Newsletter
Login
Passwort vergessen?
Konto erstellen

Weinpapst: Der Captain sprach Hugh

johnson-1
Kommentare
Ähnliche Weine
Weitere Artikel
Er gilt als seriösester Weinkritiker der Welt: Hugh Johnson Für CaptainCork stellte er sich einem Interview über Parker, Weinkrise, die Moselbrücke und vieles mehr. AKTUALISIERT: Hier alle drei Teile mit Link.
Anzeige
Der Captain zeigt hier kommentarlos ein dreiteiliges Interview mit Hugh Johnson, dem angesehensten Weinkritiker der Welt. Johnson ist der große alte Mann der Weinkultur. Und ein lebhafter Gegner der geplanten Moselbrücke. Im ersten Teil des Interviews spricht er über die Weinkrise, den deutschen Rotwein und über die Narretei Moselbrücke. Der zweite und dritte Teil ist unten über jeweilige Links abrufbar.

Hier die deutsche Übersetzung des Interviews (für "Broken-Inglisch-Spiiker" wie den Captain):

Hugh Johnson über die Globale Finanzkrise, Deutsche Rotweine und einen Wahnwitz im Moseltal
Captain: Was sind die Konsequenzen der Finanzkrise für die Weinwirtschaft?

Johnson: Nun, meine Freunde scheinen mehr zu trinken als vorher, vielleicht um ihre Sorgen runterzuspülen. Es ist ein ernstes Thema und Länder wie Australien haben Probleme. Und schlechte Neuigkeiten kommen aus vielen Teilen der Erde. Viele Erzeuger halten sich bedeckt, aber es wird mit Sicherheit noch Probleme geben. Man kann nur hoffen, dass es nicht die besten Betriebe trifft.

Captain: Denken Sie, dass Deutschland in absehbarer Zeit ein wichtiger Erzeuger für Rotweine werden kann?

Johnson: Deutschland profitiert offensichtlich von der Klimaerwärmung. Die deutschen Kunden wollen wirklich stolz auf ihre Rotweine sein und treiben so die Winzer an. Vor zehn Jahren war es noch nicht so einfach stolz zu sein. Heute gibt es aus den südlichen und auch aus den nördlichen Gebieten wie Rheingau und Ahr erstaunliche Weine. Wenn der Spätburgunder hier in die richtigen Lagen gepflanzt wird, gibt es sehr gute Resultate. Sie werden vermutlich keine großen Exporterfolge haben, da es keinen Mangel an Spätburgunder gibt, aber sie werden in Deutschland getrunken. Ich finde das großartig.

Captain: Ich möchte Sie zu den Protesten gegen die Moselbrücke befragen. Wieso haben die Proteste von Janice Robinson und Ihnen bis jetzt noch keine Erfolge gezeigt?

Johnson: Soweit es mich betrifft, hatte ich noch nicht viel Zeit. Ich habe erst vor etwa einem Monat davon erfahren. (Anmerkung: Dieses Interview wurde im Herbst 2009 aufgezeichnet). Ich bin hingefahren und habe eine Demonstration in den Weinbergen angeführt. Ich war sehr deprimiert, da die Anwohner den Protest vor vielen Jahren aufgegeben hatten, da sie dachten, dass sich das Thema erledigt hätte. So ging es mir damals auch. Ich habe ja bereits vor etwa 30 Jahren davon gehört. Und jetzt, mitten in der Rezession, hat die Regierung plötzlich das Geld, um Millionen für diese Brücke zu verschwenden und eine der besten Reblandschaften Deutschlands zu zerstören. Ich kann das wirklich kaum glauben, allerdings wurden in Deutschland im Weinbereich schon häufiger unsinnige Entscheidungen getroffen. Etwa das katastrophale Weingesetz von 1971, über das ich einiges weiß, da ich damals gerade meinen Weltatlas des Weines veröffentlichte. So ging ich häufiger in das Ministerium in Mainz, um den neuesten Stand zu erfahren. Und ich sagte, das kann ja wohl nur ein Witz sein. Sie können das nicht machen, so etwas Blödsinniges habe ich noch nie gehört. Etwa die Schaffung von Großlagen. Es war ein furchtbares politisches Manöver und das Endergebnis war, die deutschen Exporte für Jahrzehnte zu ruinieren. Noch heute haben sich die Exporte nicht erholt. In meinem Land waren wir Riesling-Conaisseurs und heute kann ich kaum meine Freunde überzeugen, Riesling zu trinken. All das kommt von der deutschen Regierung und ihrer aberwitzigen Entscheidung. Das ist einfach nur traurig, all diese Jahre später zuzuschauen, wie sie wieder Mist bauen und die Weinberge von Wehlen, Zeltingen, Graach und weitere schädigen und ein riesiges Viadukt über diesen wunderschönen Teil der Mittelmosel bauen.

