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Riesling: kleine Gäns ganz groß

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Mutter Mosel: wo der feine Riesling herkommt...
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Jetzt sind es auch wieder genug 2010er Weine und der Captain nimmt sich einen alten Riesling vor, der vom eigenen Gut eines berühmten Kellermeisters kommt. Das schöne dran: Den Wein kriegt man noch für wenig Geld zu kaufen.
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Es ist früher Morgen am Schiff und noch hat keiner geschlafen. Die meisten sind sowieso ausgegangen und trinken noch irgendwo am Landwehrkanal ein kleines Glas großen Weins. Der Erste hingegen ist in einen Club abgerauscht, in den der Captain nicht mehr reinkommt, weil er für die Türsteher wie ein geiler Greis wirkt. Ist ja auch nicht so unrichtig.

Also sitzt der Captain alleine am Kombüsentisch und leert das letzte Chianti-Glas aus der Riedl-Serie. Im Glas ist ein alter Riesling. Aber dazu muss der Captain ausholen.

Es ist ein Riesling vom Lubentiushof. Aus der Lage Gäns. Und aus dem Jahr 2005. Die Spätlese. Mit wenig Restsüße. Also ein alter Riesling, der jetzt gut reif sein sollte. Der Captain hat die letzten Tage über sehr viele 2010er Rieslinge getrunken und muss ehrlich sagen, dass er das Arschjahr 2010 ein klein wenig zurücknehmen muss. Was jetzt noch von 2010 da ist, ist oft richtig gut. Das schlechte Zeug ist ausgetrunken.

Schluß mit Gesang…

Der Lubentiushof gehört Andras Barth. Das Gebäude heißt nach dem Ortsheiligen von Niederfell an der Terrassenmosel. Barth hat das Gut 1994 mit einem Darlehen vom Vater gekauft (so zumindest glaubt sich der Captain zu erinnern). Damals war Barth Jurastudent und Sänger. Klassische Musik.

Barth, heute 44, hat das Singen aufgegeben, weil er von der Musik emotional ungeheuer berührt wurde. Über alle Maßen. Er konnte nicht mehr weitersingen und musste die Idee der Musik als Beruf aufgeben. So kam er zum Wein. Gut für uns.

Barth ist aber bekannt, weil er das Weingut Othegraven als Kellermeister führte. Nach dem Ausscheiden der ehemaligen und gerade erst verstorbenen Besitzerin Heidi Kegel, übernahm Günther Jauch den Hof und ließ Barth im Amt. Man kennt sich, man mag sich, man hat die gleiche Idee und Wellenlänge. Ein Glücksfall für den deutschen Weinbau.

Den Lubentiushof gab es immer. Und nie nebenbei. Leider entstand der Eindruck, Barth würde sich weniger um seinen eigenen Besitz kümmern. Doch das ist nicht der Fall, war es früher auch schon nicht, wie dieser Riesling Gäns aus 2005 beweist.

Gut und selten. Und in Deustchland verschmäht.

2005 war nicht nur an der Mosel kein einfaches Jahr. Viel Regen. Da war Schiefer als Abfluss von Vorteil. Aber auch ein goldener und trockener Oktober. Wer gewartet hat, wurde belohnt. Die Menge der guten Weine blieb aber klein.

In jedem anderen Land wäre der Gäns 2005 schon ausgetrunken. Nicht aber in Deutschland. Da kauft man die guten und seltenen Weine nicht weg, sondern verschmäht sie. Grotesk. Dem Captain aber ist es heute durchaus recht, so kommt er zu einer gut gealterten Flasche.

Auf dem Punkt. Daher nicht liegenlassen!

2005 kam von der Gäns nicht der beste aller Lubentiushof-Weine. Aber über die Jahre hat er ungeheuer gewonnen. Vor allem die Spätlese, die der Captain im Glas hat(te). In der Nase zuerst Kräuter, dann der erwartete Pfirsich und auch türkischer Honig. Ein wenig Petrol, das zunehmend stärker wird. Dann noch ein Politurtuch und etwas Schrubbmetall. Frucht trifft auf ein klein wenig ausgelaufenes Benzin. Sehr fein zu riechen.

Im Mund dann sehr süß und saftig mit einem bereits geschwächten Nachhall. Den Wein soll und muss man also nicht liegenlassen, das ist ein Riesling genau auf dem Punkt. Und er macht sich bald vom Acker. Ex und Hopp. Ein herrliches Trinkvergnügen für Leute, die gerne reife Rieslinge trinken. Der Preis ist dafür nahezu grotesk.

  • Den Riesling Gäns Spätlese 2005 von Lubentiushof für wirklich lächerliche 12,50 Euro.
 


 

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