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Wahre Liebe: Tom & Sherry

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Er ist staubtrocken, leicht und sollte kalt genossen werden - der Sherry Fino. Ich habe einen gefunden, der herllich frisch schmeckt und nicht viel kostet.  
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Der 29. April 1587 war ein schwarzer Tag für die Sherrytrinker in Cádiz.

Sir Francis Drake hatte beschlossen, die spanische Flotte im Hafen der südspanischen Stadt zu überraschen. Dass am Ende des Tages 32 Schiffe der Armada auf dem Meeresgrund lagen, war schon nicht so gut. Aber fast noch schlimmer war eine ganz andere Demütigung. Die Tommys hatten nach der Schlacht ganze 2.900 Fässer Sherry mitgehen lassen.

Das war der unfreundliche Beginn der langen Liebesbeziehung Englands mit den gepimpten Weinen von der iberischen Halbinsel. Denn der Prozess des Aufspritens (so nennt man das Zusetzen von Branntwein) machte den Wein nicht nur haltbar für lange Schiffsreisen. Sein Alkoholgehalt sorgte auch schnell für gute Laune.

So feierte die Admiralität sicherlich ausgelassen mit dem erbeuteten Stoff. Dass dabei auf saubere Aussprache nicht mehr geachtet werden konnte, erklärt vielleicht auch den Namen Sherry. Denn richtiger müsste der Wein eigentlich Jerez oder Xeres (de la Frontera) heißen. Nach seiner Herkunft in Andalusien.

Ein Gläschen Sherry also! Ich konnte zum Glück meine Kanonenluken geschlossen lassen, denn der Sherry, den ich hier bespreche, wurde mir kampflos überlassen. Es handelt sich um den Fino Elegante von Gonzales Byass.

Dieser Hersteller ist auch ein Teil der langen iberisch-britischen Sherrytradition. Denn mein Fino trägt nicht nur den Namen des Weingutbegründers Manuel Maria Gonzalez, sondern auch den seines ersten englischen Vertriebspartners: Robert Blake Byass. Gute 180 Jahre später ist Gonzalez Byass einer der bekanntesten Sherryproduzent der Welt. Vor allem dank der Marke Tio Pepe.

Fino – dieser Begriff muss auch noch erklärt werden. Es gibt ja unterschiedliche Sherry-Varianten, die sich hauptsächlich im Alkoholgehalt und Alter unterscheiden: Fino, Manzanilla, Amontillado, Oloroso, Palo cortado (ganz selten) und dann noch die süßlichen Medium, Cream und Pale Cream.

Die kann man jetzt nicht alle hier erklären. Aber kurz zum Fino. Der wird meistens aus der weißen, regionalen Palomino-Traube hergestellt und nach der Gärung mit Branntwein aufgespritet. Danach reift er mindestens drei Jahre in nicht gänzlich gefüllten Fässern, wobei sich oben ein Teppich aus Florhefe bildet, der die Oxidation verhindert und den Zucker vergärt. Alle Sherrys sind erstmal trocken.

Alles, was ihr über Sherry wissen müsst

Jetzt aber finito mit Gelaber und Fino ins Glas. Goldgelb glänzt der Starkwein und mir steigt der reife, schwere Duft von braunem Apfel und eingelegten Rosinen in die Nase. Gar nicht übel.

Im Mund natürlich knochentrocken. Und leicht. Hat (für Sherry) auch nur moderate 15 Volumenprozent Alkohol. Dann angenehme Töne von grünem Apfel und Mandel. Mmmh, ganz viel Mandel. Am Gaumen mandelt es so sehr, dass ich richtig Laune kriege auf: Mandeln. Dann ist da noch ein Hauch von Bircher-Müsli. Also Getreide und getrocknete Früchte. Interessant. Diese Geschmacksnoten kommen wohl vom Hefeflor und der sehr aromatischen Palomino Fino-Traube, die auch als Tafeltraube gegessen wird.

Ich trinke aus und finde, das ist ein schöner Sommersherry, den man in der Abendsonne genießen kann. Oder einfach vor dem Essen. Natürlich mit Mandeln.

 


Datum: 30.1.2018 (Update 1.2.2018)