Die zweite Folge des Interviews (über Parker, die Sorte Blaufränkisch und biodynamische Weine) jetzt auf YouTube unter:
http://www.youtube.com/watch?v=qiswf8VXk3A
Der dritte Teil (über die drei Weine für die Insel, die wichtigsten Personen der Weinwelt) unter:
http://www.youtube.com/watch?v=_Zk8x1PWyME
Hier die Übersetzungen der beiden weiteren Folgen:
Teil 2: Hugh Johnson über Parker, die Sorte Blaufränkisch und biodynamische Weine


 

 

 

 

Captain: Was denken Sie über den Einfluss wichtiger Weinkritiker auf die Weinerzeugung in den letzten 20 Jahren?
Johnson: Weinkritiker oder Kommentatoren unterstützen gute Weinerzeugung, indem sie darüber schreiben, warum etwas gut ist und wie es erzeugt wird. Und wie es schmeckt. Sie sind für die Weinwelt ebenso wichtig wie gute Weinhändler. Aber manche Kritiker, manche amerikanischen Kritiker - dass hier Robert Parker gemeint ist, dürfte jedem klar sein - haben es übertrieben. Er hat das 100-Punkte-System für Wein entwickelt, das einfach Unsinn ist. Man kann Schönheit nicht nach Prozentwerten beurteilen. Die subjektive Meinung ist lebenswichtig für den wirklichen Genuss eines Weines. Es gibt keine absolute Meinung zu Wein. Wein hat mit persönlichem Geschmack, Unterhaltung, Essen, Persönlichkeit, Freunden, dem generellen Genuss des Lebens, Zeit und den Umständen zu tun.  Vielleicht liegt es daran, dass ich ein etwas humorloser Mensch bin, aber ich sehe einfach keinen Sinn darin. Wenn jemand einen Wein im 100 oder 20 Punkte-Schema bewertet, meine ich: Sorry, aber ich kann Dir nur sagen, ob ich den Wein mag, aber ich kann ihm keine Zahl geben.
Captain: Themawechsel. Wie gefällt Ihnen die österreichische Rebsorte Blaufränkisch?
Johnson:Ich könnte ein weiteres Glas gut vertragen. Ich muss mich noch mehr vertraut machen mit Blaufränkisch. In England haben wir nicht viel davon und ich komme zu selten nach Österreich. Ich habe sehr schöne Beispiele und verschiedene Stile gesehen. Auch aus dem Barrique, die übertrieben sein können. Aber das trifft für praktisch jede Rebsorte zu. Ein ausdrucksstarker, frischer Wein voller Aroma. In diesem Fall könnte es weniger Eiche sein. Ich finde den Weins sehr gut. Wenn jemand meint, große Rotweine gibt es nur aus den weltbekannten Rebsorten wie etwa Cabernet und Merlot, so hat er sich getäuscht und sollte autochthone Rebsorten wie diese probieren.
Captain: Was sind die größten Fehler, die bei der Weinerzeugung und Auswahl von Weinbergen begangen werden, die Sie in den letzten Jahren wahrgenommen haben?
Johnson: Ich möchte niemanden verdammen, an den falschen Stellen Weinberge gepflanzt zu haben. Viele Weinberge der alten Welt sind nicht an den richtigen, idealen Stellen. So etwa in Deutschland, wo in Flachlagen gepflanzt wurde, da dort die Arbeit einfach ist. Dafür werden die guten Hanglagen aufgegeben. Ähnliches gilt für Tokaj, das ich gut kenne. Die besten Weine kommen aus den am mühsamsten zu bearbeitenden Weinbergen. Ob dieser hohe Aufwand bezahlt wird, ist immer eine schwierige Frage. In Australien sind viele Weinberge nur angelegt worden, um Steuersparmodelle zu verwirklichen, ohne dabei auf die Lage zu achten oder sich mit dem Thema auszukennen. So wurden tausende Hektar gepflanzt und jetzt kriegen sie den Wein nicht verkauft. Dafür habe ich kein Mitleid.
Captain: Denken Sie, dass biologisch-dynamischer Wein besser ist als „normaler" Wein?
Johnson: Die Weinerzeugung ist wesentlich arbeitsaufwendiger. Wenn jemand diese Mühe auf sich nimmt, biologisch-dynamisch oder überhaupt biologisch zu erzeugen, macht er alleine schon deshalb bessere Weine, da er mehr Zeit in den Weinbergen verbringt und sich intensiver mit den Reben beschäftigt. Ich würde immer die Weine von solchen Enthusiasten probieren und erwarte auch, ihn zu genießen.
Teil 3: Hugh Johnson über die drei Weine für die Insel und die wichtigsten Personen der Weinwelt

