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Die Griechen können Orange!

Hier wird gerührt, nicht geschüttelt.
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Griechenland-Experte Ralph Urban besucht auf dem Peloppones seinen Winzer-Freund Yannis Papargyriou, Doktor der Agrarwissenschaft und Absolvent der Weinhochschule Geisenheim. Und was macht der dort? Ausgerechnet urtümlichen Biowein!
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Von Nafplio, der alten Hauptstadt Griechenlands, mache ich mich auf den Weg, um Yannis Papargyriou in seinem Weingut zu besuchen.

Die Hafenstadt liegt am Argolischen Golf auf dem Peloponnes im Süden Griechenlands.

Das Gebiet wurde im Jahre 1822 während der griechischen Revolution befreit und die osmanischen Besatzer vertrieben. Der bayerische Prinz Otto, zweitgeborener Sohn von König Ludwig I. von Bayern, zog im Jahre 1833 in die damalige griechische Hauptstadt um dort nach Beschluss der griechischen Nationalversammlung zu regieren.

In fast perfektem Deutsch begrüßt mich Yannis schon auf der Straße zu seinem Haus in Kiáto inmitten der Region Lalioti in den Bergen Korinthias. Ich befinde mich im nordöstlichen Peleponnes zwischen Athen und Patras am Golf von Korinth.

Das Weingut wurde von Yannis Vater Aristidis Papargyriou gegründet, einem promovierten Agraringenieur. Schon er hatte den Ehrgeiz, nur Spitzenweine zu erzeugen.

Papa Papargyrious Vorbilder hießen Bordeaux, Barolo und Riesling vom Rhein und aus dem Elsass.

Sohn Yannis und seine Schwester Elpida studierten brav und wurden ebenfalls promovierte Agraringenieure. Die Traube fällt nicht weit vom Rebstock. Yannis, der Streber, hängte noch einen Geisenheim-Abschluss in Önologie dran. Sein gutes Deutsch hatte er allerdings schon in der Kindheit erlernt.

Im Anbaugebiet Lalioti herrschen warme, trockene Sommer und milde Winter mit verhältnismäßig wenig Niederschlägen und erst recht wenig Frost.

Die Böden sind kalk- und lehmhaltig und leicht sandig. Schon seit der Antike wird hier sowohl Weiß- als auch Rotwein angebaut. Die meistangebaute Rebsorte heißt Saint George (Agiorgitiko).

Yannis kredenzt uns stolz seine Erzeugnisse, darunter seinen Orange Wine.

Ja, die Griechen können Orange. Und wie!

Orange-Wein wird im Prinzip wie Rotwein hergestellt. Er ist eigentlich nichts anderes als Weißwein mit längerer Maischestandzeit. Das ist die Phase der Weinbereitung, in der der Most auf den Beerenschalen und Kernen stehen gelassen wird.

Yannis ungefilterter und minimal geschwefelter Weißwein aus Assyrtiko-Trauben lag 8 Tage lang mit wilden Hefen auf der Maische und reifte sieben Monate in 500 Liter-Eichenfässern .

Schon die Flasche ist ein ästhetisches Erlebnis. Sie wurde per Hand mit Wachs versiegelt.

Le Vigneron Grec (der griechische Winzer) heißt dieser sagenhaft gute Tropfen.

Bernsteinfarben und trüb begegnet er mir im Glas. Muskat und Safran kitzeln in der Nase. Nach dem Schwenken gesellen sich eingelegter Pfirsich und frische Aprikose dazu. Aber auch Lokum (türkische Süßigkeit) und Bergamotte. Im Hintergrund florale Noten: Gardenie, Rosen- sowie Lindenblüte. Dann eingekochte Birne, schwarzer Tee, getrocknete Mittelmeer-Kräuter und sehr dezent Vanille.

Das wirkt schon äußerst komplex. Aber was dann am Gaumen passiert, ist einzigartig.

Das mir bestens bekannte Aromenspiel des Assyrtiko entfaltet sich. Ich schmecke zuerst Limette und genieße die sehr gut eingebundene Säure. Man merkt, dass der Wein für sieben Monate im Holz lag.

Ich spüre Vanille, Butter, Honig und Toast, schön umhüllt von Grapefruit, Bittermandel, Orangenzeste und wieder Birnenkompott satt.

Dieser herb-fruchtige Tropfen hat Grip, äußerst gut eingebundene Tannine und einen extrem guten Trinkfluss, der für Orange-Weine nicht selbstverständlich ist. Meisterhaft!

Mein Tipp: Karaffiert diesen Wein, gönnt ihm Zeit und gebt ihm Luft zum Atmen. Er wird es euch danken. Die Trinktemperatur sollte bei 11 bis 14 Grad liegen, also etwas wärmer als bei normalem Weißwein. Falls ihr dazu was essen wollt, kombiniert ihn mit Schweinebraten oder gegrilltem Hähnchen.

Dass Yannis lediglich 1.600 Flaschen dieses herrlichen Weines produziert, ist fast schon eine Schande. Aber der Winzer verfügt gerade mal über vier Hektar Rebland, auf dem er auch noch andere Weine anbauen muss.

„Nächstes Jahr werde ich mehr davon produzieren“, verspricht er er mir.

 


Datum: 14.11.2017
 

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