X
Newsletter
X
X
Login
Passwort vergessen?


Konto erstellen

Volnay Fremiet: Bin ich im Kino?

D'Angerville_ART
Kommentare
Ähnliche Weine
Ähnliche Artikel
Neu-Maat Andreas Windisch klettert gerne auf Felsen rum. Na und? Ja, da geht es um Kraft und Geschicklichkeit. So will er uns das Phänomen eines Spitzen-Pinots aus dem Burgund erklären.
Anzeige

Am Ende landen alle beim Pinot Noir. So lautet ein Grundgesetze unter Weinkennern.

Dem widersetzte ich mich nicht und öffne eine Flasche „Volnay Fremiet“ 2009 von der Domaine Marquis d’Angerville. Vorab schon mal die key message – das ist ein sehr gekonnt auf die Flasche gebrachter Wein mit einem ganz ausgezeichneten Trinkfluss.

Der Pinot demonstriert spielerische Leichtigkeit. Zeigt sich zu jeder Zeit elegant und feinfühlig. Reife rote und schwarze Beeren, ein animierendes rauchig-röstiges Holz und kühlende Mineralität stehen bestens in Balance. Dazu kommen florale Aromen und edler Kaffee.

Wie aber erkläre ich diesen Wein für die Matrosen hier an Bord? Versuchen wir es mit Sport.

Ich selbst bin Sportfan und mehr oder minder ambitionierter Hobbybewegungsaktivist. Während meiner jugendlichen Sturm- und Drangphase beeindruckten mich insbesondere Persönlichkeiten, die sich durch unbedingten Siegeswillen und pure Kraft auszeichneten.

Erst kommt immer die Kraft.

Da war der Boxer Mike Tyson der seine Gegner reihenweise auf die Bretter schickte. Da waren Fußballer wie Jens Jeremies oder Basketballer wie Dennis Rodman, die Spiele schlichtweg aufgrund ihrer Präsenz und ihres Einsatzes umbiegen konnten. Und da waren Typen wie Goran Ivanišević, der mit einer Energieleistung 2001 Wimbledon gewann und seinen Gegnern die Bälle nur so um die Ohren pfiff.

Natürlich verfügten sie in allen Bereichen über das nötige Repertoire. Aber auf die Idee, sie als elegante und leichtfüßige Techniker zu bezeichnen, käme ich zu keiner Zeit.

Warum schreibe ich das jetzt? Nun, Weine mit Power und Druck wie Cabernet Sauvignon oder Syrah sind Kandidaten, die in diese Richtung gehen. Mit zunehmender Lebensweisheit (wächst angeblich mit fortschreitendem Alter) faszinieren mich mehr und mehr andere Eigenschaften.

Dann kommt die Geschicklichkeit.

Dabei handelt es sich um Stärken und Vorzüge, wie sie im „Volnay Fremiet“ zu finden sind. Ich fühle nicht überwiegend Kraft, sondern der Wein nimmt mich mit auf eine emotionale Reise. Plötzlich befinde ich mich auf einem roten Teppich inmitten perfekt gekleideter Herren in Maßanzügen und sinnlich-galanter Damen in verführerischen Kleidern. Im nächsten Augenblick stehe ich kurz nach einem Sommerregen hoch oben auf der Spitze einer Steilküste. Ich rieche nassen Fels, Meeresluft und wilde Blumen. Am Ende besuche ich noch einen rustikal eingerichteten Kaffeeröster mit Zigarren- und Schokoladenecke. Ein Fußboden mit alten Holzdielen, der Röster läuft und im Kamin brennt ein Feuer. Dies alles passiert gleichzeitig und im Einklang, ohne Aufregung oder Hetze. Erstklassiges Kino der Gefühle.

Zurück zum Sport. Denn auch dort finden sich Beispiele dieses vielschichtigen Gesamtbildes. Ein Jay Jay Okocha fand Lösungen für Situationen auf dem Feld mit Spielwitz, Finesse und technischer Beschlagenheit. Ein Roger Federer spielte mit Ball und Gegner, raffiniert und feinfühlig. Und ein Kobe Bryant demonstrierte wie schön, leicht und elegant Basketball aussehen kann. Selbstverständlich mit genügend Stärke ausgestattet, aber beileibe keine verbissenen Kraftmeier.

Pinot Noir = Kraft und Geschicklichkeit in Einem.

So ist er, der Pinot Noir. Genauso wie Spitzenleistungen im Sport gibt es keinen Spitzen-Pinot im Vorbeigehen. Diese Rebsorte ist anspruchsvoll, sie braucht den richtigen Standort und ein richtiges Händchen, das sich um sie kümmert. Aufmerksamkeit ist das A und O. Ebenso wie fortlaufendes Reflektieren, Verbessern und Anpassen. Nur so entstehen phantastische Pinots, in denen ich mich nur allzu gern verliere.

Die Domaine Marquis d’Angerville ist einer der großen Namen im Burgund, der die Kunst des Pinot-Machens vollends beherrscht und seit geraumer Zeit biodynamisch arbeitet. Seit über 200 Jahren befindet sich der Betrieb in Familienbesitz und schrieb Weingeschichte, indem er gemeinsam mit zwei anderen Erzeugern erstmalig Weine unter eigenem Name abfüllte. Ein enormer Schritt und ein Skandal zugleich gegen Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts – in einer Zeit, als große Handelshäuser den gesamten Weinmarkt beherrschten.

Genug geschwafelt, jetzt trinken.

Ich genieße schweigend und lasse den „Volnay Fremiet“ weiter auf mich wirken. Sehe Jay Jay, Roger und Kobe zu, lasse mich bezaubern und mitreißen.

Mittlerweile bin ich nach mehreren Sportarten beim Klettern und Bouldern angekommen. Eigentlich ziemlich schlüssig nach dem Grundgesetz. Die perfekte Symbiose von mentaler Stärke, Einfallsreichtum, Kraft, Ausdauer und Technik führt zur Kunst der Bewegung. Die Schönheit der Natur und die Schroffheit der Felsen tragen zu einem faszinierenden und anmutigen Gesamtbild bei. Wer sich das einmal ansehen möchte, sucht im Internet nach Videos von Adam Ondra oder Chris Sharma. Und trinkt dazu ein Glas Pinot Noir.

  • Volnay Fremiet 2009 von der Domaine Marquis d’Angerville.
 


Datum: 6.6.2014 (Update 17.2.2015)
 

Aktuelle Weinempfehlungen

Gewinnspiel

Gewinnspiel

Zum Newsletter anmelden und 1 von 30 MAGNUM-Flaschen Riesling Sekt von Reichsrat von Buhl gewinnen.