Captain: Welche drei Weine würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Johnson: Sie meinen, welchen Champagner? Und welchen Jahrgang? Champagner ist ein Wein für den Geist und die Seele. In solch einem Notfall würde ich keinen Meditationswein trinken wollen.
Captain: Welcher Weinstil hat Ihnen bis heute am meisten zugesagt?
Johnson: Ich könnte jetzt ein paar berühmte Weine wie 47er Cheval-Blanc oder Château Latour nennen. Das ist aber uninteressant, da es davon kaum noch etwas gibt. Ich mache es jetzt etwas kompliziert. Was bedeutet „der Beste"? Der beste ist immer der Wein, in den Sie sich gerade verliebt haben. Aus welchem Grund auch immer.
Captain: Wer sind die drei wichtigsten Personen der Weinwelt?
Johnson: Es gibt heutzutage einen großen Personenkult um Wein. Das scheint spannender zu sein als Weinberge und Keller. Offenbar sind Bilder von Menschen viel interessanter. Und wenn diese Person jung und gutaussehend ist, umso besser. Es gibt große Önologen, die alles geändert haben, etwa der verstorbene Emile Peynaud aus Bordeaux, der als erstes die Weinmacher in aller Welt von einem wissenschaftlichen Standpunkt auf den Weinbau schauen ließ. Heute haben die großen Önologen, wie etwa Michel Rolland oder Stéphane Derenoncourt, einen enormen Einfluss und sind Trendsetter. Nur, wenn man sehr tief in der Weinbranche ist, sieht man ihren Einfluss. Viele Leute versuchen sie zu kopieren. Dabei ist der größte Einfluss der Weinberg, sowie Bewusstsein und Ziele des Winzers, die einen großen Wein entstehen lassen. Manche Personen kriegen die ganze Aufmerksamkeit. Andere, deren Weine großes Vergnügen bereiten, dafür keine.


Captain: Wir sind hier in Eisenstadt und hinter Ihnen sieht man die Türme des Schloss Esterházy. Was denken Sie über die Esterházy-Weine?
Johnson: Ich finde es wunderbar, dass solch ein historischer Name zurück kommt, der wohl für lange Zeit nicht mehr in der Weinwelt aufgefallen ist. Hier sucht man die höchste Qualität. Das Weingut ist noch sehr jung. Das Weingut ist am Anfang seiner Entwicklung und zeigt, was mit den traditionellen Rebsorten des Burgenlandes möglich ist. Und das begeistert mich.


Der Captan dankt Schloss Esterházy für die Drehgenehmigung und die Hilfe während und nach den Dreharbeiten.
 


 

Aktuelle Weinempfehlungen