X
Newsletter
X
X
Login
Passwort vergessen?


Konto erstellen

Weinführer: Gepflegte Langeweile

leitz_1
Kommentare
Ähnliche Weine
Ähnliche Artikel
Nun sind sie da: Deutschlands Weinführer für das Jahr 2011. Hat´s jemanden bewegt? Eben. Captains Maat Felix Eschenauer über die gepflegte Langeweile der Guides, die nicht der aufregenden Wirklichkeit entspricht.
Anzeige

Was ist noch spannender als jeder neue Jahrgang? Antwort: Die Wertungen im neuen Gault Millau Weinguide, dem gefühlt immer noch wichtigsten Weinführer Deutschlands. In ähnlicher Sphäre bewegt sich der Weinführer von Gerhard Eichelmann. Eichelmann – das klingt auch gleich noch seriöser als Gault-Millau, klingt mehr nach universellem Wissen. Eichelmann: Das ist der Brockhaus des guten Geschmacks.

Beiden gemein ist, dass sie von Jahr zu Jahr immer dicker werden. Es wächst halt inzwischen viel guter Wein in deutschen Landen. Während man sich bei Eichelmann noch die Mühe macht, einige Worte zu den Weinen zu verlieren, sind im Gault Millau die vergebenen Punkte eine Art Gesetz. Nackte Punkte, die nichts verraten. Das war früher einmal anders.

Wäre es auch heute noch anders, würde es am gegenwärtigen Status des Gault-Millau aber auch nichts ändern. Das Weingeschäft ist ein Sumpf und man muss als Autor darauf achten, dass man nur ein bisschen darin versinkt. Bis zu den Knöcheln vielleicht.

Winzer des Jahres: Immer wieder keine Überraschung.

Die beiden Weinguides wählen jedes Jahr ihre Favoriten, ihre „Winzer des Jahres“, ihre „Kollektion des Jahres“. Doch leider, leider haben die Ehrungen dieses Jahr etwas Uninspiriertes. Das ist schade, denn beide Guides hätten durchaus die Möglichkeit, abseits der immer gleichen Namen Spannendes und Neues zu entdecken. Und dies auch zu würdigen. Sicher, „Winzer des Jahres“ oder „Kollektion des Jahres“ sind Meilensteine. Doch sie feiern vor allem bekannte Namen. Warum aber nicht statt eines Alibiwinzers, wie bei Gault-Millau, gleich drei oder vier „Aufsteiger des Jahres“ oder „Entdeckungen des Jahres“ präsentieren? Dass Winzer wie Joh. Jos. Prüm die feinsten Spätlesen im Land machen, ist doch hinlänglich bekannt. Das sind verpasste Chancen, die beiden Führern, vor allem dem Gault Millau, über kurz oder lang Leser kosten werden.

Johannes Leitz aus Rüdesheim gehört zu den stillen Winzern im Land. Man trifft ihn manchmal auf den wichtigen Messen, aber sein Hauptgeschäft ist der Export, er hält sich nicht viel in Deutschland auf. Leitz hat sein Weingut aus dem Nichts gegründet – eine echte Leistung. Der Stil seiner Weine aus dem berühmten Rüdesheimer Berg, der einzigen echten Berglage im Rheingau, ist leicht in ein Wort zu fassen: massiv.

Leitz zum „Winzer des Jahres“ zu machen ist nachvollziehbar, wenn man sein Lebenswerk betrachtet. Betrachtet man die wirklich guten, erfreulich alkoholarmen und sehr saftigen 2009er von Leitz, so ist die Wahl plausibel. Aber auch nur, wenn es unbedingt jemand aus dem Rheingau sein muss. Und das ist hier wohl auch ein Motiv.

Knipser für Weißwein auszuzeichnen: Eine kluge Entscheidung

Gerhard Eichelmann kürt die besten Kollektionen des Jahres in rot, weiß und edelsüß. Und auch, wenn seine Wahl der Winzer ebenfalls keine Überraschungen bietet, so ist es schräg wie richtig, dass er das Weingut Knipser für seine Weißweine auszeichnet. Schräg, weil Knipsers Aushängeschild eindeutig die Rotweine sind. Richtig, weil Knipsers Weißweine zu den puristischsten und trinkfreudigsten Weinen Deutschands zählen. Sehr trocken, sehr aromatisch, angenehm leicht im Alkohol. Eine kluge, eine ungewöhnliche Kür.

Bei den Rotweinen zeichnte Eichelmann das Weingut Fürst aus Franken aus. Rudolf Fürst macht die feinsten Burgunder in Deutschland. Und zwar seit über 20 Jahren. Seine Cuvée „Parzival“ war vor kurzem erst Thema an Bord. Sicher keine falsche Wahl, nur eben eine konservative, eine langweilige. Ich kenne keinen Jahrgang, in dem man diesem Weingut diese Auszeichnung verwehren hätte können. Warum erst dieses Jahr, warum so spät?

Die Ehrung der besten edelsüßen Kollektion konnte das Weingut von Tim Fröhlich (Schäfer-Fröhlich) entgegennehmen. Ich werde aus diesem sehr glatten, sehr polierten Stil von Fröhlich nicht schlau. Auch der Gault Millau liebt Fröhlich. Also wird schon etwas dran sein. Mir erschließt es sich nicht.

Der Einäugige wird König

Im Gault-Millau darf sich die Familie Aldinger über die „Kollektion des Jahres“ freuen. Eine nachvollziehbare Entscheidung. Aber da Württemberg qualitativ ohnehin brach liegt, wurde hier der Einäugige zum König gemacht. Aldingers Lemberger sind ganz fabelhafte, erdverbundene Weine, keine Frage! Und die Rieslinge werden auch von Jahr zu Jahr besser. Doch meine Wahl wäre vermutlich auf den jungen Schwaben Jochen Beurer gefallen, der mit ungeheuer spannenden Rieslingen und unaufgeregten, saftigen Rotweinen zur Gebietsspitze gehört. Aber den ignoriert man seit Jahren.

Beide Guides vergeben auch die Auszeichnung „Aufsteiger des Jahres“. Philipp Kuhn (Gault Millau) ist inzwischen ein etablierter Winzer und sicher kein Aufsteiger mehr, dessen Weine noch enorme Sprünge machen müssen. Ein sehr gutes Weingut mit spannenden Produkten auf solidem Niveau. Für mich keine Veränderung in den letzten drei Jahren. Eichelmanns Aufsteiger, das Weingut von Winning, ist da schon plausibler. Aber leider auch eine abgehetzte Sau, die im letzten Jahr rastlos durchs Internet und die Fachpresse getrieben wurde. Also keine Überraschung. Keine Spannung. Nichts, das Euphorie erzeugen würde. Nichts, für das man beide Guides beglückwünschen könnte. Nichts, das der Szene einen Input geben könnte. Gepflegte Langeweile.

Doch halt: Einen Überraschung gibt es. Und zwar die „Entdeckung des Jahres“ im Gault-Millau: Arno Augustin aus Sulzfeld in Franken. Den kenne noch nicht mal ich. Nie gehört.

  • Der Captain empfiehlt den Riesling Stettener Pulvermächer von Jochen Beurer, unser Aufsteiger des Jahres. Für seltsam geringe 9,80 Euro
 


3 Pings/Trackbacks für "Weinführer: Gepflegte Langeweile"
Datum: 18.11.2010 (Update 25.8.2014)
 

Aktuelle Weinempfehlungen

Gewinnspiel

Gewinnspiel

Zum Newsletter anmelden und 1 von 30 MAGNUM-Flaschen Riesling Sekt von Reichsrat von Buhl gewinnen.