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Barovo statt Barolo

Willste probieren? Exportmanagerin Katerina Kostovska.

Barovo Red

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Tikveš, Nordmazedonien

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Der Captain berichtet von einem erstaunlich wohlschmeckenden Rotwein der 10-Euro-Kategorie. Herkunftsland: Nordmazedonien.
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Um Weine, die bei einem deutschen Wettbewerb eine Goldmedaille erhalten, macht der Captain einen großen Bogen. Die korrupte Praxis der Vergabe und die daraus abgeleitete Minderwertigkeit dieser Tropfen sind ein Garant für Missvergnügen. Bei einem Rotwein aus der 10-Euro-Kategorie jedoch übersah der Captain die Medaille (weil sie gar nicht auf der Flasche klebte) und war begeistert. Ob Zufallstreffer oder nicht – so kann man sich irren.

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Um Weine, die bei einem deutschen Wettbewerb eine Goldmedaille erhalten, macht der Captain einen großen Bogen. Die korrupte Praxis der Vergabe und die daraus abgeleitete Minderwertigkeit dieser Tropfen sind ein Garant für Missvergnügen. Bei einem Rotwein aus der 10-Euro-Kategorie jedoch übersah der Captain die Medaille (weil sie gar nicht auf der Flasche klebte) und war begeistert. Ob Zufallstreffer oder nicht – so kann man sich irren.

Der Geschäftsmann Svetozar Janevski (Foto unten) ist eine Art Patriarch der nordmazedonischen Industrie. Man könnte ihn vielleicht auch Oligarch nennen, aber für diese Zuschreibung mit bitterem Beigeschmack weiß ich zu wenig über Svetozar, CEO der landesgrößten Brauerei Pivara Skopje, Lizenznehmer von McDonald’s in Nordmazedonien und Geschäftspartner von Coca-Cola und Heineken. Svetozar ist aber noch mehr, nämlich Eigentümer des Vorzeigeweinguts Tikveš im Süden der Republik, die sich 1991 als eigenständiger Staat aus dem zusammenbrechenden Jugoslawien löste und erstmal in einen kurzen, aber heftigen Bürgerkrieg taumelte. Heute herrscht Ruhe und Stabilität und manch einer wie Svetozar macht gute Geschäfte. Zur Svetozars Tikveš-Gruppe, die aus einer kommunistischen Weinbau-Kooperative hervorging, gehören Weinberge in der nordmazedonischen Zentralregion und ein Weingut an der südlichen Rhône: Château de Gourdon.

Nordmazedonien mit seinen rund 30.000 Hektar Rebland hat den Ruf eines zuverlässigen Lieferanten billiger Massenware für die Supermärkte Nordeuropas. Alle drei Weinregionen des Staates liegen auf derselben geographischen Höhe wie Toskana, Bordeaux und Napa Valley. Die Positionierung mitten auf der Balkan-Halbinsel vereint mediterrane als auch kontinentale Klima-Einflüsse. Im Sommer wirken hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht auf die Traubenreife ein und führen bei entsprechend aufwendiger Behandlung in Weinberg und Keller zu gut strukturierten, komplexen Weinen. Eine neulich erfolgte Verkostung mit den führenden Premium-Produzenten Nordmazedoniens in Berlin ließ den Captain staunen. Die Weine hauptsächlich aus den Rebsorten Vranec, Prokupac und Kratosija (rot) und Smederevra, Welschriesling sowie etwas Chardonnay und Sauvignon Blanc (weiß) machen was her. Wenn man jetzt noch die spürbare Begeisterung der Weinmacher für neues Fassholz in den Griff bekommt, wird dieses Herkunftsland noch mehr Freude bereiten.

Die meisten Weinkellereien befinden sich in der zentralen Region entlang des Vardar-Tals. Seit der Jahrtausendwende zielen ehrgeizige Weinprojekte auf Premiumtrinker mit Preisen, die gelegentlich die 50-Euro-Grenze durchbrechen. Tikveš mit seinen rund 1.000 Hektar Weinland (zuzüglich 5.000 Hektar von Lieferanten), wo ganz sicher nicht nur Luxusweine entstehen, gehört dazu. Den Rotwein Barovo Red jedenfalls zähle ich zur geschmacklichen Oberklasse, auch wenn er nicht viel kostet. Er reifte ein Jahr in französischen Barriques, am Tacho stehen mächtige 14,5% Vol. Im Glas schimmerndes dunkelviolett. In der Nase Pflaumenkompott, Graubrotrinde, Hollunderbeeren, Lakritze, dunkle Schokolade. Mit etwas Luft kommen noch Noten von Heidelbeere hinzu. Im Mund deutlich weicher und zugänglicher als andere Premiumweine aus der nordmazedonischen National-Rebsorte Vranec. Das liegt daran, dass der Anteil dieser Traube nur 35% beträgt. Der Rest ist nämlich Kratoshija, eine ältere Sorte, die sich ihren genetischen Ursprung mit Zinfandel und Primitivo teilt. Eine tiefer gehende Erforschung hat erst begonnen. Der Wein wirkt stoffig, dunkelbeerig, samtig. Ich spüre Blaubeere, Brombeere, würzige Bitternoten von Birnenschale und samtige Tannine. Schönes Konzentrat, viel Saftigkeit und Tiefe, gute Struktur bei mächtigem Körper, den die lebendige Säure zum Tanzen bringt. Das alles sagt man selten über einen Wein aus der 10-Euro-Kategorie. Eine echte Entdeckung, die hoffentlich in Deutschland bald Verbreitung findet.

Die Weingärten nahe der Ortschaft Barovo liegen auf 700 Metern Höhe. Man sagt, hier sei der höchste Obstgarten des Balkan. Ein Mix aus mineralreicher Vulkanerde, Lehm und Steinen charakterisiert die durchlässigen Böden. Eine Schlucht, das sogenannte Eiserne Tor, lässt mediterranes Klima auf die kalten Bergwinde des Kozuf-Gebirges treffen, was zur recht angenehmen Durchschnittstemperatur von 18 Grad während der Vegetationsperiode führt.

 


Datum: 2.2.2020 (Update 4.2.2020)
 

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