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Trennt, was nicht zusammengehört!

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Zwei Verschlüsse, zwei Kulturen...
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Captains Maat Florian Küblbeck nervt die endlose Verschlussdebatte an Bord. Und er schlägt die einzig gangbare Lösung vor: Lasst getrennt, was nicht zusammengehört! Zwei Welten, die zwei unterschiedliche Kulturen haben.
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Schon wieder, zum gefühlt dreimillionsten mal, tobt an Bord die blöde Verschlussdebatte. Und wie immer, wenn man auf das leidige Thema „Stelvin kontra Naturkork“ (und auf diese beiden Verschlussarten lässt sich die gesamte Diskussion leider reduzieren) zu sprechen kommt, kochen die Emotionen hoch – nicht nur unter den Maaten. Auch die Matrosen fühlen sich bemüßigt, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen und trommeln wie die Irren gegen den Schiffsbauch.

Den Captain – seit jeher daran gewöhnt sich drohender Enterhaken alsbald zu entledigen – kümmert das wenig, er hockt in seiner Kajüte und zwitschert sich einen mit seiner neuen dunkelhaarigen Bekanntschaft. Mittlerweile dürften die beiden jeden anständigen Riesling aus 2011 durch haben.

Mir dagegen fehlt dieses Gleichgültigkeitsgen. Zwar stehe ich der Verschlussdebatte aufgeschlossen gegenüber, einen klaren Sieger kann ich jedoch nicht erkennen. Wie auch? Was da diskutiert wird, ist ziemlich arm an Argumenten und vielfach von dem Wunsch getragen, dass die eigene Meinung doch schlicht die richtige sein muss. Und so entlarvt sich vieles von dem, was da so ins Feld geführt wird, schnell als self fulfilling prophecy. Dabei gibt es sie doch längst, die Lösung, mit der jeder zufrieden sein kann – sie ist nur etwas wenig skandalträchtig: Beide Seiten haben Recht, weil beide Unrecht haben. Zumindest im Hinblick auf die Argumente des Gegners.

Jeder im Recht und Unrecht

Was in der hitzigen Gemütslage gerne übersehen wird, ist nämlich, dass Anhänger des Korklagers ganz andere Dinge von ihrem Wein erwarten, als die Stelvinjünger. Während man mit dem Naturkork gleichsam eine ganze Flasche voll liebgewonnener Tradition und die Erinnerung an so manches großartige Trinkerlebnis entkorkt, für die man auch mal riskiert, das eine oder andere ekelerregende Müffelwasser im Glas zu haben, sucht man unterm Schrauber in erster Linie dicht und sauber verschlossenes mit niedriger Ausfallrate und riskiert dafür, die Weinkultur in ihrer bisher gekannten Art aufzugeben.

Das sind zwei so vollkommen unterschiedliche Philosphien zum Thema Weingenuss, dass man sich bei genauerer Betrachtung fragt, was die beiden Parteien eigentlich geritten haben muss, als sie sich irgendwann überlegten, den jeweils anderen von seiner Ansicht überzeugen zu können. Zu müssen, bisweilen.

An Rhetorik zur Beweisführung mangelt es hüben wie drüben freilich nicht. Was aber fehlt, ist die gemeinsame Grundlage. Es kann also überhaupt nicht darum gehen, einen Verschluss zu finden, der beide Seiten befriedigt. Darum ging es nie und wird es nie gehen. Worum es geht, ist Stimmungsmache, ganz plump und propagandistisch.

Das Perfide daran ist, dass sich die Konsumenten freiwillig auf dieses Spiel der konkurrierenden Verschlusshersteller einlassen und deren Werbetrommeln selbst kräftig mitrühren. Ich halte das für blödsinnige Zeitverschwendung, denn solange man sich nicht einig ist, wofür man streitet, kann man den Streit auch gleich beiseite lassen.

Was dann übrig bleibt, ist die erstaunlich zweckdienliche Erkenntnis, dass man Naturkork und Schrauber nicht einfach austauschbar verwenden kann und sollte. Der Reifeverlauf unter den fraglichen Lösungen ist unterschiedlich, das sollte jedem klar sein, der einmal denselben Wein aus unterschiedlich verschlossenen Flaschen probieren konnte. Was soll man nun tun, um dieses Dilemma zu lösen?

Ich finde, man sollte ganz einfach den Winzer entscheiden lassen, welcher Verschluss dem jeweiligen Wein seiner Kollektion besser steht. So findet sich sicher für jeden Verschlussverfechter der passende Wein und jede Flasche transportiert jenen Respekt vor ihrem Inhalt, der dieser nervtötenden Diskussion so oft fehlt. Was nützt uns schließlich die beste Erklärung zum vermeintlich optimalen Verschluss, wenn der Wein darunter nicht schmeckt? Also weniger reden, mehr machen. Die Winzer, nicht die Propagandisten.

 


 

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