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Wie lese ich ein französisches Weinetikett?

Wie lese ich französisches Weinetikett_ART
Diese Etiketten kommen mir chinesisch vor.
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Warum kleben die Franzosen die kompliziertesten Etiketten der Welt auf ihre Flaschen?
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Das französische Etikettensystem ist voller kleiner, gemeiner Fallen und bisweilen so wenig durchschaubar wie die Beschriftung chinesischer Weinflaschen.

Weil mich das ärgert, gönne ich mir in diesem Artikel einen kleinen Akt der Rache und veröffentliche ausschließlich Bilder, die im und beim Weingut Chateau Changyu aufgenommen wurden, das ca. 70 Kilometer nordöstlich von Peking liegt.

Irgendwann schreibe ich sicher auch einen Artikel über Chateau Changyu und seine Weine. Der Betrieb gilt als das renommierteste und älteste Weingut des Landes.

Hier im Text gehts natürlich nur um das französische Etikettensystem und seine Tücken.

Wie überall in Europa müssen auf französischen Weinflaschen Füllmenge, Alkoholgehalt und Qualitätsstufen angegeben sein. Aber dann wirds beim Nachbarn sehr kompliziert.

Ich erkläre euch das Wichtigste, was Ihr wissen müsst.

Was auf den Etiketten draufstehen muss, regelt in groben Zügen die EU. Sie hat ein einfaches System geschaffen, wie die Weine einzuordnen sind.

Die simpelste Qualität hat der Wein ohne Herkunftsangabe. In Deutschland hieß der früher Tafelwein, inzwischen schlicht Deutscher Wein. Dieses Zeug findet Ihr im Supermarkt ganz unten im Regal. Manchmal auch in formschönen Tetrapaks.

Eine Stufe darüber steht der Landwein. Hier darf der Winzer eine Herkunftsangabe aufs Etikett drucken.

Die höchste Kategorie sind die Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Das ist wie beim Schwarzwälder Schinken oder Parmesankäse. Für diese Lebensmittel gelten strenge Produktions- und Herkunftsvorschriften.

Nun verwendet bei der Weinherstellung aber jedes Land ein anderes, althergebrachtes System, das sich oft über Generationen entwickelt hat.

Deshalb gibt es im EU-Recht so genannte „traditionelle Begriffe“. Die kann der Winzer statt oder zusätzlich zu den in Brüssel erdachten Kategorien aufs Etikett pinseln. So können die Länder ihren alten Systemen treu bleiben und halten sich gleichzeitig an die neuen Gesetze. Dass dadurch jede Menge Verwirrung aufkommt, scheint niemand bedacht zu haben. Oder es ist den zuständigen Weinbehörden schlichtweg egal.

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In Frankreich beispielsweise heißt die höchste Qualitätsstufe AOP (Appellation d’Origine Protégé). Exakt dieselbe Bedeutung haben allerdings auch AC oder AOC (Appellation d’Origine Contrôlée). Das ist nämlich die traditionelle Bezeichnunge.

In vielen Regionen Frankreichs hat man versucht, eine Hierarchie einzurichten. Dabei sind oft die kleinsten Appellationen die besten. Ein Beispiel: In der AC Bordeaux gibt es wiederum die AC Haut-Médoc, in der wiederum die weltberühmten ACs Saint-Estèphe, Pauillac, Saint-Julien und Margaux liegen.

Unter welcher AC ein Winzer seine Weine abfüllt, kann er jedes Jahr aufs Neue entscheiden. Er macht das oft von der Qualität des Jahrgangs abhängig.

Hat beispielsweise ein Winzer aus Pauillac Trauben aus einem Weinberg geerntet, die in diesem Jahr nicht so gut geworden sind, kann er den Wein als AC Haut-Médoc abfüllen. So fällt die suboptimale Qualität nicht auf die kleine und exquisite AC Pauillac zurück. Auf diese Weise schützen die Winzer den Ruf ihrer besonders hoch angesehenen Appellationen.

Darunter kommen die Kategorien Vin de Pays und der Vin de France.

Weiter gehts: Im Bordelais, also der Region um die Stadt Bordeaux, heißen alle Weingüter Château.

Das heißt übersetzt Schloss oder Burg. Dies bedeutet aber nicht, dass das jeweilige Weingut tatsächlich so eine Immobilie aus alten Zaiten vorzuweisen hat. In manchen Gegenden jedoch schon.

Im Burgund und in Südfrankreich hingegen heißen alle Güter Domaine.

Noch etwas Verwirrendes: Im Bordelais sind die Weingüter klassifiziert, im Burgund die einzelnen Weinberge.

Übrigens, hier gehts zu den anderen Artikeln über Weinetiketten:

Wie lese ich ein spanisches Weinetikett?

Wie lese ich ein deutsches Weinetikett? – Teil 1

Wie lese ich ein deutsches Weinetikett? – Teil 2

Nun zum Inhalt der Franzosenschflaschen.

Die Franzosen schreiben meist die Rebsorten nicht auf die Etiketten. Die Herkunft ist wichtiger und prägender für den Geschmack als die Rebsorte, erklärte mir mal ein französischer Sommelier. Außerdem ist in den einzelnen Regionen ohnehin festgelegt, welche Sorten verwendet werden dürfen. So könnt ihr fast sicher sein, bei einem Chablis Chardonnay im Glas zu haben, bei einem Sancerre hingegen Sauvignon Blanc.

Für Bordeaux sind fünf rote Rebsorten zugelassen: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot. Das Anbaugebiet ist durch den Fluss Gironde geteilt und Ihr könnt Euch merken, dass Weine vom rechten Ufer in der Regel mehr Merlot, die vom linken hingegen einen höheren Anteil an Cabernet Sauvignon enthalten.

Alles klar? Natürlich nicht. Aber was solls. Ende des Artikels. Viel Spaß mit allen weiteren Fotos aus dem Weingut Chateau Changyu bei Peking.

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Datum: 12.10.2017
 

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