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10 gute Spätburgunder für 10 Euro

Die Herren vom Weingut Giegerich.
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Rainer Balcerowiak machte sich auf die Suche nach guten Spätburgundern für wenig Geld. Und wurde fündig.
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Der Captain wiederholt es immer wieder: Deutschland hat viele gute Weine um die 10 Euro. Man muss sie bloß suchen, finden und ausreichend in den Keller packen.

Hurra, die Welt geht unter. Gletscher schmelzen, Wälder brennen und das Grundwasser wird zur Jauchegrube der Massentierhaltung. Wir werden alle sterben, wenn wir nicht sofort aufhören. Mit Fliegen, Autofahren, Fleischessen, Heizen, Böller und Raketen ballern. Bald ist sowieso alles verboten.

Na wenn das so ist, kann man es zu Weihnachten nochmal richtig krachen lassen. Greta und ihre Freunde bekommen ihr Tofuschnitzel und dazu Mate-Tee, es sei Ihnen gegönnt. Aber wir feiern das deutscheste aller deutschen Feste so, wie wir es schon immer gemacht haben. Wir stellen uns einen abgesägten, jungen Baum ins Zimmer und schieben eine Gans in die Röhre. Fett sollse sein und knusprig. Dazu Rot- oder Grünkohl, Pellkartoffeln oder Klöße.

Und was trinken? Wenn wir schon bei deutschen Weihnachtsbräuchen sind, dann sollte es auch deutscher Wein sein, natürlich ein Roter. Ey Alter, das ist ja voll old school, schallt es aus dem Schiffsbauch. Die Zeiten, in denen Rotwein zur Gans ähnliche Gesetzeskraft wie Weißwein zum Fisch genoss, sind in der Tat vorbei. Dennoch: Dunkle Beerenfrucht und feine Tannine – gerne gepaart mit dezenten Holz- und Kräuternoten – haben noch keiner Gans geschadet. Gans im Gegenteil. Und da ist man mit Spätburgunder im Prinzip auf der Gewinnerseite. Also Ruhe im Schiffsbauch.

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Der Captain wiederholt es immer wieder: Deutschland hat viele gute Weine um die 10 Euro. Man muss sie bloß suchen, finden und ausreichend in den Keller packen.

Hurra, die Welt geht unter. Gletscher schmelzen, Wälder brennen und das Grundwasser wird zur Jauchegrube der Massentierhaltung. Wir werden alle sterben, wenn wir nicht sofort aufhören. Mit Fliegen, Autofahren, Fleischessen, Heizen, Böller und Raketen ballern. Bald ist sowieso alles verboten.

Na wenn das so ist, kann man es zu Weihnachten nochmal richtig krachen lassen. Greta und ihre Freunde bekommen ihr Tofuschnitzel und dazu Mate-Tee, es sei Ihnen gegönnt. Aber wir feiern das deutscheste aller deutschen Feste so, wie wir es schon immer gemacht haben. Wir stellen uns einen abgesägten, jungen Baum ins Zimmer und schieben eine Gans in die Röhre. Fett sollse sein und knusprig. Dazu Rot- oder Grünkohl, Pellkartoffeln oder Klöße.

Und was trinken? Wenn wir schon bei deutschen Weihnachtsbräuchen sind, dann sollte es auch deutscher Wein sein, natürlich ein Roter. Ey Alter, das ist ja voll old school, schallt es aus dem Schiffsbauch. Die Zeiten, in denen Rotwein zur Gans ähnliche Gesetzeskraft wie Weißwein zum Fisch genoss, sind in der Tat vorbei. Dennoch: Dunkle Beerenfrucht und feine Tannine – gerne gepaart mit dezenten Holz- und Kräuternoten – haben noch keiner Gans geschadet. Gans im Gegenteil. Und da ist man mit Spätburgunder im Prinzip auf der Gewinnerseite. Also Ruhe im Schiffsbauch.

