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Solaris: Lanz darf nicht aufhören!

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Erst seit 2004 zugelassen - Weinsorte Solaris. Foto: Wikimedia
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Rainer Balcerowiak probierte einen Wein vom Bodensee, dessen Sorte erst seit rund 20 Jahren existiert: Solaris. Und siehe da, das Zeug schmeckt richtig gut.
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Willkommen im im Reich der Piwis. Dabei handelt es sich nicht um einen keltischen Stamm.

Auch nicht um moderne Comic-Helden, sondern um pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gezüchtet wurden. Interessant sind sie vor allem für Öko-Winzer, denen durch den Verzicht auf die üblichen Pflanzengifte bei konventionellen Rebsorten in ungünstigen Jahren erhebliche Ernteverluste drohen.

Solaris – hä?

Die Weintrinker tun sich recht schwer mit den neuen Sorten, nur der Regent hat sich ein wenig aus der Öko-Nische entfernen können. Doch besonders bei den weißen Sorten wie Johanniter, Solaris, Muscaris und Cabernet blanc bewegen sich die Anbauanteile noch im Promillebereich. Traditionelle Varietäten wie Riesling, Weissburgunder oder auch Chardonnay haben einfach einen besseren Klang.

Einer der Pioniere in Bezug auf konsequenten Einsatz von Piwis ist das Weingut Lanz in Nonnenhorn am Bodensee. Es ging aus einem Obstbaubetrieb hervor, der bereits seit 1996 ökologisch nach Solaris.

Extrem resistent.

Erst seit 2004 ist die am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg im Breisgau gezüchtete Sorte Solaris uneingeschränkt für den Anbau in Deutschland zugelassen. Zu ihren Ahnen gehören unter anderen Merzling, Riesling, Grauburgunder, Muskat Ottonel und die russische Rotwein-Rebsorte Saperavi. Die Resistenz der frühreifenden Sorte gegen Mehltau ist so hoch, dass sie ohne jegliche Fungizidbehandlung kultiviert werden kann. Solaris hat ein hohes Alkoholpotenzia. So weit, so gut. Aber schmeckt das Zeug auch?

Der Solaris von Lanz wird ohne Reinzuchthefen vergoren und im Edelstahltank ausgebaut. Das lange Hefelager verleiht ihm einen feinen Schmelz.

Aber zunächst entströmt eine mächtige Duftwolke dem Glas. Das erscheint im ersten Moment nicht besonders angenehm. Es sei denn, man ist Fan von gezuckertem Obstsalat aus der Dose. Doch nach wenigen Sekunden ist die Attacke vorbei. Mirabelle und Maracuja erfreuen die Nase.

Quitte, Bittermandel, Karamell.

Am Gaumen dann ein bisschen Wassermelone, Mango und reife Tafeltraube. Aber insgesamt zunächst ein nicht ganz so schicker, leicht zuckriger Eindruck ud zwar deutlich stärker als beim Jahrgangsvorgänger aus 2012. Doch auch das ist schnell vorbei; es entfalten sich feine Noten von Quitte, Bittermandel und Karamell, alles eingebettet in feine Säure.

Ein richtig schöner halbtrockener Wein mit Charakter. Solaris ist ein Solitär, und wenn sich noch mehr Winzer dieser Sorte so liebevoll widmen wie Lanz, dann wird sie sich über kurz oder lang ihren angemessenen Platz im deutschen Rebsortenspiegel erkämpfen.

Natürlich ist das kein Selbstläufer. Viele Kunden würden auch bei ihm nach Riesling oder dem am Bodensee weit verbreiteten Müller-Thurgau fragen, so Juniorchef Benjamin Lanz im Gespräch. Man müsse sich manchmal schon den Mund fusselig reden, was es mit den Piwis auf sich hat. Aber wer so einen Wein probiert hat, wird seine Existenzberechtigung wohl kaum noch in Frage stellen.

  • Den Solaris 2012 vom Weingut Lanz.
 


Datum: 14.4.2014 (Update 4.2.2015)
 

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