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Schlägt Deutschland Burgund?

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Keller in der Burgund: das Terroir ist auch Romantik...
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Captains Anwaltsmaat Stefan Lauterbach hat genug vom Gerichtssaal und greift sich ein paar Freunde zur großen Pinot-Noir-Verkostung. Frankreich gegen Deutschland. Der Sieger steht schon vorher fest. Doch wird er auch gewinnen?
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Tatort: ein kleiner, charmanter Weinladen. Das Duell: deutsche Spätburgunder gegen französische Pinot Noirs. Die Weine: neunzehn Spitzen-Pinots, dekantiert und adäquat gekühlt. Die Schiedsrichter: sechzehn durstige Weinfreunde, der Anwaltsmaat mitten unter ihnen.

Die Duellanten wirken etwas ungleich. Hier die Franzosen: galant, gebildet, austrainiert, konservativ und weltoffen; von tadellosem Ruf und eindrucksvolle Erscheinungen. Dort die Teutonen: heimatverbunden, freundlich, solide, provinziell, aber hoffnungsvoll, der Schwarm aller Schwiegermütter. Ein einseitiges Duell, sollte man meinen. Doch Justitia ist blind – es wird verdeckt serviert.

Klar ist: dieses Duell kann nur eine Momentaufnahme darstellen, die viel mit der jeweiligen Tagesform der Weine zu tun hat. Das nimmt aber nichts von der Spannung.

Erst mal das Vorurteil. Deutscher Spätburgunder schmeckt oft süßlich mit Frucht nach Erdbeermarmelade und Hagebuttenmus. Mollig, weich und fruchtbetont, säure- und tanninarm, früh trinkreif, nicht übermäßig raffiniert und subtil, dafür aber gern mal süßlich und/oder übermäßig großzügig im Holzeinsatz. Ein Gruß von der deutschen Eiche.

Wie schmeckt der Franzmann?

Burgundischer Pinot hingegen schmeckt raffiniert und subtil, hat zarte Anklänge an Himbeeren oder Sauerkirschen, ist in der Jugend oft säurebetont, kitschfrei und mit subtilem Holzeinsatz unterlegt. Sperrig, gelegentlich auch grob, aber in der Spitze mit Potenzial für Jahrzehnte.

Doch nun zu den Gläsern. Ich blicke in zufriedene Gesichter. Ob zuerst alle Franzosen kommen? Und dann die Deutschen? Jedenfalls ist da nix mit Hagebutte oder reichlich Holz. Raffinierte Weine, sehr hochwertig, allesamt Franzosen, da ist man sich einig. Na endlich. Da ist auch der erste Deutsche. Da ist sie, die Erdbeermarmelade, da schmeckt man Kakao, Kümmel, Mineralität. Ohne Zweifel deutsch. Und verdammt lecker.

Etwa alles Franzmänner?

Nach der Halbzeit scheinbar nur noch französische Burgunder. Und es wird und wird nicht deutscher, sondern besser. Da strahlt die Sonne. Zunächst Kirschen und dunkle Beeren, fleischig, und doch fein, unterlegt von Kümmel und reichlich Kalk. Fantastisch.

Ein anderer Wein. Dichte Frucht nach allerlei Kirschen und Holunderbeeren, subtil unterlegt von feinster Bitterschokolade, raffiniert und fein, mit perfekter Säure, feinkörnigen Tanninen und einem immens langen kalkmineralischen Nachhall. Ein Raunen geht durch die Runde. Ehre, wem Ehre gebührt – so etwas können die Deutschen einfach nicht. Gerüchte von Chambertin machen die Runde.

Und jetzt gar keine Teutonen? Aber ja, zum Beispiel dieser hier: saftig, wieder viel Kakao, viel Erdbeere und reichlich Holz, vollmundig, kein Kalk. Vermutlich ein Klassewein von der Ahr. Wirklich sehr schön, aber nicht auf dem Niveau der beiden Sonnenkönige.

Am Ende des Duells war irgendetwas faul. Waren die Deutschen nur als Piraten in eine reine Franzosenprobe hineingeschmuggelt worden?

Alles falsch. Und alles eine Bestätigung unserer Vorurteile. Denn die beiden vorher beschriebenen und besten Weine der Probe stammen von den deutschen Winzern Friedrich Becker und Bernhard Huber. Gegen ihre wirklich großen 2008er Große Gewächse aus dem Schweigener Sonnenberg und dem Hecklinger Schlossberg hatten die renommierten und mindestens doppelt so teuren französischen Grand Crus – wie etwa der 2009er Latricières-Chambertin von Trapet und der 2007er Clos de la Roche von Lucien Le Moine – echt keine Chance.

Franzmann nicht in Form

Klar, werden jetzt manche sagen, das sind ja auch keine Weine von der Domaine Romaneé Conti oder von Armand Rousseau. Doch Auswechselspieler – Weine von der Ersatzbank – sind es auch keine. Und was ist mit den vermeintlich deutschen Burgundern, die man zuvor so deutlich als deutsch herausschmecken konnte?

Ja, der erste ist auch einer. Ein hervorragender Rheingauer vom Weingut Chat Sauvage. Aber der zweite ist ein Corton-Renardes Grand Cru – da war nix mit Ahr. Die Auswertung der Verkostung ergibt ein glattes Unentschieden. Wobei zu erwähnen bleibt, dass die deutschen Weine um mindestens ein Drittel günstiger sind.

Unterschätzet mir die Deutschen nicht

Und die Moral von der Geschicht? Unterschätzet mir die Deutschen nicht! Becker und Huber haben ein Niveau erreicht, das längst über das Niveau französischer Premier Crus hinausgeht. Und in ihrer Preiskategorie, ja vielleicht sogar deutlich darüber hinaus, werden sich im Burgund kaum Weine auf diesem Niveau finden lassen. Aventage L´Allemagne – Vorteil Deutschland!

Und die alten Klischees von den Eichenwäldern Germaniens und der burgundischen Finesse? Mögen sich sicher hier und dort noch bewahrheiten. Die ganze Wahrheit sind sie längst nicht mehr.

Die besten Weine der Probe:

  • Hecklinger Schlossberg Grosses Gewächs 2008 von Weingut Bernhard Huber für 58,50 Euro.
  • Schweigener Sonnenberg „Sankt Paul“ Grosses Gewächs 2008 von Weingut Friedrich Becker für 55,00 Euro.
  • Assmannshäuser Frankenthal Erstes Gewächs 2009 von Weingut Chat Sauvage für 42,00 Euro.
  • Grand Cru Corton-Renardes 2006 von Maillard Père & Fils für 49,90 Euro.
 


 

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