Ich sagte „im Prinzip“. Denn es gibt keine guten und schlechten Rebsorten, sondern lediglich gute und schlechte Weine. Beziehungsweise Weine, die zu einem Gericht passen oder nicht. Spätburgunder kann schrecklich sein. Dünn und säuerlich, mit grünen, grasigen Aromen. Oder mit aufdringlicher, süßlich-pappiger Primärfrucht, die an Kirschsaft aus dem Supermarkt erinnert. Ganz schlimm wird es, wenn derart karge Weine dann auch noch mit absurden Alkoholwerten aufgeblasen werden oder ihre magere Struktur durch extremen Einsatz von kleinen Holzfässern aufgehübscht wird. Guter Spätburgunder ist anders.

Vollmundig und samtig kommt er daher, mitunter mineralisch-steinig geprägt. Rote Früchte, vor allem Süß- und Sauerkirschen, aber auch Beeren, prägen das Aromengerüst. Dörrobst und eingelegte Pflaumen ergänzen dies. Oder ein dezenter Mandelton. Der Ausbau im Holz verleiht dem Spätburgunder eine gewisse Weichheit, Nuancen von Rauch und getrockneten Kräutern. Stabile, aber nicht zu schrille Säure und feine Gerbstoffnoten sind für guten Spätburgunder unerlässlich. Und trocken sollte er natürlich sein. Das kann gerne auch weniger als ein Gramm Restzucker pro Liter bedeuten. Doch entscheidend ist immer im Glas.

Die von mir verkosteten Spätburgunder der Zehn-Euro-Liga bilden eine ziemlich breite Palette ab. Von jugendlich-fruchtbetont bis gereift, elegant und ausgewogen. Die Holznoten sind mal stärker, mal kaum wahrnehmbar. Da geht es dann nicht mehr um Qualitätsmaßstäbe, sondern um Geschmacksvorlieben. Am allermeisten erfreute mich ein Wein aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut, eine Region, die nicht unbedingt für herausragende Pinots bekannt ist. Es ist der Späturgunder vom Winzerhof Gussek. Ein blitzsauberer, solide gemachter Wein mit kühler Stilistik, dezenter trockener Holzwürze, feiner Kirsch- und Beerenfrucht und gut eingebundener Säure. Da macht es auch nichts, dass dieser Wein knapp über der 10-Euro-Linie liegt:

Der Mandelberg Spätburgunder aus dem Muschelkalk vom Weingut Wolf ist ein filigraner und burgundisch anmutender staubtrockener Tropfen:

Kräftige Übersee-Stilistik, dabei rund und angenehm-herzhaft. So wirkt der Spätburgunder „S“ vom Weingut Plag:

Beerig und meisterhaft ausbalanciert ist der Spätburgunder vom Weingut Kusterer:

Spätburgunder Muschelkalk von Giegerich – kreidig, saftig und würzig:

Samtig, mild und ein bisschen süßlich schmeckt der Bacharacher Spätburgunder Roter Hahn von Toni Jost:

Saftig, erdig, toll balanciert – das ist der Ahrweiler Spätburgunder von Sermann-Kreuzberg:

Leider gibt es immer noch sehr viele Weine, die im Internet unbestellbar sind. Schade, denn es sind oft nicht die Schlechtesten und ganz unerwähnt sollen sie daher auch nicht bleiben.

Verschlafen die Winzer das Internet?

Das Weingut Göttelmann (Nahe) hat einen gut balancierten, kräftigen Spätburgunder „S“ 2015 in der 10-Euro-Liga im Angebot, mit trockenen mürben Holznoten und ein wenig Rumtopf am Gaumen. Den hervorragenden Spätburgunder Bestes Fuder 2017 vom Weingut Regnery würde man blind bestimmt nicht an der Mosel verorten. Klare Burgunderfrucht, sauber austariert mit würzigen Noten und stabiler Säure. Auch der unfiltrierte Spätburgunder Hasensprung 2016 vom Weingut Brinkmann (Rheinhessen) konnte mit Reintönigkeit, Fülle, Eleganz und Schmelz überzeugen.

Ein Nachzügler kam noch rein, der leichte und charaktervolle Spätburgunder trocken von Goldatzel im Rheingau; Wein, der für 8 Euro viel Qualität liefert. Somit erhöht sich die Gesamtzahl meiner besprochenen Weine auf 11. Trotzdem ändert der Captain die Überschrift nicht, weil sie einfach besser klingt, sagt er. Typisch.

 


Datum: 21.12.2019
 

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