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Wenn Weinhändler träumen

Peter_Riegel_ART
I have a dream...
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Ein deutscher Bioweinhändler verwirklichte seinen großen Traum. Er kaufte ein Weingut und päppelte es gemeinsam mit seinem Freund auf.
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Endlich selber Wein machen! Ist das etwas, wovon Weinhändler träumen? Ich glaube schon.

Von einem Weinhändler weiß ich das zumindest genau: Peter Riegel, der in der Nähe des Bodensees einen Großhandel für Bioweine mit rund 60 Mitarbeitern betreibt. Über 25 Jahre ist Riegel schon im Geschäft. Und dieser Traum muss ihn schon lange gefesselt haben.

An einem Wochenende im Jahr 2007, das er gemeinsam mit dem befreundeten Önologen Jean Natoli in Prag verbrachte, beschlossen die beiden zu handeln. Wir machen das jetzt.

Nach zwei Jahren intensiver Suche erwarben sie von einem alternden Genossenschaftswinzer dessen Weingut in der Nähe der Stadt Montpellier. Im Anbaugebiet Languedoc. Zum Mittelmeer sind es 20 Kilometer.

Natoli und Riegler klotzten ran und stellten alles auf Bio um.

Das heißt: Lockerung und Belüftung der Böden nach jahrzehntelanger Verdichtung. Viele Wurzeln wurden dabei zerschnitten und die Reben mussten sich wieder von vorne tief ins Erdreich bohren, um sich mit Nährstoffen zu versorgen.

Diese Anstrengung ist gut für den Wein. Der Ertrag sinkt zwar, die Trauben werden aber umso aromatischer.

Unkraut wurde nicht mehr mit Giften beseitigt, sondern mit der Hand ausgerissen bzw. mit der Motorsense geschnitten. Und Anzeichen von Rebkrankheiten wie Mehltau mit Kräuterbrühen, Schwefel oder Kupfer bekämpft.

In den Weinbergen von Mas des Quernes sieht es heute wieder recht urwüchsig aus. Zwischen den Parzellen wachsen Olivenbäume und wildes Gestrüpp. Leben und leben lassen.

mas des quernes

Das Duo hatte beim Boden offenbar einen guten Riecher gehabt. Denn bereits der erste eigene Jahrgang geriet zur wohlschmeckenden Überraschung. Aber auf was genau wachsen die Weine?

Eine der besten Lagen des Betriebs heißt Les Ruches. Die Google-Übersetzung liefert folgendes Ergebnis: Nesselsucht. Wie bitte???

Naja, egal. Irgendwie beruhigend, dass die Datenkrake doch nicht alles kann.

Nachtrag: Ein Tag nach Veröffentlichung dieses Artikels erreicht uns eine E-Mail des Weinguts. Les Ruches heißt „die Bienenstöcke“.

Zurück zum Wein. Les Ruches und alles rundherum ist Teil der Ausläufer des Mont Baudil. Das Terrain ist von Kalkstein und Schotter geprägt.

Ich habe mir die rote Cuvée Les Ruches aus den gebietstypischen Sorten Grenache Noir, Carignan und Mourvèdre aufs Schiff kommen lassen und aufgemacht. Glugluglu…

In der Nase ein kurzer Schreck: Gummi und Teer! Das verfliegt aber gleich wieder. Dann dunkle Beerenfrüchte, Schwerpunkt: Kirsche. Dahinter Bitterschokolade, die sich in einer Tasse mit heißem Mokka auflöst.

Im Mund Sauerkirsche, Schokoladetöne, Schlehdorn und feine Noten von Teer. Mittelstarkes Tannin zäunt alles behutsam ein und die strukturierende Säure des Carignan bringt ordentliche Saftigkeit rein. Dann Kieselstein.

Wie bitte, kann man Kieselstein schmecken?

Kurze Rückblende in die Kindheit – ja, kann man. Das ist Mineralität.

Der Abgang ist mittellang und lässt Nachgeschmack von Holunder am Gaumen zurück. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, dass dieser Wein auf Schiefer gewachsen ist.

Diese Flasche erinnert mich an die teuren Weine aus dem katalanischen Priorat. Kein Wunder, der Les Ruches hat kräftige 14,8 Volumenprozent Alk und ist beim Thema Frucht eher zurückhaltend. Dafür stehen Würze und mineralische Frische ganz vorne.

Was für ein runder, schön ausbalancierter Wein.

Was dazu essen? Kalbskotelett alla Romana. Oder würziges Grillgemüse.

 


Datum: 16.7.2017
 

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