23.09.11 WEINE 6 Einem Freund senden

Rotweinland für Abgebrannte

Bei Winzer Manfred Kopfensteiner kostet Kosten wenig. (Foto: Kopfensteiner)Bei Winzer Manfred Kopfensteiner kostet Kosten wenig. (Foto: Kopfensteiner)

Rotwein aus Österreich hat im Gegensatz zu seinen weißen Weinen ein kleines Problem. Denn er wird außerhalb der Alpenrepublik praktisch kaum wahrgenommen - lässt man weinbegeisterte Zirkel mal beiseite. Was der Grüne Veltliner international an Anerkennung geschafft hat, muss der österreichische Rotwein noch schaffen. Was nichts (um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen) mit der oft hervorragenden Qualität zu tun hat.

Der Grund ist ein anderer. Die Österreicher saufen lieber alles selber weg. Über die Grenzen schwappt nur wenig roter Spitzenwein. Im benachbarten Ausland punktet man lieber mit günstigem Spaß-Zweigelt . Und auch das nur in Maßen. Denn österreichischer Rotwein darf außerhalb Österreichs nur eines nicht: viel kosten.

Rote Ösis sind relativ günstig

Preise spiegeln immer eine Wertschätzung wieder. Wer viel ausgibt, erwartet viel. Sei es an Qualität oder Prestige. Oder beides. Da darf man froh sein, dass österreichischer Rotwein international verglichen doch eher mit bescheidenen Preisen hausieren geht. Wo die Preise von Spitzenblaufränkisch aufhören, beginnen die von Burgunder, Barolo, Bordeaux, Priorat und Konsorten. Also, Matrosen: schlagt bei Ösi-Rotwein zu und betet, dass sie international weiterhin kaum beachtet werden. Der Kontostand wird es danken.

Zur Sache mit dem Blaufränkisch. Er ist Österreichs wiederentdeckter Stolz. Die einzige Rebe von dort, die internationale Größe hat. Das war nicht immer so. Noch in den 70ern und 80ern wurde der Blaufränkisch ziemlich stiefmütterlich behandelt. Als jemand, dem man Größe nicht so recht zutraut. Und stat dessen lieber Cabernet Sauvignon und Merlot auspflanzt. Gottlob sind die 80er mit ihren bekannten Geschmacksverirrungen wie Schulterpolster und toupierte Haarsprayfrisuren passé. Man besinnt sich wieder auf innere Haltung. Und das ist gut so.

Südburgenland, Ar..., äh, Ende der Welt

Tauchen wir noch tiefer ab in Österreichs Rotweinszene. Dort ist seit einigen Jahren eine kleine abseits liegende Region Brennpunkt einer unglaublich dynamischen Winzerschaft - das Südburgenland. Wenn die österreichische Welt einen A. (der Zahlmeister hat verboten, hier an Bord mit Fäkalwörtern zu hantieren) haben sollte - das Südburgenland würde ganz sicher dort liegen. Wobei das jetzt bitte als Kompliment gemeint ist. Machen sie ruhig mal Urlaub im Südburgenland - die Ruhe dort wird sie fertig machen, wetten?

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Kommentare 6

Kommentare

Uhudler nüchtern

Nehmen wir doch Uwe Schiefers Szapary Blaufränkisch. Für gerade mal 25 Euro bekommt man einen Rotwein von internationalem Format! Das trinkt man nicht täglich, ist aber im Vergleich zu anderen Spitzenregionen in Europa preislich eher ein Witz. Und ich spreche hier von Uwe Schiefer, der nun wirklich kein preislicher Geheimtipp ist. Womöglich bekommt man anderswo im Burgenland ähnliches noch günstiger.

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Baumfreund

das mag beim szapary vielleicht sein, aber sein reihburg kostet gleich das doppelte, also knapp 50 e. dafür kriegt man großen stoff aus dem priorat. und da bezweifele ich, ob blaufränkisch aus österreich in diesen qualitätsregionen mithalten kann.

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pivu erstaunt

Keine Ahnung, wie ihr drauf kommt, "österreichischer Rotwein wird im Ausland nicht wahrgenommen. Erst vor wenigen Wochen erschien in der NYT ein Special, vor einigen Monaten gabs in Hongkong eine internationale Pinot-Verkostung mit Siegern aus Ö. Alles Fakten, wovon die Beckers, Fürsts, Hubers oder Stoddens hierzulande nur träumen können.

Zum Thema: wenn schon nicht die bekannteren Uwe Schiefer, der dort wirklich die einsame Spitze darstellt, oder Reini Krutzer oder Christoph Wachter genannt werden, würde ich als Einstieg Fredi Weber mit tw. sensationellem PLV empfehlen.

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Maat Golenia voll auf Eisenberg

Ahoi Peter,

ich kenne den NYT-Artikel. Und es freut mich für den Blaufränkisch. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass die Amerikaner jetzt in so weit österreichischen Rotwein kaufen, dass man ihn für dort etabliert halten könnte. Hier mal ein Zeitungsartikel, dort mal Sieger bei einer Verkostung auf einer Fidschiinsel: das reicht mir persönlich nicht. Spitzenrotwein aus Ö hat auch in Deutschland einen schweren Stand, mal vielleicht abgesehen vom Münchener Raum, der eh schon immer gern nach Österreich geschaut hat, wenns um Wein ging. Geh mal zu den durchschnittlichen deutschen Fachhändlern ins Ladengeschäft - dort wirst Du Premiumblaufränkisch praktisch nicht finden.

Und Schiefers Eisenberg sowie den Bela-Joska 2007 (!) hatte ich übrigens ganz unten als Tipp angegeben.

So, ich mach mir jetzt Schiefers Eisenberg 2009 auf. Prost.

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labello :-)

Es freut mich sehr, dass endlich einmal das Südburgenland thematisiert wird. Ich fahre seit einigen Jahren regelmässig in diese sogenannte Weinidylle, da es dort ganz spezielle erdige Blaufränkisch gibt, die ich überaus schätze.
Neben den bereits erwähnten Betrieben sind Jalits, Schützenhof und Vinum Ferreum äußerst empfehlenswerte Adressen. Und was mir in der Gegend besonders gefällt, ist der Umstand, dass die Weine von den Winzern oft später auf den Markt gebracht werden als es im Junweintrinkerland Österreich üblich ist.

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Maat Golenia

Herrlich diese Ruhe dort, oder?

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