rebsorte ist und die Preise im Gegensatz zu den benachbarten Appellationen (Pomerol, Saint-Emilion) noch nicht in die Höhe geschossen sind. Château des Annereaux besitzt jedoch auch Rebstöcke in der angrenzenden Appellation Bordeaux, die genauso heißt wie die gesamte Region.

Die Rebsorten des Les Annereaux sind Merlot (80%, butterweiche Beerenfrucht) und Petit Verdot (20%, Bitternoten und Säure). Beide ergänzen sich prächtig, wenn der Kellermeister sein Werk versteht. Und das tut er offenbar: Im Glas sattes Rubinrot. In der Nase Heidelbeere total, dass man sofort reinbeißen will. Dann Blut (eigentlich typisch für die eisenhältigen Böden des Pomerol) und Vanilleschote. Im Mund butterweich und saftig, mit rotfruchtigen Noten, etwas Rote-Beete-Saft, dem Saft von Granatapfelkernen, sanfter Kräuterwürze und mittlerem Wumms bei 14,5% Vol. Alkohol, der nicht gering, aber gut eingebunden ist. Dieser Wein beißt nicht, der will nur spielen und gute Laune verbreiten und das macht er perfekt.

Das Image von Bordeaux als Weinregion, das zu einem großen Teil in den Händen internationaler Unternehmen liegt, die über riesige Weingüter herrschen, ist einfach nicht wahr. Es gibt ungefähr 7.500 Produzenten in Bordeaux. Nur 8% verfügen über mehr als 100 Hektar. Nur 3,5% der Weine sind teurer als 15 Euro pro Flasche. Nur 1,25% der Châteaux gehören zu den klassifizierten Herstellern, die Schlagzeilen in den Nachrichten machen. Es gibt ein Meer engagierter, qualitätsorientierter Produzenten – die sogenannten Petits Châteaux, die sich schwertun, über die Runden zu kommen.

Wenn es stimmt, was die Propheten der Weinwirtschaft voraussagen, dann passt der Bordeaux Annereaux perfekt in unsere Krisenzeit, die nur zwei Gewinner sieht: sündhaft teure Luxusprodukte und ordentlich gemachte Getränke für Weinfreunde, die aufs Geld schauen. Den kannst du bunkern, um etwas im Keller zu haben, das einfach nur gute Laune macht.

 

Datum: 4.1.2021
 

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