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Die perfekte Weinformel

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Ein leistbarer Chianti edlen Geblüts bringt alles auf den Punkt, was einen guten Rotwein aus der Toskana ausmacht: Würze, nicht zu viel Kraft und frische Eleganz.
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Wein ist Kulturgut, hört man gelegentlich und manchmal denke ich mir, was für ein Gelaber. Der Wein, den ich heute im Glas habe, kann jedoch mit gutem Gewissen als Denkmal bezeichnet werden. Er ist in Flaschen gefüllte Geschichte. Denn er kommt nicht nur aus dem ältesten Weingut Italiens – seit dem Jahr 1142 wird im bzw. beim Castello di Brolio Wein gekeltert. Nein, obendrein wurde hier vor über 150 Jahren auch noch der Chianti erfunden.

Und zwar von Bettino Ricasoli (Spitzname: „eiserner Baron“), Burgherr und Premierminister der ganz jungen und geeinten Republik Italien. Der Mann war zudem noch ein experimentierfreudiger Winzer, der jahrelang nach der perfekten Weinformel forschte.

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Wein ist Kulturgut, hört man gelegentlich und manchmal denke ich mir, was für ein Gelaber. Der Wein, den ich heute im Glas habe, kann jedoch mit gutem Gewissen als Denkmal bezeichnet werden. Er ist in Flaschen gefüllte Geschichte. Denn er kommt nicht nur aus dem ältesten Weingut Italiens – seit dem Jahr 1142 wird im bzw. beim Castello di Brolio Wein gekeltert. Nein, obendrein wurde hier vor über 150 Jahren auch noch der Chianti erfunden.

Und zwar von Bettino Ricasoli (Spitzname: „eiserner Baron“), Burgherr und Premierminister der ganz jungen und geeinten Republik Italien. Der Mann war zudem noch ein experimentierfreudiger Winzer, der jahrelang nach der perfekten Weinformel forschte.

1872 fand er sie. Seitdem ist die Rebsorte Sangiovese der Hauptbestandteil des Chianti. Heutzutage ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass im Chianti mindestens 80% Sangiovese schwimmen muss. Der Rocca Guicciarda Chianti Classico Riserva DOCG (Riserva = mindestens 2 Jahre lang gelagert und gereift, DOCG = hohe Herkunfts- und Qualitätsbezeichnung) ist die Erfindung eines Nachkommens von Bettino Ricasoli. Nämlich von Baron Francesco Ricasoli (im Foto unten der Herr rechts), der das Weingut 1993 ins Familieneigentum zurückholte. Es hatte sich nämlich eine zeitlang in den Händen eines Getränkekonzerns befunden.

Barone Ricasoli_Francesco_2

Baron Francesco startete mit diesem (und anderen) neuen Weinen einen Angriff auf die sogenannten Supertoskaner. Das sind sauteure Modeweine, die in den 70er-Jahren entwickelt wurden und lange Zeit als Inbegriff des italienischen Weingenusses galten.

Eines ist schon vor dem Trinken klar – hier steht ein sehr interessanter Wein. Vielleicht kein großer Wein, aber ein interessanter Wein. Und das schöne daran? Er kostet nicht arg viel. Und hat außerdem eines der schönsten Etiketten, die ich kenne, auf der Flasche kleben. Wenn einer der Meinung ist, das sei Kitsch, dann sage ich: meinetwegen. Hauptsache guter Kitsch. Ich kann mich gar nicht sattsehen an der tiefblauen Farbe, die das Wappen der Ricasoli strahlen lässt. Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, das Auge trinkt mit. In die Nase steigt das Parfum eines der großen Grandseigneurs aus dem Chianti. So viel Poesie muss erlaubt sein. Ich rieche Speck und etwas Schweiß, was ein gutes Zeichen ist. Dann Sauerkirsche, schwarze Schokolade und Leder. Später noch etwas getrocknete Kräuter, vor allem Thymian. Was für eine schöne Würze! Ja, der macht enormen Spaß. Im Mund wieder Sauerkirsche, schwarze Schokolade, trockener Thymian und Leder. Die anregende Säure spannt eine super Struktur.

Dieser Wein hat nicht nur eine spannende Geschichte, er schmeckt auch spannend und ist das Paradebeispiel für einen eleganten Wein. Auch bemerkenswert ist seine angenehme, mittlere Kraft und die unglaubliche Länge. Man kann ihn noch Minuten später spüren. Meistens schreibe ich jetzt, was man zum Wein essen kann. Das überlasse ich meinem Facebook-Matrosen Heiner Reiners, der zu diesem Wein Bistecca alla fiorentina empfiehlt – ein toskanisches T-Bone-Steak.

 


Datum: 23.11.2019 (Update 24.11.2019)
 

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