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Albert Bichot: Angst vor Burgund?

Albéric ist Chef im Hause Bichot.
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Teure Burgunder machen Experimente mit diesem Anbaugebiet zu einer riskanten Angelegenheit. Der Captain kennt einen leistbaren Wein, der den Einstieg in diese Region zu einem schmackhaften Vergnügen macht.
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Neulich verkostete der Captain 8 feine Rotweine aus Kalifornien, die alle zusammen in ein Bordeauxglas passten. Das liegt daran, dass die Proben in klitzekleinen Plastikfläschchen angeliefert wurden, was vollkommen ausreichte, um sich einen Eindruck zu verschaffen und ökologisch deutlich klüger ist, als eine 10-Kilo-Kiste herumzuschicken. Feingliedrige Getränke aus Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und Zinfandel (Primitivo) waren das. Alle ganz weit weg vom Brotaufstrich-Klischee, das vielen Produkten aus diesem sonnigen Herkunftsgebiet anhaftet. Teilweise zurecht, aber eben nicht nur. Die Weine Kaliforniens als unsensible Traubenpaste zu brandmarken ist genauso unangemessen wie andersrum deutsche Weine pauschal als sweet & cheap zu deklassieren, was auf dem internationalen Parkett nicht selten geschieht.

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Was man bei diesen Kaliforniern allesamt im Glas spürte, war der Sehnsuchtsort (fast) jedes amerikanischen Premiumwinzers: Burgund.Und so passt es, dass der Captain zum späten Abend Wein aus jener Landschaft einschenkt. Burgund ist die Herkunft der meisten unbezahlbaren Weine, die es gibt. Mein Abendwein ist jedoch kein Teuer-Wein, sondern Bezahlbar-Wein, wenngleich er nicht ganz billig ist. Obwohl: Der saftig-elegante „Dorfwein“ Gevrey-Chambertin von Albert Bichot kostet derzeit sogar ein bisschen weniger als üblich, was daran liegen könnte, dass die Absatzkanäle in die Gastronomie versiegt sind und große Betriebe umdisponieren müssen, denn die Fixkosten werden nicht kleiner.

Die Maison Albert Bichot ist so eine Weinfirma im Großformat, die durch die Krise kommen will. Man ist nicht nur Weingut, aber auch kein reiner Abfüller oder Händler (also Négociant), sondern etwas, das genau dazwischen liegt oder alles macht. Mehr als 100 Hektar Rebland in den feinsten Lagen gehört der Familie Bichot. Im Bild oben siehst du das amtierende Oberhaupt Albéric Bichot.

Die Bichots kaufen aber auch viel Traubenmaterial zu und machen daraus Wein. Der Grundbesitz in Burgund ist extrem zersplittert, so dass nur ein kleiner Teil der Weinbergsbesitzer selbst Wein herstellt und abfüllt. Die Mehrheit verkauft ihre Trauben oder den unfertigen Wein an Genossenschaften oder – was noch häufiger vorkommt – an Négociants, die Wein unter ihrer eigenen Marke losschlagen.

Dieser Pinot Noir ist ein Village, also Dorfwein. Bei uns würde man sagen: Ortswein. Kein Grand Cru, kein Premier Cru, sondern der Opel unter den Burgundern. Wohlschmeckend und ideal, um loszufahren und für überschaubares Geld die Faszination dieses sagenumwobenen Anbaugebietes kennen zu lernen. Und dieser Gevrey-Chambertin ist eine nicht übertrieben teure Gelegenheit, sich ins mythische Burgund einzutrinken: Im Glas dunkel glänzendes Rubinrot. In der Nase deutlich nach kandierter Kirsche, Kaffeebohnen, dunkler Schokolade. Im Mund straff und würzig. Ich schmecke frisch geerntete Sauerkirschen, würziges Bio-Kakaopulver ohne zugesetzten Zucker, gebratene Champignons, geröstete Kräuter und am Gaumen plötzlich eine rätselhafte Süße wie von einem kleinen Stück Kandis, das sich in lange gezogenem Assam-Tee auflöst.

 

Datum: 25.3.2021
 

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