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Wein & Klima: ein Gipfel muss her

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Für diese Generation kein Problem. Aber wird die nächste hier noch Wein anbauen können?
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Der Klimawandel wird den Weinbau verändern. Alte Gebiete könnten verloren gehen, viele Regionen werden ihre Stilistik verändern, neues Land wird urbar gemacht. Alles nur Vorhersagen. Der Captain will es aber genau wissen. Und ruft die Experten.

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2009 wird ein gutes Jahr. Vor wenigen Wochen riefen die Winzer noch freudig, 2009 könne ein weiterer Jahrhundertjahrgang wie 1990 werden. Jetzt wird etwas tiefer angesetzt, es ist die Rede von einem guten Jahrgang, der kellertechnisch noch etwas nachgebessert werden muss. Tatsache aber: 2009 wird ein Jahrgang, den man generell (und oberflächlich betrachtet) in allen bekannten Weinbaugebieten empfehlen kann. Ein Selbstläufer, der auch leckere günstige Weine bringt. Man darf – wenn man will – viele Detailinformationen außen vor lassen. Das gilt freilich nicht für den Captain oder andere Weinenthusiasten, die immer auch wissen wollen, was dieser und jener Hang geleistet hat.

Doch gibt es Probleme, die der Konsument nicht mitbekommt. Die Winzer in der Toskana und im Bordeaux kämpfen 2009 mit dem Alkoholgehalt. Die ersten früh reifenden Sorten, etwa der Merlot, kommen in beiden Regionen gerade von den Stöcken. Der Merlot wird im Bordeaux mit durchschnittlich 14,5 % Alkohol eingestuft. Mitunter, z.B. in der Toskana, sind es sogar 16 % Alkohol. Viel zu viel.

Der hohe Alkoholgehalt nimmt dem Wein Charakter, er macht ihn einsilbiger und plumper. 2009 wird also ein Jahr der Önologen, die aus guten, aber alkoholreichen Trauben delikate Weine herstellen müssen. Vor allem im Bordeaux, wo 13,5 % Alkohol schon als hoher Wert gelten. 2009 kann mit einigem Pech noch wie 2003 werden: ein Jahr mit vielen gut trinkbaren aber letztendlich uninspirierten Weinen.

In Frankreich und Italien bereitet der Klimawechsel den Winzern einige Sorge. Jahrelang hatte man die Prognosen nicht weiter beachtet, doch seit 2003, dem irre heißen Jahr, ist man aufgewacht. Vor allem In Frankreich, das ja nicht gerade als grünes und umweltbesorgtes Land gilt. Prognosen der Umweltorganisation Greenpeace sagen hier sogar das Verschwinden ganzer Anbaugebiete voraus. Und das Ende großer Weine wie Mersault und Montrachet. Vor allem die Region Burgund soll vom Klimawandel extrem betroffen werden.

Das hat dazu geführt, dass sich in Frankreich Gastronomen und Künstler gegen die Klimaerwärmung stark machen. Sie bewerten den französischen Wein als Kulturprodukt, welches man vor dem Untergang retten muss. In Deutschland ist eine Allianz dieser Art leider immer noch undenkbar. Hier wird für den Erhalt kaputter Autofirmen demonstriert.

Doch selbst wenn der Ausstoß von Co2 augenblicklich um die Hälfte eingeschränkt würde, könne man manchen Weinbaugebieten nicht helfen. Das hat der berühmte Katastrophenskeptiker Björn Lomborg dem Captain in einem Vier-Augen-Gespräch schon vor ein paar Jahren gesagt. Mit der Klimaveränderung wird man leben müssen. Und das Beste daraus machen. Doch wie geht es weiter? Welche Gebiete sind betroffen? Stirbt der Chianti? Wird Deutschland ein bedeutendes Rotweinland? Werden wir Riesling aus Dänemark trinken? Und frischen Sauvignon aus der Grafschaft Kent? Das klingt utopisch, doch auch Lomborg meint, dass dies in den nächsten zwanzig Jahren durchaus Realität werden kann.

Diesen Fragen, so denkt der Captain, muss nachgegangen werden. Und so wird er bei einem seiner nächsten Landgänge mit ihm bekannten Forschern, Meteorologen und Agrarpolitikern über die Möglichkeit eines Klimagipfels sprechen, den er in absehbarer Zeit ausrichten will. Denn gerade der Weinbau braucht ein eigenes Forum. Viel zu lange wurde das Problem der Klimaveränderung negiert.

Andere Branchen tun das nicht. In Frankreich steigen die Preise für Hagelversicherungen, in Italien bekommen selbst namhafte Winzer kaum noch Kredite für neue Auspflanzungen. Selbst wenn diese ein nachvollziehbares ökonomisches Konzept vorweisen. So wurde erst im August einem Weinmacher aus Bolgheri der zugesagte Kredit zusammengekürzt. Der Grund, den die Bank anführte: „Wir wissen nicht, ob das vorgesehene Land in zehn Jahre noch als Anbaugebiet geltend gemacht werden kann.“

Was eine derartige Beurteilung von einst teuerstem Land bedeutet, kann sich jeder Winzer vorstellen. Ein Gipfel muss her.

 


Datum: 27.9.2009 (Update 28.9.2009)
 

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