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Die Schule des Chardonnay

Schule des Chardonnay_ART
Ich stehe auf kalifornischen Chardonnay.
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Über 75% aller Chardonnays aus Kalifornien stammen von Reben ab, die ein deutscher Auswanderer pflanzte. Ein Trinktipp!
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Es war einmal, vor langer, langer Zeit in einem fernen Land…

Mit diesen Worten beginnen meist Märchen. Die Geschichte, die ich zu erzählen habe, ist aber wahr. Sie beginnt im Jahr 1883 und sie spielt in der Nähe von San Francisco. Dorthin kommt der deutsche Auswanderer C.H. Wente.

Nach seiner Ankunft gelangt er ins Livermore Valley. Das liegt etwas 30 Kilometer östlich der Bucht von San Francisco. Er genießt die warmen Tage, fröstelt in kühlen Nächten und bemerkt, dass sich der kieshaltige Boden gut für Weinreben eignet.

Wente kauft 19 Hektar Land, legt Weinberge an und gründet das Weingut Wente Vineyards.

Heute – mehr als 130 Jahre später – gehört der Betrieb noch immer der Familie. Er ist inzwischen 800 Hektar (!) groß, es gibt dort einen Golfplatz und ein Top-Restaurant.

Auf dem Gelände finden Konzerte und Hochzeiten statt. Insbesondere die uralten und kühlen Höhlen sind im heißen kalifornischen Sommer für festliche Tafelrunden beliebt. Und auch der eine oder andere Hollywood-Star schaute schon vorbei. Zum Beispiel Bill Murray.

Wente Vineyards_Bill Murray

Karl Wente gehört zur fünften Generation der Familie, er ist der Winemaker: „Mein Ururgroßvater ließ sich von seinen Söhnen davon überzeugen, Chardonnay-Reben aus Frankreich zu importieren. Vor mehr als 100 Jahren pflanzten sie diese hier ein. Leute aus ganz Amerika kamen daraufhin zu uns, um Reben zu kauften. Heute sind 75 bis 80 Prozent des ganzen Chardonnay in Kalifornien Nachkommen dieser Reben.“

1936 brachten die Wentes ihren ersten eigenen Chardonnay auf den Markt. Der Wein kam gut an. Seitdem ist das oberste Ziel der Familie klar: Weltklasse-Chardonnay keltern.

Das geht, weil das Klima mitspielt.

Der Pazifik ist nicht weit, das bedeutet warme, aber nicht zu heiße Tage und kühle, aber nicht zu kalte Nächte.

Dafür sorgt auch der Nebel, der morgens von der San-Francisco-Bucht Nebel ins Livermore Valley kriecht. Schnell löst ihn die warme Morgensonne auf, so dass die Trauben rasch trocknen – sonst könnten sie anfangen zu faulen.

Mittags ist es dann für kurze Zeit schön warm. Das hilft den Trauen dabei, richtig reif zu werden. Am Nachmittag aber kommt immer leichter Wind auf und abends ziehen wieder Nebelschwaden durch das Tal. Kühle Nächte sind wichtig, damit die Trauben ihre Säure behalten.

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Nach diesem Klima haben die Wentes den Wein benannt, den wir bekommen haben: Morning Fog Chardonnay.

Zwei Prozent Gewürztraminer hat Winemaker Karl D. Wente dazugetan, das macht den Tropfen runder und gefälliger. Die eine Hälfte des Weins reift sieben Monate in Eichenfässern, die andere Hälfte in Stahltanks. Das soll für Reifenoten sorgen, ohne dass die Frische flöten geht.

Im Glas funkelt der Tropfen in mittelkräftigem Zitronengelb.

Ich führe es zur Nase und habe sofort einen prall gefüllten Fruchtkorb vor den Augen. Da ist eine reife Honigmelone und gelber Pfirsich. Etwas kleiner liegen daneben: Zitrone, Mango und Ananas.

Am Gaumen geht es genauso fruchtig weiter.

Wieder rangeln Pfirsich und Honigmelone um die Vorherrschaft. Die Zitrone und ein wenig Vanille geben den nötigen Pfiff dazu. Mango und gelber Apfel fiedeln im Hintergrund eine dezente zweite Geige.

Ganz trocken ist dieser Chardonnay nicht, das stört mich aber gar nicht. Genauso wenig die perfekt eingebundenen 13,5 Volumenprozent Alkohol.

Dieser Wein ist ein Kalifornien-Klassiker moderner Machart und dabei von besonders guter Qualität. Er ist eine Benchmark für das, was US-Chardo kann und sollte schon aus Bildungsgründen probiert werden.

Dass er obendrein nicht viel kostet, dürfte die Kaufentscheidung leichter machen.

Mein Essenstipp dazu: Gebratene Calamares auf Oliven-Kartoffelstampf. Oder gebratene Gambas.

 


Datum: 13.9.2017