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Syrah Nord: Warmes, von wo es kalt ist

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Maat Mally macht sich auf in den Norden Österreichs. Dort, wenige Meter von der tschechischen Grenze entfernt, keltert man nicht nur Grünen Veltliner, sondern auch Viognier und Syrah. Ein Prost auf die Klimaerwärmung.

Die Ernte ist vorbei. Die kalte Jahreszeit eigentlich schon da (bibber). Die eisige Morgenluft brennt auf den Wangen und das morgendliche Eiskratzen am Auto lässt die Finger erstarren. Zeit für ein paar winterliche Weintipps. Und die dann gleich aus aus dem hohen Norden Österreichs, aus Seefeld-Kadolz, vom Weingut Graf Hardegg. Den Grafen, so nebenbei, gibt es wirklich.

Das Weinviertel ist das größte österreichische Weinbaugebiet, die Rebsorte dort ist der Grüne Veltliner. Lange war das Weinviertel nur Zulieferregion für Massenweine und Sekte, erst in den letzten 15 Jahren tut sich Neues. Wenngleich noch wenig. Das Weingut Graf Hardegg ist eines der modernen Weingüter dieser Gegend. Bekannt wurde es durch den „Neowachauer" Peter Veyder Malberg, der hier eine Epoche lang Önologe war. Sein Nachfolger Andreas Gruber versteht es authentische und trinkfreudige Weine zu keltern, die so langlebig wie eigenständig sind. Das alles geschieht auf ca. 40 Hektar Land, für Österreich eine ganze Menge Besitz. Die Böden in Seefeld sind kalkhältiges Sedimentationsgestein bzw. Rohgesteinsböden, die auch etwas Tonerde enthalten.

Oberstes Credo der Seefelder Kellerarbeit ist es, den Boden der Region zu transportieren. Der Boden ist in einem kaltem Weingebiet das Wichtigste. Die alkoholische Gärung erfolgt bei Hardegg durch die natürliche Hefeflora aus dem Weingarten (Spontangärung), forciert werden traditionelle Ausbauweisen. Das heißt: Zurück zum Holzfass. Allerdings nicht zu den kleinen Barriques, sondern zu großen, neutralen Fässern; Fässer mit Kapazitäten zwischen 1.200 und 4.000 Litern. Hier gedeihen große Weine.

Großes Fass, kleines lass

Doch das Überraschende, das schon mit Peter Malberg begann: In Hardegg keltert man neben Veltliner und Riesling auch noch ein paar Exoten; Weine, die man in Österreich nicht vermuten würde. Dafür gab es nicht nur Lob.

Der Viognier - im Weingut Hardegg kurz „V" genannt - zählt für mich zu den interessantesten und großartigsten Weinen des Landes. Der 2000er offenbart sich derzeit jugendlich und kraftvoll; man könnte meinen es handle sich um den aktuellen Jahrgang.

Aktueller Jahrgang ist jedoch der 2008er. Und dieser präsentiert sich wunderschön grüngelb (13 % Alkohol). In der Nase außerordentlich würzig, Noten von Zimtnelke, Vanille und Pfeffer, dann auch Papaya und Pfirsich. Nach einiger Zeit im Glas macht sich Honig breit. Selbstredend hat der Wein keine Botrytis. In der Nase noch Pink Grapefruit und Earl Grey. im Mund Wucht. Und ein salzig brennendes Finish. Großer Stoff mit Potenzial für die nächsten 10 Jahre.

Syrah im Norden macht keinen Kummer und kaum Sorgen

Ein wahrer Gigant aus Seefeld ist der Syrah Reserve 2006 aus der Lage Steinbügel. Mit nur 13 % Alkohol ist er eher ein leichter Vertreter dieser zur Fette tendierenden Sorte. Der Wein ist betont naturbelassen, wirkt sehr tiefgründig und hat einigen Druck am Gaumen. Ganz im Gegensatz beispielsweise zum vielgerühmten Chateau Mouton-Rothschild 2000, den ich zufällig parallel trinken durfte. Oder anderen, eher vordergründigen Weinen.

Im Glas ein dunkles Rot, ja ein fast schwarzer undurchsichtiger Kern. In der Nase schwarzer Pfeffer und Bleistift. Nach einem Wechsel ins große Burgunderglas offenbaren sich Noten nach Kornelkirsche und Oliven, dann eine Räucherkammer mit Speck. Hardeggs Syrah braucht dann doch viel Luft um sich zu entfalten. Nach weiteren 15 Minuten riecht man auch Lakritze bzw. Anis.

Richtig geil wird´s am Gaumen, wenn man dieses großartige und betont feine Tanninkleid zum ersten Mal mit der Zunge ausziehen darf. Der Wein hat eine genial-beeindruckende Struktur. Ausgesprochen intensiv am Gaumen. Und wegen seiner wunderschönen Ausgeglichenheit, wegen der Balance zwischen Tanninen, Säure und Frucht wohl nahezu unsterblich. Ein großer, großer österreichischer Rotwein. Ein bisschen auch ein Wunder. Einfach makellos!

PS: Der Viognier ist in Österreich keine zugelassene Qualitätsrebsorte. Deswegen wird er im Weingut Hardegg als „Tafelwein" geführt was natürlich nichts über die Qualität und das Potenzial des Weins sagt.



  • Viognier Hardegg 2007 (noch) für 24,90 Euro


  • Syrah Reserve Steinbügel 2006


 


 

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